Fichtenersatzgesellschaften

Fichtenmonokulturen in den Tieflagen sind wesentlich instabiler als natürliche Fichtenwälder in den Hochlagen. Foto: Richbard Webb/bugwood.org

Künstliche Wälder, also Wälder, die vom Menschen an Standorten künstlich eingebracht wurden, werden von der Vegetationskunde als Ersatzgesellschaft bezeichnet, dass sie an Stelle einer natürlichen Waldgesellschaft gepflanzt wurden. Ein typisches Kennzeichen solcher Wälder ist das die Verjüngung aus Laubbäumen, die dem Standort entsprechen, besteht. Ohne menschliches Eingreifen würden sich solche Bestände innerhalb einer Baumgeneration wieder in einen standortstauglichen Laubwald umwandeln – vorausgesetzt es stehen in unmittelbarer Nähe ausreichend viele samentragende Mutterbäume zur Verfügung, die diese Entwicklung unterstützen. Interessanterweise passt sich die Bodenvegetation relativ rasch an die Dominanz der Fichten an, und es siedeln sich Vertreter der Gräser und der krautigen Vegetation an, die eigentlich in natürlichen Fichtenwäldern zu finden sind. Aus diesem Grund kann die Bodenvegetation nicht als Indikator herangezogen werden, ob ein Fichtenwald natürlich oder künstlich ist. Solche künstliche Forstersatzgesellschaften sind auch weniger stabil als die Laubwälder und zwar auf folgenden Gründen

  • Während die Laubwälder während der Hauptsaison der Sturmzeiten ihre Blätter abwerfen und somit dem Wind wenig bis gar keinen Angriffspunkt bieten, behalten Fichten ihre Nadeln und sind somit verstärkt dem Risiko eines Windwurfs ausgesetzt
  • Fichtenersatzgesellschaften fallen auch leichter Waldbränden zum Opfer: die abgeworfenen Nadeln in der Bodenstreu sind leichter entflammbar als Blätter, auch enthalten die meisten Laubbaumarten mehr Wasser im Holz und sind daher weniger leicht entzündlich als Nadelbäume, auch sind Harze und Öle im Holz von Nadelbäumen ein zusätzlicher Risikofaktor
  • Diverse Schadinsekten finden in Fichtenersatzgesellschaften ebenfalls bessere Entwicklungsbedingungen: dies hängt zum Einen mit dem milderen und wärmeren Klima zusammen, zum anderen mit dem Futterpotential das von Monokulturen für Schadinsekten darstellen.
  • Fichtenersatzgesellschaften beeinflussen auch den Bodenzustand: da Fichtennadeln schlechter abbaubar sind für die Bodenorganismen kommt es zur Bildung von Rohhumus, wodurch das Pflanzenwachstum ebenfalls gehemmt ist. Da Fichten nur oberflächlich wurzeln kann es auch zu einer Bodenverdichtung kommen und zu einer Austrocknung des Oberbodens, da die Fichte nur die obersten Bodenhorzionte zur Wasseraufnahme nutzt, während die unteren von den Wurzeln nicht erreicht und nicht genutzt werden. So kann es zu Trockenstreß auf Böden kommen, die eigentlich über ausreichend viel Wasser verfügen.