Windwurf – und nun?

Grossflächige Schäden wie Windwürfe und Schneebruch werden durch den Klimawandel immer häufiger auftreten. Foto: William Ciesla/bugwood.org

Durch den Klimawandel werden in Zukunft Sturmereignisse häufiger vorkommen. Doch nicht nur die Witterung, auch hausgemachte Probleme wie mangelnde Pflege oder falsche waldbauliche Konzepte führen zu Schäden im Wald durch Wind und Wetter. Auch Mischwälder werden öfters von Schadereignissen betroffen sein, als es bisher der Fall war. Für viele Waldbesitzer bedeutet ein großflächiger Windwurf oder ein ähnliches Schadensereignis einen schweren Schock. Neben dem finanziellen Verlust ist es vor allem der Eindruck eines zerstörten Waldes, der für viele Waldbesitzer eine starke psychologische Belastung darstellt. Als Waldbesitzer muss man sich aber bewusst sein, dass Störungen im Wald eine natürliche Erscheinung und Teil des Ökosystems sind. Wälder können sich von solchen Schadereignissen erholen. Mit den meisten Schadereignissen ist ein erheblicher finanzieller Verlust verbunden. Aber nur Waldbrände vernichten das Holz gänzlich und führen zu einem wirtschaftlichen Komplettverlust. Da die Nachfrage nach Holz in den letzten Jahren stark anstieg, vor allem im Bereich des Energieholzes, ist es heutzutage möglich, auch gebrochenes und stark entwertetes Holz noch zu vermarkten.

Der wichtigste Grundsatz für den Waldbesitzer nach einem Sturmereignis bedeutet daher, Ruhe zu bewahren. Hektik oder Panik sind genauso falsch wie ein übereiltes Aufarbeiten der Sturmschäden in Eigenregie. Daraus ergibt sich der folgende Grundsatz:

Sturmflächen dürfen von bäuerlichen Waldbesitzern und anderen Kleinwaldbesitzern niemals selbst aufgearbeitet werden!

In verschiedenen Ratgebern und Broschüren wird erklärt, wie Holz im Windwurf aufgearbeitet wird und wo der Landwirt den Trennschnitt am besten ansetzt. Als Experte halte ich diese Hinweise aus mehreren Gründen für grob fahrlässig:

– Sturmflächen sind kein Übungsgelände: Im Gegensatz zur normalen Fällung, die in der Regel unter kontrollierten Bedingungen geschieht, ist das Risiko einer schweren Verletzung ungleich höher.

– Auch für professionelle Forstarbeiter sind Sturmflächen eine große Herausforderung, daher dürfen an solchen Stellen keinesfalls Personen mitarbeiten, die über viel weniger Übung und Erfahrung verfügen.

– Die Aufarbeitung von Sturmflächen ist nichts, was man aus einem Buch oder einer Broschüre lernen und dann problemlos im Ernstfall umsetzen kann: Dafür braucht es geschultes Personal, das sich in Speziallehrgängen das nötige Wissen angeeignet hat und idealweise auch über praktische Erfahrungen verfügt.

– Der Großteil der Arbeit soll durch Forstmaschinen (schwere Harvester) erledigt werden, nur in Ausnahmefällen soll der Mensch selbst im Gewirr von geworfenen Stämmen arbeiten.
Aus diesen Gründen sollen bäuerliche Waldbesitzer die Aufarbeitung von Sturmflächen nicht selbst durchführen. Im Folgenden wird erläutert, was der Landwirt tun kann, ohne dabei Leib und Leben zu gefährden: Tödliche Unfälle in der Holzernte passieren am häufigsten bei der Aufarbeitung von Schadholz.

Als erster Schritt ist daher die Aufarbeitung zu organisieren und anschliessend die Arbeit auf der Schadensfläche zu überwachen und zu kontrollieren.

Das Leben kehrt zurück

Anfang August 1983 warf ein Gewittersturm im Bayerischen Nationalpark rund 70.000 m³ Holz. Durch die großen Mengen an geworfenem Holz entstanden ausgezeichnete Entwicklungsbedingungen für Borkenkäfer. Diese befielen bis ins Jahr 2005 jedes Jahr mehrere hundert Hektar Wald. In der Öffentlichkeit war das Bild eines über weite Strecken vernichteten Waldbestandes nur schwer zu vermitteln. Aber auch in diesem Fall kam der Wald zurück: Ebereschen, Fichten und Buchen sind nun in der Naturverjüngung zu finden. Dieses Beispiel soll vor Augen führen, wie groß das Potential von Wäldern ist, sich auf Flächen wiederanzusiedeln, die einer schweren Störung unterlagen. Dies soll auch ein Trost sein für Waldbesitzer, deren Bestand Opfer eines Windwurfs oder einer ähnlichen Kalamität wurden. Natürlich ist der wirtschaftliche Verlust schmerzhaft, und das Chaos eines starken Windwurfs, wo Stämme und Wurzelteller kreuz und quer liegen, erscheint fürchterlich für den Waldbesitzer. Aber der Wald wird sich wieder durchsetzen.

Der Nationalpark Bayerischer Wald ist das beste Beispiel dafür das sich die Waldverjüngung auch auf großen Schadensflächen das verlorene Terrain wieder zurückerobert.