Abwehr von Wildschäden

Rehe sind so wie auch andere Wildtiere an die Wintermonate angepasst, sowohl ihre Aktivität als auch ihr Nahrungsbedarf ist darauf eingestellt das während des Winters weniger Äsung zur Verfügung steht. Eine Fütterung ist daher nicht nötig und teils sogar kontraproduktiv für die Tiere wenn falsche Nahrung verfüttert wird. Foto: Cristian Gusa/bugwood.org

Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, sollte man sich als Waldbesitzer Gedanken über den Schutz der Kulturen machen. Auch wenn es vermehrt Bestrebungen gibt, die hohen Wildbestände durch intensivere Bejagung in den Griff zu bekommen, ist der Wilddruck in vielen Regionen immer noch so hoch, dass Schutzmaßnahmen notwendig sind. Hinzu kommt, dass die Problematik der Wildschäden komplex sind und daher nicht damit zu rechnen ist, dass sich an der Gesamtsituation in naher Zukunft etwas ändert.

Der Begriff Wild umfasst alle jagdbaren Vogel- und Säugetierarten, umgangssprachlich sind damit aber Reh, Rothirsch und Gämse gemeint. Insgesamt sind die Wildschäden die wichtigste Schadensursache bei Verjüngungen. Während bei den meisten Gefahren ein naturnaher Waldbau – wie etwa die Vermeidung von Kahlschlägen gegen den Rüsselkäfer – das Befallsrisiko deutlich reduzieren kann, so trifft dies nicht auf die Wildschäden zu. Für die Bestandesentwicklung dieser Tiere sind Faktoren ausschlaggebend, die der einzelne Waldbesitzer nicht beeinflussen kann, insbesondere nicht wenn der Waldbesitz nur einige ha groß ist. Der Grund für den hohen Wilddruck liegt im starken Populationswachstum. Die Intensivierung der Landwirtschaft, aber auch der Verlust von Lebensraum (höhere Wilddichte auf kleineren verfügbaren Flächen) sowie mildere Winter sind die Ursachen für die hohen Bestände.

Wildart 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2015
Rothirsch 12.637 27.689 33.187 40.187 42.365 43.498 51.700
Reh 59.962 130.235 143.883 211.105 255.371 256.672 268.054
Gams 7.139 13.880 13.871 24.709 27.278 24.523 19.690

Entwicklung der Strecke bei Reh, Rothirsch und Gämse in Österreich.

 

Wildart/Jahr 1936 1980 2015
Rotwild 56.960 47869 74.359
Rehwild 643.364 757466 1139536
Gamswild 955 2923 4703

Entwicklung der Strecke von Reh, Rothirsch und Gämse in Deutschland.

 

Nicht jeder Verbiss ist ein Schaden

Die Methoden der Wildschadensverhütung werden immer zahlreicher: Vogelscheuchen und reflektierende Pfähle sollen das Wild davor abhalten, Wald und Flur zu schädigen. Auch kurios anmutende Vergrämungsmethoden werden in manchen Ratgebern empfohlen: sie reichen vom Verstreuen von Menschenhaaren bis zur Installation von Feuerwerkskörpern, dessen Lärm das Wild verscheuchen soll. Wer aber keine Lust hat nach jedem Friseurbesuch den Wald zu besuchen und die Stille im Wald schätzt, sollte sich lieber an die bekannten technischen Abwehrmethoden halten. Neben der Regulierung der Wilddichte sind diese die erfolgversprechendste Methode für den Schutz der Waldverjüngung. Dabei muss auch beachtet werden, dass mit jeder Schutzmaßnahme der Druck auf die nicht geschützte Vegetation zunimmt.  Man unterscheidet zwischen Einzelschutz, bei der die einzelne Pflanze geschützt wird und Flächenschutz, bei dem eine gesamte Kultur oder ein Teil davon geschützt wird. Neben dem Arbeitsaufwand entstehen auch immer Kosten bei Schutzmaßnahmen.

Verbissgefährdung
Baumart hoch mittel gering
Tanne x
Eiche x
Ahorn x
Esche x
Eberesche x
Pappeln x
Rotbuche x
Linde x
Kiefer x
Fichte  x
Birke x
Lärche x
Douglasie x
Schwarzerle x

Verbissgefährdung heimischer Baumarten.

Welche Schutzmaßnahme am effektivsten ist, hängt auch von der Verjüngungsart und dem vorherrschenden Wilddruck ab: Ist dieser so hoch, das nicht mal mehr die Fichte sich verjüngen kann, dann wird eine Zäunung am effektivsten sein. Wollen Sie in einem Waldgebiet mit normaler Wilddichte eine verbissgefährdete Baumart wie die Tanne oder die Eiche verjüngen, wird der Einzelschutz zielführender sein. Bevor Sie Schutzmaßnahmen setzten, ist es aber ratsam, die Verbisssituation zu untersuchen. Dabei stellen sich drei Fragen:

  • Ist Verbiss an der Verjüngung zu finden?
  • Handelt es sich bei den verbissenen Bäumen um eine Zielbaumart?
  • Ist der Verbiss derart hoch, dass dadurch die erfolgreiche Verjüngung gefährdet ist?

Wenn die Antwort auf alle drei Fragen ja lautet, dann müssen Sie Schutzmaßnahmen einsetzen.

Zäune dürfen nicht zu nah an Bäumen gebaut werden, da sonst der Zaun in den Baum einwachsen kann. Foto: Joseph o Brien/bugwood.org
Gegen Schälschäden gibt es kaum einen Schutz, geschälte Bäume müssen bei der nächsten Durchforstung entnommen werden da das Holz entwertet ist.

Flächenschutz

Vor allem bei kleinflächigen Kulturen eignet sich der Zaun. Dabei muss die zu schützende Fläche aber eine Mindestgröße haben, ansonsten wird der Zaunbau unrentabel: zumindest eine Fläche von einem halben Hektar sollte geschützt werden. Für eine Länge von 100 m dauert der  Zaunbau zwischen sieben und elf Stunden. Gegen zu große Zaunflächen (über 10 ha) spricht, dass sowohl der Lebensraum des Wildes als auch die Jagdfläche eingeengt wird. Der Zaun hilft nicht nur gegen Verbiss, sondern schützt auch vor Fegen und Schälschäden. Je nach Zauntyp lässt sich nicht nur vor Reh- und Rotwild schützen, sondern auch gegen Hasen und Kaninchen. Deshalb ist vor dem Bau des Zauns auch unbedingt abzuklären, welches Wildtier die Schäden verursacht: Hat man in der Kultur ein Verbissproblem, das durch Mäuse verursacht wird, hilft die Einzäunung wenig.

Bei Wildzäunen gibt es verschiedene Bauarten. Welche Bauart für den jeweiligen Bestand sinnvoll ist, hängt von der Bodenbeschaffenheit und der notwendigen Standzeit des Zauns ab. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Pfahl-, Scheren- und Hängezaun.

Elektrische Wildzäune sind die neueste Form von Wildzäunen. Sie werden meist als Pfahlzäune errichtet. Im Vergleich zu Wildzäunen sind einige Unterschiede zu beachten. Da vor allem Rehwild wesentlich kleiner ist als Rinder, müssen die Drähte tiefer beginnen als bei Weidezäunen. Die Spannung muss ebenfalls deutlich höher liegen als bei Weidezäunen. Der Strom wird von einem Solarmodul erzeugt. Die Zauntrasse muss auf beiden Seiten etwa einen Meter breit von Bewuchs freigehalten werden. Ansonsten können Grashalme oder Äste eine Erdung verursachen, wodurch der Effekt des elektrischen Zauns stark vermindert wird. Um Unfälle zu vermeiden, sollten am Zaun Warnschilder befestigt sein.

Einzelschutz

Im Gegensatz zum Flächenschutz wird beim Einzelschutz jede Pflanze separat geschützt. Dabei wird der Trieb oder die gesamte Pflanze vor Verbiss geschützt. Hierfür gibt es mechanische und chemische Verfahren.

Beim mechanischen Schutz wird entweder die Triebknospe oder die gesamte Pflanze geschützt. Beim Schutz der Triebknospe werden Fasern, die für das Wild vergällend wirken, wie etwa Schafwolle eingesetzt.  Ab einer Pflanzenhöhe von 60 cm kann Schafwolle als Schutzmittel verwendet werden. Der Geruch der Schafwolle vergrämt Rehe, diese Methode ist allerdings sehr arbeitsintensiv, weshalb sie sich nur für kleine Verjüngungsflächen eignet.  Am gebräuchlichsten sind Kunstoffclips, die am Trieb befestigt werden. Dabei darf aber die Knospe nicht am Austrieb behindert werden. Dabei kann sich der Waldbesitzer aber auch auf natürliche Weise helfen: für Pflanzen bis 20 cm Höhe reicht es, wenn er diese mit Ästen abdeckt. Dabei wird das Wachstum der jungen Bäume nicht gehemmt, gleichzeitig ist es aber ein effektiver, billiger und einfacher Schutz vor Verbiss.

Beim Gesamtschutz werden Wuchshüllen und Drahthosen eingesetzt. Diese Schutzmethode hilft nicht nur vor Verbiss sondern auch vor Fegeschäden. Drahthosen sind schwierig aufzubauen und müssen auch wieder von der Pflanze entfernt werden. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass das Drahtgeflecht in das Holz einwächst, wenn es nicht rechtzeitig entfernt wird, was zur Holzentwertung führt. Moderne Wuchshüllen zersetzen sich durch die UV-Strahlung der Sonne.

Das Ausstreichen von diversen Pflanzenschutzmitteln ist eine äußerst aufwendige Schutzmaßnahme, da sie möglicherweise im Frühjahr wiederholt werden muss. Besonders bei nasser Witterung stoßen die Streichmittel bald an ihre Grenzen und müssen erneut aufgebracht werden. Die Knospen dürfen dabei nicht zu stark eingepinselt werden, da sie sonst ersticken können. Bei Frost oder Regen kann nicht gestrichen werden. Diese Verfahren müssen alljährlich wiederholt werden, bis die Jungpflanzen hoch genug sind. Es gilt die Faustregel, dass über einer Höhe von 1,8 m der Leittrieb vor Verbiss sicher ist. Ist im Revier nur Rehwild vorhanden, so liegt die Höhe bei 1,3 m.