Knicken und Ringeln

Natürlicherweise ─ das heißt: ohne menschlichen Eingriffe ─ nimmt die Stammzahl in einem Jungbestand laufend ab, und zwar in dem Maße, wie die dominanten Bäume weniger vitale Individuen zum Absterben bringen. In diesem Konkurrenzkampf übernehmen die Gewinner laufend den Raum, der von den Verlierern freigegeben wird. Ein abrupter Wandel des Bestandes findet nicht statt. Die toten Bäume bleiben noch eine Weile stehen und üben während dieser Zeit einen vorteilhaften Einfluss auf die Erziehung und die Stabilität aus.

Beim Knicken soll die Entmischung verhindert werden, ohne die positiven Wirkungen der maximalen Stammzahl zu vermindern. Das Knicken soll den Baum schwächen, aber nicht zum Absterben bringen. Die beiden Teile des gebrochenen Stammes müssen verbunden bleiben, damit der nach unten gebogene Teil noch von den Wurzeln versorgt wird, was nur während der Vegetationsperiode gelingt. Die Monate Juli und August eigenen sich am besten. Während dieser Periode ist die Bildung von neuen Trieben (aus schlafenden Knospen) am geringsten. Es wird nur der Leittrieb gebrochen, um das Höhenwachstum zu stoppen, die seitlichen Äste bleiben erhalten, um weiterhin Boden und Stämme der Nachbarbäume zu beschatten.

Knicken kann angewendet werden, sobald die Bäumchen Hüfthöhe erreicht haben und der Durchmesser nicht mehr als 6 cm beträgt. Bei größerem Durchmesser sind die Bäumchen zu ringeln. Knicken macht nur Sinn in Mischbeständen (z. B. Freistellen von jungen Eichen in einer Buchen-Dickung). In Reinbeständen wie etwa in Buchendickungen machen solche Eingriffe keinen Sinn.

Die Vorteile der Methode liegen darin, dass im Gegensatz zum Zurückschneiden sich keine neuen Triebe bilden, da der abgeknickte Stammteil immer noch über grüne Blattmasse verfügt, die Wasser benötigt. Außerdem beschattet der geknickte Konkurrent nach wie vor den freigestellten Baum und unterstützt so dessen Erziehung (natürliche Astreinigung) und Stabilität (Stützeneffekt). Bei dieser Pflegemaßnahme wird keine Maschine benötigt, was bedeutet, dass kein Lärm, keine Abgase und kaum Verletzungsgefahr entstehen. Vor allem in den Sommermonaten ist der Waldbesitzer dankbar dafür, wenn er nicht auf die persönliche Schutzausrüstung angewiesen ist. Pro Hektar ha werden 6 bis 10 Stunden an Arbeitszeit benötigt.

Ab 6 cm ringeln

Sind die Bäumchen dicker als 6 cm und/oder handelt es sich bei der Pflegemaßnahme nicht nur um eine Mischungsregulierung, eignet sich die Methode des Ringelns. Wie beim Knicken soll der Baum langsam absterben und bis zum Zeitpunkt des Todes noch dem Bestand dienen. Im Gegensatz zum Knicken wird beim Ringeln die Rinde abgeschabt und somit der absteigende Saftfluss von den Blättern zu den Wurzeln unterbrochen, so dass die Bäume nach einigen Jahren absterben. Im Vergleich zur Fällung mit der Motorsäge stirbt der Baum langsamer ab, stellt für seine Nachbarn keine echte Konkurrenz mehr dar, beschattet aber weiter Nachbarstämme und Boden.

Damit das Ringeln erfolgreich ist, muss ein Rindenstreifen zwischen 5 bis 10 cm am gesamten Stammumfang entfernt werden. Am besten geeignet hierfür ist ein Ziehmesser. Wichtig ist auch der Einsatz einer Stahlbürste, mit der das Kambium entfernt wird. Unterlässt man dies, so ist der Baum in der Lage zu überleben, indem er eine neue Rinde ausbildet. Beim Abschaben der Rinde muss auch darauf geachtet werden, dass nicht das Holz selbst beschädigt wird, da sonst die Holzfäule droht und der Baum schneller abstirbt als gewünscht. Sollte das Holz beim Ringeln beschädigt werden, ist der Eingriff an diesem Baum einzustellen, da der Baum ohnehin an Holzfäule absterben wird. Wenn die natürliche Astreinigung auf der Höhe des Erdblochs, also auf den untersten 6 – 8 m des Stammes, abgeschlossen ist), geht man vom Ringeln des Konkurrenten zur Kronenfreistellung des Z-Baumes über.

Die Monate Juli und August sind am besten geeignet: Die Reserven der Bäume sind bereits in die neuen Triebe investiert, und die Wurzeln haben die ihren noch nicht wiederhergestellt. Während dieser Zeit ist der Baum geschwächt und das Ringeln entsprechend am wirkungsvollsten. Der Vorteil der Methode liegt unter anderem darin, dass die Bestandsstabilität durch den langsam absterbenden Baum nicht gestört wird im Vergleich zur Fällung mit der Motorsäge, bei der die Bäume sofort ausfallen. Ansonsten gelten für das Ringeln dieselben Vorteile wie beim Knicken. Damit das Ringeln erfolgreich ist, ist neben einer korrekten Ausführung auch wichtig, rechtzeitig, also so früh wie möglich, einzugreifen, also sobald die Bäume die Oberhöhe von 2 m überschritten haben. Da ein geringelter Baum zwei bis fünf Jahre weiterlebt, soll damit also nicht zu lange gewartet werden. Eine saubere Arbeitsausführung ist deshalb wichtig, denn sollte der schlecht geringelte Baum in der Lage sein, eine neue Rinde auszubilden, wird er zwar weiterleben, er bleibt aber trotzdem ein geschwächtes Bestandsmitglied mit schlechter Holzqualität und einer Anfälligkeit gegenüber Schädlingen und Krankheiten – also das genaue Gegenteil eines Z-Baums.

Weniger ist mehr beim Ringeln: Es geht es nicht darum, alle Individuen einer konkurrenzschwachen, in der Mischung zu erhaltenden Baumart zu begünstigen. Der Eingriff beschränkt sich auf die Unterstützung der vitalsten Bäume! Der Aufwand beträgt pro Hektar etwa 8 Stunden.

Knicken und Ringeln sind Methoden der Jungbestandspflege, die einige Vorteile mit sich bringen: Durch ihr langsames Absterben beschatten die Bäume weiterhin Boden und Nachbarstämme, gleichzeitig stellen sie aber keine Konkurrenz mehr dar. Wer in den Sommermonaten keine Lust hat, in die Schutzausrüstung zu schlüpfen, kann ohne Schnittschutzhose, Lärm und Abgase den Jungbestand pflegen. Und noch einen Vorteil haben diese beiden Methoden: Angesichts der praktisch nicht vorhandenen Unfallgefahr kann sich die gesamte bäuerliche Familie an der Waldpflege beteiligen. Das bedeutet aber nicht ein generelles Verbot der Motorsäge in Jungbeständen: In manchen Fällen kann die Kombination von Motorsäge, Knicken und Ringeln sogar die effektivste Art der Jungbestandspflege darstellen.