Problemfall Fichte

Grossflächige Schäden wie Windwürfe und Schneebruch werden durch den Klimawandel immer häufiger auftreten. Foto: William Ciesla/bugwood.org

Die Fichte ist aufgrund des Anbaus an falschen Standorten sowie der Monokulturwirtschaft und der mangelnden Pflege eine Baumart, die schon immer bekannt dafür war, äußerst instabile Bestände auszubilden. Schon aus früheren Jahren sind schwere Schäden bekannt und immer wieder aufgetreten. Das bedeutet nicht eine generelle Abkehr von der Fichte, aber in Zukunft darf nur noch dort mit ihr Waldwirtschaft betrieben werden, wo sie ursprünglich beheimatet war: im Gebirge.

Waldbaulicher Fehler Fichtenmonokultur

Diverse Modellierungen aus der Forstwissenschaft prognostizieren schon jetzt, dass die Fichte an Wuchsraum verlieren wird. Dabei handelt es sich aber um natürliche Wuchsgebiete. Die Waldbesitzer müssen sich zukünftig an diesen orientieren und die Fichtenwirtschaft außerhalb der geeigneten Wuchsgebiete ist als hochriskant einzustufen.

Borkenkäfer
Besonders kritisch ist bei der Fichte das nach einem Windwurf der verbleibende Bestand durch Borkenkäfer gefährdet werden und die Schäden dadurch noch zunehmen können. Foto: Milan Zubrik/bugwood.org

Denn bei den bekannten Fakten, dass

  • die Fichte keinen Trockenstress verträgt, dabei stark an Vitalität verliert und anfälliger gegenüber ihren Schädlingen wird,
  • die Fichte an vielen Standorten nur sehr flache Wurzeln ausbildet, und nicht im Boden wächst, sondern auf ihm steht,
  • mit dem Klimawandel sowohl Trockenperioden als auch starke Stürme zunehmen werden,
  • die Entwicklungsbedingungen durch den Temperaturanstieg (Borkenkäfer im Gebirge) sich für Schädlinge verbessern,

lassen nur den Schluss zu, dass auf die Fichte in nicht geeigneten Gebieten verzichtet werden muss und bereits bestehende Bestände in stabile, mit standortsangepassten Baumarten, umgebaut werden müssen.

Auf das Schlimmste vorbereiten

Ansonsten drohen Schäden, deren Ausmaß alles bisher Bekannte in den Schatten stellen könnte. Heiße, trockene Sommer, die einerseits die Fichten schwächen und gleichzeitig ausgezeichnete Entwicklungsbedingungen für Borkenkäfer schaffen werden häufiger vorkommen und keine Einzelfälle bleiben. Zudem sind schon aus der Vergangenheit große Borkenkäferkalamitäten bekannt. 1845 entstand in Westrussland eine Kalamität die rund 22 Jahre dauerte und sich auf einer Fläche von über 400.000 qkm ausbreitete. Von 1944 bis 1951 kam es in Mitteleuropa zu einer Massenvermehrung, die eine Schadholzsumme von über 30. Mio fm verursachte. Aufgrund solcher Erfahrungen muss rasch gehandelt werden, da die Gefahr besteht, dass in Zukunft Kalamitäten auftreten, die alles bisher Bekannte übertreffen.

Fichtenkalamität
Um großflächige Katastrophen in Fichtenbeständen abzuwehren muss der Waldumbau noch viel stärker als bisher forciert werden. Foto: Joseph O Brien/bugwood.org