Kunststoffseile

Kunststoffseil
Der wichtigste Vorteil von Kunststoffseilen ist ihr geringes Gewicht.

Seit knapp 10 Jahren bieten verschiedene Hersteller Kunststoffseile an. Ihr größter Vorteil ist ihr geringes Gewicht: Kunststoffseile sind um bis zu 90 % leichter als Drahtseile. Wer schon mal über eine Distanz von 70 m im steilen Gelände gerückt hat, weiß, wie mühsam der Weg von der Seilwinde bis zum Stamm sein kann. Dass Kunststoffseile so viel weniger Gewicht auf die Waage bringen, liegt an ihrer Konstruktion: Im Gegensatz zu Drahtseilen bestehen sie aus Polyethylen, das hochverdichtet verseilt wird. Polyethylen ist der weltweit am häufigsten verwendete Standard-Kunststoff. Es zeichnet sich durch hohe chemische Beständigkeit und ein gutes Gleitverhalten aus. Auch wenn Polyethylen im Vergleich zu anderen Kunststoffen nur mäßige mechanische Eigenschaften besitzt, bezüglich der Bruchkraft gibt es mittlerweile keine nennenswerten Unterschiede mehr zwischen Kunststoff- und Drahtseilen.

Auch ist die Verletzungsgefahr durch Seilrisse geringer. Im Fall von Seilrissen schlägt das Kunststoffseil nicht zurück, sondern in sich zusammen. Kunststoffseile sind aber um einiges teurer als Drahtseile. Außerdem sind Kunststoffseile empfindlicher gegenüber Querbelastung.

Forstwindenseil
Speziell im schwierigem Gelände und bei langen Rückedistanzen ist der Maschinenführer dankbar für ein leichtes Zugseil.

Erfahrungen aus der Praxis

Kunststoffseilen eilt der Ruf voraus, sich schneller abzunutzen, da sie wesentlich empfindlicher gegenüber scharfen Kanten und Hitze sind. Spricht man aber mit Praktikern, bestätigt sich dieses Vorurteil nicht. Gelobt wird hingegen vor allem das geringe Gewicht und die damit verbundene Leistungssteigerung. Arbeitsstudien beweisen, dass die Produktivität beim Einsatz von Kunststoffseilen tatsächlich nachweislich steigt. Doch nicht nur die Produktivität steigt durch den Einsatz von Kunststoffseilen, indirekt auch die Arbeitssicherheit. Durch die geringere Anstrengung ermüdet der Landwirt nicht so leicht und bleibt geistig und körperlich frisch. Das trägt zur Unfallvermeidung bei, denn die meisten Unfälle passieren, wenn Kraft und Konzentration nachlassen.

Wenn das Schlimmste passiert

Lange Zeit galt die Lehrmeinung, das ein gerissenes Kunststoffseil – im Gegensatz zu Stahlseilen – einfach zusammensackt. Dass dies aber nicht immer so sein muss, zeigten Unfälle in der Praxis sowie auch Laborversuche. Jedes Material birgt ein Minimum an Elastizität. Es ist daher unmöglich, dass ein Kunststoffseil nach einem Riss still in sich zusammensackt. Löst sich ein Seil, dann schnellt etwa 50 % der gedehnten Länge in Richtung Seilwinde. Besonders gefährlich wird es, wenn nicht das Seil, sondern ein Anschlagmittel bricht. Der Schleudereffekt beim Bruch eines Anschlagsmittels ist gefährlicher als bei einem Stahlseil.

Verschiedene Arten von Seilfehlern. Seile die solche Beschädigungen aufweisen sind auszutauschen. Grafik: Der Forstwirt/Ulmer Verlag

Die Hersteller von Kunststoffseilen reagierten darauf, indem die Kunststoffseile schon im Werk vorgestreckt werden. Dadurch soll die Elastizität verringert und die Unfallgefahr vermindert werden. Der Elastizitätsverlust tritt aber nicht ein. Ein Teil der dehnenden Energie wird vom Seil aufgenommen und nicht mehr freigesetzt. Wird das Seil aber über die dehnende Kraft hinaus belastet, reagiert das Seil wie eine Feder und hat beim Seilriss sogar eine höhere Geschwindigkeit als ein nicht vorgestrecktes Seil. Die beste Methode, um Unfälle zu vermeiden, liegt immer noch in einer korrekten Arbeitstechnik.

Unabhängig davon, ob Kunststoffseil oder Drahtseil: Um absolute Sicherheit bei der Seilrückung zu gewährleisten, gilt der Grundsatz, dass sich bei gespanntem Seil niemand zwischen Last und Seilwinde aufhalten darf! Ein weiterer Ansatzpunkt für eine höhere Sicherheit sind spezielle Anschlagmittel für Kunststoffseile. Diese verfügen über breite Kontaktstellen zum Seil und über rundere Kanten. Dadurch wird die Reibung zwischen den Materialien herabgesetzt und das Kunststoffseil geschont.

Seilwinkel
Im Seilwinkel darf sich niemand aufhalten.