Große Küstentanne

Große Küstentanne in ihrer nordamerikanischen Heimat. Foto: Dave Powell/bugwood.org

Aufmerksamkeit erregt die große Küstentanne (Abies grandis) bei Waldbesitzern wegen ihrer Wuchsleistung. In ihrer Heimat sind Baumhöhen bis zu 75 m und Durchmesser von bis zu 2 m verbürgt. Zudem verfügt sie über ein rasches Jugendwachstum. Auf der Versuchsfläche in Krems in Niederösterreich erreichte sie im Alter von 42 Jahren eine Höhe von 27 m und einen Durchmesser von 39 cm. Damit übertrifft die große Küstentanne deutlich das Ertragspotential von Fichte und Tanne. Aus Deutschland werden ähnliche Zuwachsergebnisse geliefert. Im Versuchsgarten der Landesbetriebe Nordrhein-Westfalen stockt eine Küstentanne, die im Alter von 46 Jahren einen BHD von 67 cm und eine Höhe von 34 m hat. Im Stadtwald Brakel (Nordrhein-Westfalen) erreicht ein Küstentannenbestand im Alter von 56 Jahren einen Gesamtvorrat von 1.400 Festmetern pro Hektar. In diesem Alter liegen die besten Bonitäten bei Fichte bei etwa 900 Festmetern pro Hektar, für die Weißtanne bei 1.000 Festmetern pro Hektar.

Die große Küstentanne ist an der nordamerikanischen Pazifikküste heimisch. Ihr Herkunftsgebiet erstreckt sich vom südwestlichen Kanada bis nach Kalifornien. Sie bildet selten Reinbestände und ist unter anderem mit Douglasie, Hemlocktanne und Amerikanischer Lärche vergesellschaftet. Im milden Klima ihres Herkunftsgebietes steigt die große Küstentanne auf bis zu 1.600 m. Durch das große Verbreitungsgebiet existieren viele Lokalrassen. Die Herkunft des Pflanzenmaterials entscheidet über den erfolgreichen Anbau. Für den forstlichen Anbau in Mitteleuropa eignet sich nur die raschwüchsige Lokalrasse des westlichen Verbreitungsgebiets, konkret Pflanzen aus den Gebirgen von Oregon, Washington und British Columbia.

Beste Wuchsleistungen bringt die Küstentanne auf tiefgründigen, nährstoffreichen, frischen und gut durchlüfteten Böden. Sie ist aber vor allem im Vergleich zur heimischen Weißtanne (Abies alba) sehr standortstolerant. Auch auf trockenen oder feuchten Böden zeigt sie ansprechende Wuchsleistungen. Kalkhaltige, flachgründige Böden sind für den Anbau der Küstentanne weniger geeignet. Die Küstentanne treibt später und ist daher weniger spätfrostgefährdet als die Weißtanne. Sie benötigt in der Jugend mehr Licht als die Weißtanne, setzt dieses aber auch entsprechend um. Ein jährliches Höhenwachstum von 90 cm in der Jugend ist keine Seltenheit. Aufgrund des schnellen Jugendwachstums eignet sie sich gut als Mischbaumart, welche hilft, Bestandslücken rasch zu schließen. Die Küstentanne ist ein Tiefwurzler, was sie brauchbar macht als Beimischung in instabilen Beständen. Ein weiteres Argument für den Anbau der großen Küstentanne ist ihre hohe Toleranz gegenüber trockenen Sommern.

Dank ihrer extremen Schattentoleranz können auch sehr starke Küstentannen nah nebeinander wachsen. Foto: Dave Powell/bugwood.org

Die Bestandsbegründung kann sowohl unter dem Schirm eines Altbestandes als auch auf Kahlschlag erfolgen. Vorsicht ist jedoch auf Flächen geboten, auf denen der Rüsselkäfer vorkommt. Der Schädling befällt auch die große Küstentanne. Bewährt haben sich Pflanzzahlen von 1.600 bis 2.000 Stück pro Hektar (Reihenabstände von 2,5 bis 3 m). Der Weitverband benötigt keine kostspieligen Läuterungen. Eine zu starke Durchforstung sollte vermieden werden, da die Küstentanne bei starker Freistellung sehr breite Jahrringe bildet. Das mindert die Holzqualität. Die Zielstärke liegt bei einem Durchmesser von 45 cm und einem Alter von 45 bis 60 Jahren.

Im Vergleich zur Weißtanne ist die große Küstentanne wesentlich robuster. Nur in der Jugend ist sie empfindlich gegenüber Spätfrost, ebenso gegenüber Trockenheit. Der Rüsselkäfer kann in Kulturen zu starken Ausfällen führen. Die größte Bedrohung stellen der Wurzelschwamm und der Hallimasch dar. Bisher sind keine gravierenden Forstschutzprobleme bekannt, weshalb die große Küstentanne als widerstandsfähige Tannenart gilt. Seit dem Jahr 2000 ist in Ostdeutschland (Berlin und Brandenburg) die Colorado-Tannentrieblaus nachgewiesen. 2007 kam es erstmals zu einem Massenauftreten. Schäden an den Wirtsbäumen konnten aber keine gefunden werden. Trotzdem ist zu beachten, dass die große Küstentanne ein Exot ist. Mögliche Forstschutzprobleme können nicht ausgeschlossen werden, vor allem bei großflächigem Anbau im Reinbestand. Der Befall durch den Rüsselkäfer sollte Warnung genug sein. Der Rüsselkäfer kommt nicht im natürlichen Verbreitungsgebiet der Küstentanne vor, konnte sich aber trotzdem auf die fremdländische Baumart anpassen. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich weitere Forstschädlinge bei vermehrtem Anbau ebenfalls anpassen.

Das Holz ist hell, harzfrei und ohne ausgeprägte Kernfärbung nicht witterungsbeständig. Es ist auch gegenüber Pilz- und Insektenbefall nicht widerstandsfähig. Mit zunehmendem Alter und geringeren Jahrringbreiten verbessern sich die Holzeigenschaften. Das Holz der großen Küstentanne ist verwendbar für Kisten, Verpackungen, schichtverleimte Träger, Blindholz im Möbelbau und Konstruktionsholz im Innenausbau. Es tritt Nasskernbildung auf, die aber nicht zwingend einen negativen Einfluss auf die Holzqualität hat. Im deutschen Rheinland lässt sich die Küstentanne erfolgreich vermarkten und erreicht etwa das Preisniveau der heimischen Tanne. In Österreich gibt es aufgrund der geringen Holzaufkommens noch keine Erfahrungswerte bezüglich des Preisniveaus.

Die große Küstentanne eignet sich vor allem als Mischbaumart für die Umwandlung von Fichtenreinbeständen. Ihre Toleranz gegenüber Trockenheit und ihre tiefen Wurzeln erhöhen die Bestandsstabilität. Durch ihr rasches Jugendwachstum schließt sie Lücken rasch und beschleunigt den Bestandsumbau. Mit ihrem enormen Wuchspotential kommt es zu keinen Ertragseinbußen. Gerade ihre Wüchsigkeit verleitet dazu, sie im Reinbestand zu pflanzen. Dies sollte vorerst aber nicht getan werden, da die Versuchsflächen noch nicht genug Auskünfte über eventuelle Schädlinge geben.