Totholz (lebt)

Totholz ist nicht nur ein Lebensraum für viele Arten, es ist auch ein Keimbett für junge Bäume. Foto: BMNT_Andreas Hollinger

Abgestorbene Bäume sind ein Lebensraum für viele bedrohte Arten. Für ihre Erhaltung sprechen der geringe wirtschaftliche Wert und der Fakt, dass keine Bedrohung von ihnen ausgeht. Über Generationen hinweg war es in der bäuerlichen Waldbewirtschaftung Brauch jeden Baum, der keine grüne Krone mehr trug aus dem Wald zu entfernen. Für die Waldbauern machte dies auch Sinn: Die frisch abgestorbenen Bäume waren gutes Brennmaterial und man wollte die Gefahr vermeiden, das sich Schädlinge aus dem toten Holz auf den restlichen Bestand verbreiten. In den von Forstverwaltungen bewirtschafteten Wäldern verschwanden dicke alte Bäume gänzlich. Die Umtriebszeiten, die lange vor der Lebenszeit von Bäumen endeten, ließen das Aufkommen von Totholz erst gar nicht zu. Totes Holz war nur noch in unerschlossenen Gebirgsregionen oder in Wäldern, die nur jagdlich genutzt wurden, anzutreffen.

Lebensraum Totholz

Denkt man an Wildnis im Wald, dann erscheinen Bilder von großen Tieren wie Wolf, Bär oder Wisent. Tatsächlich sind die Lebewesen, die auf unberührte, mit viel Totholz ausgestattete Wälder angewiesen sind, wesentlich kleiner und unscheinbarer. Der überwiegende Großteil sogenannter xylobionter Arten, also Lebewesen die tote Bäume bewohnen, sind Pilze und Käfer. Diese Arten sind wichtig für den Nährstoffkreislauf des Waldes. Durch sie werden die im Holz gespeicherten Nährstoffe wieder verfügbar gemacht. Totholz ist nicht gleich Totholz. Der Abbau  von Holz dauert viele Jahre und beinhaltet viele verschiedene Stadien. Xylobionte Arten sind sehr spezialisiert und nicht nur auf eine bestimmte Baumart, sondern auch auf ein spezielles Zersetzungsstadium angewiesen. Durch diese hohe Spezialisierung ist die Artenzahl xylobionter Arten sehr hoch. Der Großteil der waldbewohnenden gefährdeten Arten sind auf das Substrat Totholz angewiesen. Daher ist aber auch der wichtigste Akt für den Naturschutz im Wald die Erhaltung toter Bäume.

Waldwirtschaft und Totholz – ein Widerspruch?

Für den Waldbesitzer, der seinen Wald vor allem als Wirtschaftsraum ansieht, ist die Produktion von toten Bäumen wohl eher keine Option. Der Wald soll Ertrag abwerfen, und deshalb müssen Bäume gefällt und Holz geerntet werden. Allerdings, wer hat im eigenen Wald noch nicht einen Baum angetroffen, dessen Qualität so schlecht war das dessen Nutzung kaum einen positiven Deckungsbeitrag versprach? Oder einen Überständer mit einem Durchmesser jenseits der 90 cm, der nur deshalb so dick werden konnte, weil er an der steilsten Stelle im Wald wuchs und er deshalb von jeglicher Nutzung bisher verschont blieb? In solchen Fällen kann man Natur geschehen lassen und auf die Nutzung, die angesichts von schlechter Qualität und mühsamer Ernte nur wenig Ertrag gebracht hätte, auch mal ausfallen lassen.

Hilfts nix, schads nix

Bäume, die bereits abgestorben sind und deutliche Spuren dafür aufweisen wie Stücke abgefallener Rinde oder Spechthöhlen, sollten auch aus wirtschaftlichen Gründen im Wald verbleiben. Denn kaum ein Abnehmer von Industrie- oder Energieholz akzeptiert vermoderndes Holz. Auch geht von toten Bäumen keine Gefahr aus für den verbleibenden Bestand. Xylobionte Käfer neigen nicht zur Massenvermehrung und sind auf bereits abgestorbene Bäume angewiesen. Für Schadinsekten wie etwa Borkenkäfer stellen tote Bäume kein geeignetes Substrat dar, weil unter anderem keine saftführenden Schichten mehr vorhanden sind, von denen sich die Larven ernähren.