Saat

Bei der Saat werden die Samen einfach per Hand ausgebracht. Foto: Robert Videki/bugwood.org

Die Saat ist die Verjüngungsmethode, für die auch einiges zutrifft, was bereits über die Naturverjüngung zu lesen war, allerdings gibt es hier bereits einen deutlichen menschlichen Eingriff durch die Auswahl des Saatgutes und des Aussäens.

Bereits im 14. Jahrhundert wurden erstmals gezielt Samen ausgestreut, um Wald zu kultivieren. Die Saat erlebte ihren Höhepunkt um das 17. Jahrhundert herum, danach verlor sie zusehends an Bedeutung, da sie vor allem von der Pflanzung ersetzt wurde. Auch wenn in großen Forstbetrieben kaum noch gesät wird, so ist diese Verjüngungsmethode gerade für den Kleinwaldbesitzer eine praktikable und einfache Methode der Waldverjüngung.

Die Saat bietet Vorteile, die denen der Naturverjüngung ähneln: Von Beginn an kann die junge Pflanze ungestört ihre Wurzeln entwickeln und die kleinstandörtlichen Verschiedenheiten werden ausgenutzt. Die Saat bietet sich auch als Ergänzung an: In Naturverjüngungen, wo eine oder mehrere Baumarten fehlen, können diese durch die Saat auf einfache Weise eingebracht werden. Dasselbe gilt für Pflanzungen. Wenn sorgfältig gesät wird, kann auf der Verjüngungsfläche eine homogene Bestockung erreicht werden. Diese wiederum garantiert geringe Astigkeit und gute Auslesemöglichkeiten. Besonders bei Laubholzkulturen ist das entscheidend. Überhaupt ist die Saat neben der Naturverjüngung die Verjüngungsart, um Laubholzbestände zu begründen. Da Laubholz sehr hohe Pflanzzahlen benötigt, liegt es auf der Hand, dass hier die Saat eher in Frage kommt als eine Aufforstung. Vor allem bei größeren Verjüngungsflächen trifft dies zu.

Insgesamt ist die Saat als weitaus kostengünstiger als die Pflanzung zu sehen. Außerdem ist die Arbeit weniger zeitaufwendig und kann auch von ungeschultem Personal durchgeführt werden.

Die Saat hat aber auch einige Nachteile: Bei großen Flächen kann der Bedarf an Saatgut ein Problem werden. Bevor mit der Saat begonnen wird, sollte vorsorglich geklärt werden, woher man als Waldbesitzer den benötigten Samen bezieht und ob der Lieferant auch in der Lage ist, die benötigte Menge zu liefern. Eine erfolgreiche Saat ist auch von der Witterung abhängig: Unerwartete Trockenperioden können das Auflaufen der Samen und die Entwicklung der Keimlinge stark beeinträchtigen.

Bodenvorbereitung – Ist sie notwendig?

In der Regel geht in Forstbetrieben der Saat eine Bodenbearbeitung voraus. So wird ein günstiges Keimbett geschaffen. Nicht notwendig ist die Bodenbearbeitung auf unkrautfreien Böden, die über eine dünne Humusschicht (Mull) verfügen.

Wie schon erwähnt, liegt ein Vorteil der Saat in ihrer einfachen Ausführung. Es gibt zwar mittlerweile schon Sämaschinen, und in Nordamerika wird auf Großkahlschlägen sogar vom Flugzeug aus gesät, ebenso wie in Australien; in Mitteleuropa wurden diese Praktiken aber bisher nicht verwendet. Für den Kleinwaldbesitzer wird in der Regel auch das Ausstreuen per Hand die praktikabelste Form darstellen. Der Keimerfolg wird wesentlich verbessert, wenn die ausgestreuten Samen mit Erde abgedeckt werden. Wie viel Erde verwendet werden muss, hängt von der Größe der Samen ab. Nadelbaumsamen werden höchstens 1 cm, die wesentlich dickeren und größeren Eicheln mit bis zu 5 cm tief eingebracht. Als Faustformel gilt, dass die Samen dreimal so hoch mit Boden bedeckt werden sollen, wie die Samenkörner dick sind.

Verfahren Art der Bodenbearbeitung Baumart Vor- und Nachteile Bedeutung
Vollsaat Gelegentlich, wenn, dann aber auf gesamter Fläche Birke Große Flächen können verjüngt werden, allerdings bei großem Samenbedarf Wurde früher durchgeführt, um Vorwälder zu begründen, hat aber stark an Bedeutung verloren, da sich die Birke und andere Pionierbaumarten auf den meisten Flächen ohnehin natürlich verjüngen
Streifensaat Streifenweise maschinell, sowohl auf Freifläche als auch auf Schirm Buche, Kiefer Gute Flächenabdeckung mit guten Pflegemöglichkeiten Zur Ergänzung von Buchennaturverjüngung
Rillensaat Pflügen maschinell oder mit Pferd (bodenschonender), in sehr steilem Gelände auch mit Handwerkzeugen Eiche, Buche, Kiefer Rasches Überwinden der Unkrautkonkurrenz, möglicherweise hohe Verluste durch Wildschweine Methode, um Eichenverjüngungen zu etablieren
Pflätzesaat Gelegentlich Lärche, Buche, Eiche Gute Anpassungsmöglichkeiten an Flächen Zur Ergänzung von Naturverjüngungen, eventuell, um unter Schirm zu verjüngen
Einzelsaat Keine Eiche, Nuss, Edelkastanie Vor allem bei großen, schweren Samen üblich

Saatverfahren

Der Keimerfolg ist unter anderem von der Herkunft des Saatgutes abhängig. Foto: Robert Videki/bugwood.org

Saatzeit

Gesät werden kann im Herbst oder Frühjahr. Eicheln werden im Herbst gesät, da somit die schwierige Winterlagerung vermieden wird. Nadelbaumsaaten werden im zeitigen Frühjahr ausgebracht, um die Winterfeuchtigkeit für den Keimprozess zu nutzen. Allerdings Obacht: Wenn zu spät im Frühjahr gesät wird, besteht die Gefahr, dass die Samen einer Trockenperiode zum Opfer fallen. Birken können auch per Schneesaat ausgebracht werden, da die Birke die Feuchtigkeit während der Keimung ausnutzen kann.

Baumart Menge kg/ha
Eiche 350 – 750
Buche 200 – 300
Birke 30
Schwarznuss 250 – 300
Esskastanie 250 – 500
Kiefer 3
Sonstiges Nadelholz 3

Saatgutmengen bei verschiedenen Baumarten

Bei den oben gezeigten Mengen ist zu beachten, dass die Samen verschiedener Baumarten unterschiedliche Gewichte haben. Auch ist zu erwähnen, dass die genannten Mengen für Vollsaaten auf einen gesamten Hektar benannt sind, bei kleineren Verjüngungsflächen wird somit auch die Menge an benötigtem Saatgut erheblich kleiner.

Herkunft

In früheren Zeiten gab es bei künstlichen Verjüngungen oft das Problem, das Pflanzen oder Samen verwendet wurden, die nicht an die standörtlichen Gegebenheiten angepasst waren. Das Resultat waren Bestände mit schlechten Zuwachsraten und hohe Ausfälle in den Kulturen. Daher wurde es zur Regel, zuerst die Herkunft des Pflanzmaterials zu klären, bevor gesät wurde. Je nach Herkunft haben Bäume unterschiedliche Zuwachsleistungen und Toleranz gegenüber Frost und Trockenheit. Aber nicht nur die Herkunft ist entscheidend, wie der zukünftige Bestand sich entwickeln wird, sondern auch die genetischen Voraussetzungen, die ihm bei der Begründung mitgegeben werden. Werden astige, abholzige, krumme Bäume mit schlechtem Holzwachstum oder ähnlichen negativen Eigenschaften vermehrt, dann wird die Folgegeneration ebenfalls durch diese negativen Eigenschaften gekennzeichnet sein.

Um das zu vermeiden, wurden in Deutschland und Österreich forstliche Vermehrungsgutgesetze erlassen. Es dürfen nur die Samen von anerkannten Erntebeständen genutzt werden. Von der Samenernte bis zum Verkauf an Kunden müssen die Forstgärten die Herkunft nachweisen können.

Sammeln von Samen – eine Alternative?

Neben dem Erwerb von Pflanzmaterial in Forstgärten gibt es auch die Möglichkeit, Samen selbst zu ernten. Diese Möglichkeit erscheint auf den ersten Blick als kostengünstige Methode, um Saatgut zu erhalten. Generell ist dem Kleinwaldbesitzer eher davon abzuraten, da das Sammeln äußerst arbeitsintensiv ist. Zudem ist nicht nur die Samenernte schwierig, sondern auch die Vorbereitung der geernteten Samen ebenso wie die korrekte Lagerung, die verhindern soll, dass die Samen zu früh keimen. Das Sammeln von Fichten- und Tannenzapfen, die bereits am Waldboden liegen, ist übrigens keine geeignete Methode: Nadelbäume werfen ihre Zapfen erst dann ab, wenn sie sich geöffnet haben und die Samen bereits vom Wind weggetragen wurden. Bei der Samenernte ist auch der Grundbesitz zu achten: Samen zu sammeln bedarf der Genehmigung des jeweiligen Waldbesitzers.

Samen werden erst dann geerntet, wenn sie reif sind. Dadurch ergibt sich ein sehr kleines Zeitfenster für die Ernte. Die Zapfen der Tannen zerfallen kurz nach Erreichen des Reifezustandes bereits am Baum, reife Ulmensamen fliegen rasch ab. Vogelkirsche und andere Samen fruchtbildender Baumarten werden zudem gern von Vögeln und Kleinsäugern gefressen. Wird die Ernte aber zu früh durchgeführt, also zu einem Zeitpunkt, an dem der Samen noch nicht reif ist, kann es bei Laubbäumen zu Problemen bei der Keimung kommen. Daran ist auch ersichtlich, dass es für die erfolgreiche Samenernte notwendig ist, sorgfältig zu planen und zu beobachten, wie es um den Reifegrad der Samenbäume steht. Am ehesten ist noch das händische Aufsammeln von Baumarten mit großen Samen wie Eicheln, Bucheckern und Nüssen realisierbar. Aber auch hier muss davon ausgegangen werden, dass nur ein Teil der Samen tatsächlich keimfähig ist, da die Samen möglicherweise mit Pilzen oder anderen Pathogenen infiziert sind.

Baumart Zeitpunkt Samenreife Merkmale
Eiche Ende September/Oktober Stärkerer Abfall gesunder Früchte bei leichtem Schütteln der Äste
Buche Oktober Stärkerer Abfall gesunder Früchte bei leichtem Schütteln der Äste
Linde September/Oktober nach Laubabfall
Birke Mitte Juni/August Zäpfchen bräunlich, gelbe Färbung, Neigung zum Aufspringen
Fichte Ende September/Oktober Samenkörner rostbraun
Kiefer Oktober/November Verholzte Zapfenstiele, bereits im Oktober des 2. Jahres reif,
Tanne September/Oktober Samen bräunlich
Lärche Oktober/November
Ahorn September/Oktober nach Laubabfall
Esche September/Oktober nach Laubabfall
Hainbuche Oktober Beginnender Laubabfall, harte Fruchtschale

Zeitpunkt und Merkmale der Samenreife heimischer Baumarten

Vor dem Einsammeln von Samen muss abgeraten werden aufgrund der schwierigen Lagerung und der verminderten Keimfähigkeit. Foto: Robert Videki/bugwood.org

Fazit Saat

Besonders auf flachgründigen und sehr steinigen Flächen eignet sich die Saat, da die Pflanzung auf solchen Flächen meist unmöglich ist. Die Saat kann sowohl auf Kahlschlägen als auch unter Schirm im Altbestand erfolgen. Bei Saaten auf Kahlflächen müssen die Samen vor Vogelfraß geschützt werden. Dies kann etwa durch Abdecken mit Reisig geschehen. Die Saat ist billiger und wesentlich weniger zeitaufwendig als die Pflanzung. Im Vergleich zur Naturverjüngung kann das Aufkommen der Zielbaumarten gewährleistet werden. Das Wurzelwerk der Jungpflanzen passt sich an die gegebenen Bodenverhältnisse an. Allerdings birgt die Saat gegenüber der Pflanzung eine größere Unsicherheit. Starker Vogel- oder Mäusefraß können die erfolgreiche Verjüngung beeinträchtigen. Auf Kahlschlägen müssen die Bäumchen mit der Schlagvegetation (Himbeere, Tollkirsche, Gräser) konkurrieren.