Intervalljagd

Durch die Intervalljagd soll das Wild nur kurz beunruhigt werden um bejagbar zu bleiben.

Stellen Sie sich vor, sie beobachten jemanden, der sich heimlich und leise über ihren Hof schleicht: Der Fremde würde sofort ihre Aufmerksamkeit erregen. Ähnlich verhält es sich mit Wild und Jäger, wobei der Vorteil klar beim Wild liegt. Nicht nur das die meisten Wildarten ihre Reviere sehr gut kennen, speziell Rehwild reagiert neugierig auf jede Veränderung, die Sinne der meisten Wildtiertarten sind den unseren stark überlegen. Und Wildtiere sind in der Lage zwischen harmlosen Spaziergängern und gefährlichen Jägern zu unterscheiden: Während der Spaziergänger Lärm macht und sich sehr auffällig verhält, erinnert der Jäger in seinem Verhalten mit langsamen Bewegungen und dem Bemühen, möglichst wenig Geräusche zu machen an ein Raubtier. Außerdem besitzen Wildtiere ein Gefühl dafür, wo Gefahr droht. In manchen Regionen ist das Schwarzwild schon so vorsichtig, das es nicht mal mehr in Nächten mit starkem Mondschein auf Felder und Äcker wechselt. In Großstädten wie Berlin hingegen kann man Wildschweine am helllichten Tag bei der Futtersuche beobachten: Völlig entspannt suchen die  Allesfresser nach Nahrung in dem Wissen, das sie in der Stadt nicht bejagt werden.

Die Tatsache, das Wild scheuer wird je öfter sich der Jäger im Revier aufhält, ist altbekannt – auch wenn dieser Umstand von manchen Jagdausübenden nicht beachtet oder ernstgenommen wird. In Jagdrevieren, wo eine Wildreduktion notwendig ist, um die Wildschäden in Wald und Feld zu verringern, entsteht so ein Teufelskreis: Um Wild zu schießen muss der Jäger in das Jagdrevier, doch je öfter er das tut umso vorsichtiger wird das Wild – und damit müssen die Jagdversuche noch häufiger durchgeführt werden. So kann es passieren, das in Jagdrevieren die mit reichlich Wild ausgestattet sind, der Jäger das Gefühl bekommt es sei gar kein Wild vorhanden, weil kein Stück mehr zu sehen ist. Das Wild ist aber da, es ist nur sehr vorsichtig.

Nur kurz stören

Eine zielführende Alternative in solchen Revieren ist die sogenannte Intervallbejagung: Gejagt wird nur zu bestimmten Zeitpunkten. Zwischen den Jagden soll das Wild nicht beunruhigt werden und dadurch wieder vertrauter und somit leichter bejagdbar werden. Im Idealfall verfügt das Jagdrevier über Wildruhezonen, in denen gar nicht gejagt wird.

Im Gegensatz zur Ansitzjagd wird bei der Intervalljagd ein hoher Abschuss in einen sehr kurzen Zeitraum (z. B. an nur einem Nachmittag) erzielt. Um die hohe Abschusszahl erreichen zu können braucht es mehrere Jäger sowie eine gelungene Koordination und Organisation. Das Zusammenspiel von Jägern, Treibern und geeigneten Jagdhunden bezeichnet man als Gesellschaftsjagd. Für Waldreviere ist das Standtreiben besonders erfolgsversprechend. Dabei werden die Schützen auf ihre Stände geführt. Voraussetzung für eine erfolgreiche Jagd ist hierbei eine gute Revierkenntnis, dem Jagdleiter müssen sowohl die Wildeinstände als auch die typischen Wildwechsel bekannt sein. Auch bei der Auswahl der geeigneten Stände für die Schützen ist sorgfältig vorzugehen (s. Grafik).

Die Sicherheit aller Jagdbeteiligten ist unbedingt zu gewährleisten. Erst am Stand darf der Schütze sein Gewehr laden. Gleichzeitig muss er Kontakt halten mit seinen seitlichen Nachbarn und aufmerksam den Ablauf des Treibens beobachten. Der Schütze darf seinen Stand keinesfalls vor dem Abblasen verlassen. Die Treiber beunruhigen das Wild und leiten es idealerweise den Schützen zu, sie selbst bleiben aber am Rand des Schussfeldes stehen. Nach dem Abblasen entladen die Schützen unverzüglich und sammeln das erlegte Wild ein. Dem Jagdleiter ist auch mitzuteilen, ob es angeschossene Stücke gibt und eine Nachsuche notwendig ist. Neben der Organisation ist auch die Disziplin der Jagdteilnehmer wichtig. Außerdem muss es sich bei den Schützen um Jäger handeln, die regelmäßig am Schießplatz den Umgang mit ihrer Waffe üben – Gesellschaftsjagden sind nichts für Sonntagsjäger.

Stichwort Sicherheit: Dafür braucht es auch die richtige Kleidung. Bei vielen Gesellschaftsjagden ist die Weste oder Jacke in Signalfarbe inzwischen von der Jagdleitung vorgeschrieben. Als Jäger muss man sich nicht sorgen, dass man durch die bunten Farben vom Wild eher erkannt wird. Im Gegenteil: moderne Warnkleidung mit einem konturauflösenden Muster wird vom Wild viel schlechter wahrgenommen als der klassische grüne Loden. Eine orange Weste oder Jacke erhöht die Sicherheit im Vergleich zum Hutband deutlich, da man von den anderen Jagdteilnehmern eher und besser erkannt wird. Auch Treiber und Durchgehschützen können sich erheblich besser orientieren, wenn sie die Schützen schon von weitem sehen. Eine Forderung nach einer Signalweste bei der Jagdansprache sollte daher nicht als Schikane verstanden werden, sondern als Zeichen des Sicherheitsbewusstseins der Jagdleitung.

Für das Wild bedeutet eine Intervalljagd zweifellos einen hohen Stressfaktor. Deshalb ist es auch wichtig, dass in den Wochen nach der Intervalljagd das Wild nicht weiter beunruhigt wird, damit es wieder zu Ruhe kommt und vertraut wird. Aus wildbiologischer Sicht ist es aber vernünftiger, das Wild mehrmals im Jahr heftig aber kurz aufzuschrecken als es permanent zu verunsichern.