Die Persönliche Schutzausrüstung (PSA)

Persönliche Schutzausrüstung
Die PSA besteht aus mehr als nur der Schnittschutzhose: Helm mit Gesichtsschutz, Arbeitsweste, Sicherheitsschuhe und Handschuhe gehören ebenfalls dazu. Foto: Stihl

Lebensretter Schutzausrüstung

Sie ist für den Fall der Fälle gedacht, und eigentlich sollte sie nie benötigt werden: die persönliche Schutzausrüstung (PSA). Für manche ist sie immer noch ein lästiges Anhängsel, das Kosten verursacht und die schweißtreibende Arbeit im Wald kaum erleichtert. Die Entwicklung der PSA entstand aber aus den Erfahrungen zahlloser schwerer Verletzungen und Todesfälle. Viele dieser Unfälle hätten zwar durch die PSA nicht verhindert werden können, die oft schwerwiegenden Unfallfolgen aber sehr wohl.

Der Kopf ist zwar der Körperteil, welcher bei der Waldarbeit seltener verletzt wird als der restliche Körper, Verletzungen am Gehirn, den Augen und Ohren können aber für den Betroffenen schwerwiegende Folgen haben. Durch das Tragen eines geeigneten Schutzhelms können die Verletzungsgefahren verhindert werden bzw. die Folgeschäden reduziert werden. Der Helm soll vor allem vor herabfallenden oder wegschleudernden Gegenständen (Holzsplitter, Äste) schützen. Nach spätestens vier Jahren soll der Helm ausgetauscht werden, aber nur dann, wenn er keinen besonderen Belastungen ausgesetzt wurde. Kontrollieren kann man die Tauglichkeit des Helmes, indem man ihn leicht seitlich zusammendrückt (etwa 1 bis 2 cm). Ist ein Knistern zu hören oder sind Haarrisse an der Oberfläche erkennbar, ist der Helm auszutauschen!

Grafik Schutzausrüstung
Bestandteile der PSA. Grafik: FHP

 

Lärm kann zu schweren Folgeschäden führen und wird in seiner Wirkung häufig unterschätzt. Der am Schutzhelm angebrachte Gehörschutz schützt vor gesundheitsschädlichen Lärm. Ab einem Lärmpegel von 85 Dezibel muss der Gehörschutz unbedingt getragen werden. Das entspricht dem Lärm der Motorsäge. Die Lärmminderung muss aber dem Arbeitsplatz angepasst werden. Deshalb ist es bei der Waldarbeit notwendig, dass zwar der gesundheitsschädigende Lärm reduziert wird, Nebengeräusche wie das Zurufen eines anderen Waldarbeiters sollen aber noch gehört werden können.

Die Augen sind besonders empfindliche Organe, weshalb sie bei der Waldarbeit unbedingt geschützt werden müssen. Der Gesichtsschutz des Schutzhelms vermeidet, dass Sägespäne beim Führen der Motorsäge ins Gesicht geschleudert werden und die Augen verletzen. Beschädigte Gesichtsschützer sind auszutauschen. Wird mit einem Freischneider gearbeitet, so muss zusätzlich zum Gesichtsschutz noch eine Schutzbrille getragen werden. Beim Freischneiden können Metallspäne vom Werkzeug absplittern, die allein durch den Gesichtsschutz des Helms nicht aufgehalten werden.

Schutzhelm
Der UV-Indikator zeigt an, ob der Helm ausgetauscht werden muss.

Waldarbeitshosen für Motorsägearbeiten, wie Schnittschutzhosen auch genannt werden, sind mit Einlagen ausgerüstet, die Verletzungen durch die Motorsäge vermeiden sollen. Der Schnittschutzhose kommt aus zwei Gründen besondere Bedeutung zu:

  • 35 % aller Arbeitsunfälle betreffen die Beinregion, damit sind Beinverletzungen die häufigste Unfallfolge.
  • Verletzungen an den Beinen durch die Motorsäge können tödlich enden: Die Oberschenkelarterie ist eines der größten Blutgefäße im menschlichen Körper. Bei einer Verletzung kann es in kürzester Zeit zum Verbluten kommen.

Die Schutzwirkung der Schnittschutzhose basiert auf dem Prinzip, dass bei Kontakt der Motorsägenkette mit der Einlage lange Fasern herausgerissen werden, die sich sowohl zwischen Kette und Schiene setzen und auch das Ritzel der Motorsäge verstopfen. Dadurch wird die Kette nicht nur gebremst, sondern schlagartig zum Stillstand gebracht.

Neben der Schutzwirkung ist vor allem der Tragekomfort wichtig bei der Schnittschutzhose. Die sicherste Schnittschutzeinlage hilft wenig, wenn das Tragen derart mühsam ist, dass die Versuchung entsteht, auf die Schnittschutzhose zu verzichten. Wie bei allen anderen Elementen der PSA gilt auch für die Schnittschutzhose: Bei Beschädigung unbedingt austauschen!

Die Schutzjacke komplettiert die Schutzkleidung. Sie ist in Schnitt und Ausstattung der Waldarbeit angepasst. Die Signalfarbe hebt den Träger deutlich von der Umgebung hervor. Lüftungslöcher, verstellbare Ärmelabschlüsse, viele Taschen, ein verdeckter Reißverschluss sowie ein reißfester Stoff sind weitere Kennzeichen einer hochwertigen Schutzjacke.

Sicherheitsschuhe für Arbeiten mit Motorsägen sind im vorderen und seitlichen Schaftbereich mit Schnittschutzmaterialien ausgestattet. Sicherheitsschuhe unterliegen der gleichen Prüfpflicht, die auch für Schnittschutzhosen gilt. Außerdem sollen Schuhe für die Waldarbeit noch folgende Schutzvorrichtungen enthalten:

  • Mindestens 1,5 mm dickes Profil im Sohlensteg
  • 6 mm dicke Profilsohle
  • Stabiler Schaft
  • Knöchelschutz
  • Zehenschutzkappe

Waldarbeiter, die mit den ersten Motorsägengenerationen arbeiteten, litten unter der sogenannten Weißfingerkrankheit: Dabei sterben aufgrund der großen Vibration der Motorsäge die feinsten Blutgefäße in den Fingern und Händen ab, was zu einer gestörten Durchblutung führt. Moderne Motorsägen sind mit einem Vibrationsschutz ausgestattet. Trotzdem sollte auf den Schutz der Hände bei der Waldarbeit nicht vergessen werden. Aus der Erfahrung können folgende Empfehlungen gegeben werden:

  • Handschutze der Arbeit und Witterung anpassen: für reine Motorsägenarbeit griffige Handschuhe mit Noppen verwenden, bei Kälte zusätzlich fein verarbeitete Unterziehhandschuhe tragen
  • Richtige Größe und Passform wählen
  • Auf Qualität und gute Verarbeitung achten
  • Nasse Handschuhe gegen trockene austauschen

Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen wird die Waldarbeit immer eine gefährliche Tätigkeit bleiben. Die persönliche Schutzausrüstung soll schützen und gleichzeitig ein Gefühl der Sicherheit vermitteln, sie soll aber nicht dazu verleiten, Risiken einzugehen. Die beste Schutzausrüstung kann eine aufmerksame und sicherheitsbewusste Arbeitsweise im Wald nicht ersetzen.