Walderschliessung

Gerade eine nachhaltige Waldwirtschaft benötigt ein Mindestmaß an Erschliessung um das Holz aus dem Wald transportieren zu können.

Unter Erschließung wird die Ausstattung des Waldes mit forstlicher Infrastruktur wie Wegen, Seiltrassen und Holzlagerplätzen verstanden. Dabei sind die Wege im Wald von größter Bedeutung, da sie nicht nur den Holztransport ermöglichen, sondern ihre Errichtung mit höheren Kosten und größerem Aufwand verbunden ist.

Bei der Erschließung wird zwischen Grob- und Feinerschließung unterschieden. Bei der Groberschließung handelt es sich um ein ganzjährig befahrbares Wegenetz, das auch für LKWs für den Holztransport genutzt werden kann und einen Anschluss an das öffentliche Straßennetz bietet. Bei der Feinerschließung handelt es sich um Rückewege und Rückegassen.

Das Erschließungskonzept ist eine technisch wie ökonomisch zweckmäßige Kombination von Grob- und Feinerschließung. Abhängig ist sie von der Hangneigung, der Bodentragfähigkeit und den Geländehindernissen (Schwierigkeitsgrad).

Hangneigung (%) Bodentragfähigkeit* Schwierigkeit Mögliches Erschließungskonzept
0 – 25 > 3 einfach Forststraße mit Rückegassennetz
0 – 25  1 – 3 einfach Forststraße mit Rückegassennetz
0 – 25  1 – 3 schwierig Forststraße mit Seiltrassen
25 – 60 > 3 einfach Forststraße mit Rückewegen
25 – 60  1 – 3 schwierig Forststraße mit Seiltrassen
> 60 Forststraße mit Seiltrassen

Mögliche Erschließungskonzepte

*Die Bodentragfähigkeit wird nach dem CBR-Wert (California Bearing Ratio) angeben, der ein Maß für die Untergrundtragfähigkeit von Böden ist. Er kann mit Hilfe eines Pentrometers bestimmt werden. Böden mit einem Wert unter 3 sind wenig tragfähig, Böden mit wenig Feinanteilen erreichen einen CBR-Wert von 20 und sind äußerst stabil.

Zwischen den Erschließungskosten, also den Kosten für den Forststraßenbau und den Holzerntekosten besteht ein direkter Zusammenhang. Je mehr in die Forststraßen investiert wird, desto geringer werden die Holzerntekosten, weil die Rückedistanzen und somit die Kosten für die Rückung geringer werden. Dieser Zusammenhang ist aber für bäuerliche Waldbesitzer nicht direkt übertragbar. Im Gegensatz zu Forstbetrieben, in denen laufend Holz geerntet wird, gibt es im bäuerlichen Wald die ständige Auslastung nicht. Traditionell wird einmal im Jahr während der Wintermonate genutzt, in manchen Jahren unterbleibt eine Nutzung komplett. Durch die wenigen Betriebsstunden, in denen die Forststraße tatsächlich genutzt wird, lassen sich die enormen Kosten der Forststraße kaum amortisieren.

Hierfür ein kurzes Rechenbeispiel:

Die Kosten für eine Forststraße liegen bei rund 30 Euro pro Laufmeter. Baut ein Landwirt nun 500 Laufmeter neue Forststraße, so liegen die Kosten dafür bei 15.000 Euro. Die Rückekosten lassen sich durch den neuen Weg um 30 % senken, und zwar von bisher 10 Euro auf 7 Euro pro Festmeter Holz. Die Ersparnis beträgt also 3 Euro pro Festmeter. Damit sich die Investition amortisiert, müssen rund 5.000 fm Holz über die neue Forststraße gerückt werden.