Wasserhaushalt

Eine ausreichende Wasserversorgung ist eine wesentliche Bedingung für produktive Waldstandorte. Foto: Joseph o Brien/bugwood.org

Ohne Wasser gibt es kein Leben, zu viel Wasser kann allerdings auch schädlich sein. Jedem Besitzer von Topfpflanzen ist das heikle Thema der Wasserversorgung bewusst. Der Waldbesitzer hat es da leichter, gesunde Wälder regulieren ihren Wasserhaushalt selbstständig. Und das ist angesichts der Größe des Wasserbedarfs von Bäumen auch nötig. Eine ausgewachsene Buche verbraucht an einem warmen Sommertag 400 l an Wasser. Nadelbäume sind sparsamer. Die Nadeln, die mit einer Wachsschicht überzogen sind, hemmen die Verdunstung und erlauben es Koniferen auch in trockeneren Gebieten zu stocken.

Für den Wald gibt es zwei Wasserquellen: den Boden, also das Grundwasser und den Niederschlag. Es gilt zwischen der potentiell verfügbaren Menge und der tatsächlich verfügbaren Menge an Wasser zu unterscheiden. Liegt das Grundwasser zu tief (über 5 m Tiefe) für die Baumwurzeln oder ist eine undurchdringbare Schicht (Ton) zwischen Wurzeln und Grundwasser, ist die wirklich verfügbare Menge an Wasser weitaus geringer. In Mitteleuropa sind die regionalen Unterschiede der Jahresniederschläge groß: während sie in Brandenburg lediglich bei 550 mm pro Jahr (und damit nahe der unteren Waldgrenze von 400 mm liegen), betragen sie in Vorarlberg rund 2.300 mm, begünstigt durch die Alpen. Aber auch im Bregenzerwald erreicht nicht jeder Wassertropfen den Waldboden. Zwischen 30 % (Laubwald) und 50 % (Nadelwald) des Regens bleiben in den Kronen hängen und verdunsten.

Generell sind Wälder mit guter Wasserversorgung produktiver, eine Ausnahme bilden Wäldern an Moorändern mit Staunässe. Durch die hohe Speicherkapazität der Waldböden sind Wälder gegenüber trockenen Perioden toleranter. Voraussetzung hierfür ist aber das der Boden durch die Baumwurzeln gut erschlossen ist. Einfluss auf den Wasserhaushalt haben das Bodenleben, der Humuszustand, die Streu und die Vegetation. Fehler in der Bewirtschaftung können den Wasserhaushalt stark schädigen. Die Freistellung des Bodens durch Großkahlschläge führt zu einem erhöhten Oberflächenabfluss. Besonders in Steillagen ist das ein Problem. Bodenverdichtung durch Weidevieh (Rinder) oder Maschinen führt dazu, dass die Pflanzenwurzeln das Grundwasser nicht mehr erreichen und das Niederschlagswasser Staunässe bildet, die zum Absterben von Wurzeln und Baum führen kann.

Bäume und ihre Wasseransprüche:

Baumarten die Staunässe tolerieren: Schwarzerle, Grauerle, Silberpappel, Schwarzpappel, Silberweide

Baumarten die frische Standorte (ganzjährlich gute Wasserversorgung) benötigen: Buche, Tanne, Bergulme, Spitzahorn, Bergahorn, Fichte, Esche, Traubenkirsche, Stieleiche, Winterlinde

Baumarten mit hoher Toleranz gegenüber Trockenheit: Birke, Kiefer, Zirbe, Schwarzkiefer, Zerreiche, Hainbuche, Traubeneiche, Robinie