Vergessene Baumarten

Speierling

Derzeit stehen schwere Zeiten an für Fichte und Co. Der richtige Zeitpunkt um sich an einige Baumarten zu erinnern, die im Wirtschaftswald keine Rolle mehr spielen – und das meist zu Unrecht.

Die Fichte wird von Buchdrucker und Kuperstecher geplagt, die Kiefer vom Waldbrand gefährdet, die Esche vom Eschentriebsterben verfolgt und selbst die Buche leidet regional stark an der Dürre. Fast könnte man den Eindruck bekommen man ist aufgrund des schlechten Zustands mancher heimischer Baumarten auf Exoten angewiesen. Doch in Wahrheit gibt es noch eine ganze Reihe von Baumarten, die von den meisten Forstleuten wahrlich vergessen wurden. Doch einige von Ihnen kommen mit trocknem und warmem Klima sogar ganz gut zurecht.

Flaumeiche
Wenn eine Baumart vom Klimawandel profitiert, dann ist es die Flaumeiche. Denn keine andere heimische Baumart, nicht mal die Waldkiefer, ist derart resistent gegenüber Trockenheit. Was die Latsche im Hochgebirge ist, ist die Flaumeiche an der unteren (trockenen) Waldgrenze, wächst sie nicht mehr kommt die Steppe. Ein Grund warum sie zukünftig mehr in den Fokus der Forstwirtschaft rücken sollte.
Speierling
Der Speierling (Sorbus domestica) gehört zu den Rosengewächsen. Er gilt als Wildobstbaum und ist als Wildgehölz eine der seltensten Baumarten. Seit mehr als 100 Jahren ist ein starker Rückgang des Speierlings in Europa festzustellen. Der Speierling ist einzeln oder in kleinen Gruppen eine Baumart jener Laubwaldgesellschaften, die bis vor hundert Jahren noch im sogenannten Mittelwaldbetrieb bewirtschaftet wurden. Mit dem forstwirtschaftlich forcierten Hochwald unterlag der Speierling im Konkurrenzdruck den durchwachsenden höherwüchsigen Nachbarbäumen. Dabei produziert der Speierling aber Wertholz, das sehr gefragt ist und Spitzenpreise erzielt.
Elsbeere
Die Elsbeere (Sorbus torminalis) wächst meist an wärmeren Lagen, südlich exponierten Hängen und Gebirgskämmen. Sie wird als Halblichtbaumart bezeichnet und verträgt in ihrer Jugend eine Beschattung recht gut. Seit einigen Jahren wird die Elsbeere wieder verstärkt angepflanzt. Das Holz der Elsbeere ist eines der härtesten europäischen Hölzer. Es arbeitet und wirft sich beim Trocknen sehr, ist zäh und gleichzeitig elastisch. Wegen seiner Ähnlichkeit zur Birne wird Elsbeere zusammen mit anderen Sorbus-Arten (Speierling, Mehlbeere, Vogelbeere) unter der Handelsbezeichnung Schweizer Birnbaum verkauft.
Spitzahorn
Von allen Ahornarten ist der Spitzahorn (Acer platanoides) am leichtesten zu bestimmen, da seine Blattform unverwechselbar ist. Häufig ist der Spitzahorn in Gärten und Alleen zu finden. Er ist eine Begleitbaumart in Eichenwäldern und wird dort kaum dominant, obwohl er über ein wesentlich schnelleres Jugendwachstum verfügt als die Eiche. Im Alter verliert der Spitzahorn aber an Konkurrenzkraft, meist wird er nur 20 m hoch, in Ausnahmefällen auch 30 m.
Eibe
Ihr Holz hat den Ausgang von mittelalterlichen Schlachten mitentschieden: Eibenholz war überaus begehrt für den Bau von Bogen, Speeren und Armbrüsten. Die Holzeigenschaften der Eibe (Taxus baccata) sind der Eiche ähnlich, es ist schwer, fest und gleichzeitig elastisch und sehr dauerhaft. Daher war die Eibe auch in friedlichen Zeiten sehr gefragt, etwa für den Möbelbau oder für Vertäfelungen. Ihre Beliebtheit bei Tischlern und Waffenschmieden führte aber auch dazu, dass die Eibe nahezu vollständig aus den Wäldern verschwand. Obwohl die Eibe eine sehr schattertragende Baumart ist, war sie immer schon eine Baumart, die nur selten im Wald zu finden war. Ein Grund dafür ist ihr äußerst langsames Wachstum, sie wird auch selten höher als 15 m.
Wildapfel
Um falsche Erwartungen gar nicht erst zu wecken: Die Früchte des Wildapfels (Malus sylvestris) sind nicht genießbar. Sie sind aber wichtig bei der Beurteilung, ob es sich um einen Wildapfel handelt oder nicht: Neben der Fruchtgröße deuten insbesondere unangenehmer, bitterer Geschmack und ein im Vergleich zum Kulturapfel deutlich geringeres Kernhaus auf Wildnähe hin. Anders formuliert: Wer in einen Apfel beißt, der weder nach Apfel schmeckt und auch etwas anders aussieht, hat gute Chancen einen Wildapfel gefunden zu haben. Durch die Züchtung der Kulturformen, die bereits am Ende der Steinzeit begann, kam es immer wieder zur Bastardierung zwischen Wildapfel und Kultursorten. Die Frage, ob es echte Wildäpfel überhaupt noch gibt oder es sich um mehr oder weniger wildnahe Formen handelt, kann nicht zweifelsfrei beantwortet werden.