Brotbaumart Fichte? Ja, aber…

Die Fichte war unbestritten die wichtigste Wirtschaftsbaumart in Mitteleuropa. Doch trifft das angesichts des Preisverfalls noch zu? Und wie sieht ihre Zukunft aus?

102 Euro pro Festmeter: Das war der Höchstpreis für Fichtenholz innerhalb der letzten 25 Jahre. Angesichts der seit einigen Jahren regierenden Tiefstpreisen ist es schwer zu glauben, dass vor nicht langer Zeit für einen Festmeter Fichtenholz noch über 100 Euro zu lukrieren waren. Im Jahr 2018 begann der Preisverfall dann richtig und viele Waldbesitzer und Forstbetriebe sind davon schwer betroffen: Lokal sind die Preise derart in den Keller gefallen, das sich nur mit Müh und Not überhaupt noch die Holzerntekosten decken lassen, besonders in Steillagen wird die Lage wirtschaftlich äußerst kritisch. Mittlerweile scheint zumindest am Holzmarkt die Coronakrise einigermaßen überwunden, die Nachfrage bleibt aber weiterhin verhalten.

In der aktuellen Lage erfüllt die Fichte kaum den Anspruch eine Brotbaumart zu sein: zu schadensanfällig ist die Gebirgsbaumart und die Schadholzpreise bereiten den Waldbauern Kopfzerbrechen. Einige Waldbesitzer hoffen auf bessere Zeiten, doch für viele Regionen sind diese nicht zu erwarten, ganz im Gegenteil.

Entwicklung des Fichtenpreis. Quelle: LK Österreich.

Gewinner und Verlierer

Unter einer Seehöhe von 800 m hat die Fichtenwirtschaft keine Zukunft, erklärte der Münchner Professor für Waldbau schon letztes Jahr bei einem Symposium. Der Waldbau wird da dem Borkenkäfer überlassen, vielmehr sind standortsgerechte Laubmischwälder nötig. In den Tieflagen gehört die Fichte zu den Verlierern, was sie aber in den Hochlagen – ihrem natürlichem Wuchsgebiet – zum Gewinner werden lässt. Denn auch wenn der Borkenkäfer schon länger auch über 1.000 m zum Schädling wird, ähnliche Massenvermehrungen sind nicht zu erwarten. Werden die Bestände konsequent gepflegt und bewirtschaftet, so werden diese Bestände lukratives Holz produzieren.

Denn die Sägeindustrie ist immer noch überwiegend auf Nadelholz angewiesen. Und geht insgesamt das Angebot zurück, weil die Fichte an Fläche verliert aufgrund der Kalamitäten in den Tieflagen, so wird mittelfristig der Preis wieder kräftig ansteigen. Die Fichte hat also Zukunft. Allerdings nicht überall, und nur dann, wenn gepflegt wird.

Im Gebirgswald wird die Fichte weiterhin die dominierende Holzart bleiben.