Mischwälder

 

Mischwälder sind stabiler, da die Vielfalt größer ist. Foto: metriognome/shutterstock

Vom Mischwald hört man nur das Beste, und auch in der veröffentlichten Meinung werden ihm nur die besten Eigenschaften zugesprochen. Aber handelt es sich hierbei nur um ein Klischee, oder stellt der Mischwald tatsächlich die ideale Bestandsform dar, die jeder Waldbesitzer versuchen sollte, zu erreichen?

Aus Sicht der Holzproduktion trifft das nicht zu. In vielen Studien konnte nachgewiesen werden, dass Mischwälder weniger Holz produzieren als Reinbestände – was unter anderem ein Grund dafür ist, warum sich Monokulturen in der forstlichen Praxis so stark durchgesetzt haben. Aber woran liegt es, dass zwei wüchsige Baumarten weniger Holz erzeugen als ein Reinbestand? Der Grund hierfür liegt in der interspezifischen Konkurrenz, also der Konkurrenz verschiedener Arten. Diese führt dazu, dass die vorhandenen Ressourcen von den einzelnen Baumarten unterschiedlich genutzt werden. Ist eine der beteiligten Baumarten in der Lage, eine Ressource wie Nährstoffe oder Wasser effektiver zu nutzen, hat sie einen Konkurrenzvorteil, dementsprechend bleibt die andere Baumart in ihrem Wachstum zurück. Aber auch, wenn Mischbestände weniger Holz produzieren als Monokulturen, ist das kein echtes Argument für letztere. Die Zeiten, in denen die Maximierung der Holzproduktion im Vordergrund standen, sind vorbei, Stabilität und Qualität des Bestandes sind mindestens ebenso bedeutend geworden wie die pure Masse an Holz. Selbstverständlich soll auch der Mischwald wüchsig sein, aber eine Maximierung des Holzwachstums um jeden Preis hat nichts mit einer naturnahen Waldwirtschaft zu tun.

Stabilität durch Vielfalt

Mischwälder sind stabiler als Reinbestände. Vielfalt führt in der Natur immer dazu, dass Lebensgemeinschaften flexibler auf allfällige Störungen reagieren. Dabei unterscheidet man Resistenz und Resilienz. Die Resistenz beschreibt die Widerstandsfähigkeit, die Resilienz die Fähigkeit, nach einer Störung wieder in den ursprünglichen Zustand zurückzukehren. Ein Beispiel soll helfen, diesen eher trockenen und theoretischen Begriffen etwas Leben einzuhauchen:

Stellen wir uns einen buchendominierten Wald auf einer Seehöhe von 500 m vor. Neben der Buche dringen noch vereinzelt Eichen, Kirschen und einige Eschen in die Kronenschicht ein, der Großteil der Bestandsmitglieder ist gesund und verfügt über eine kräftig ausgebildete Krone. Doch im aktuellen Sommer kommt es zu einer katastrophalen Dürre, von Mai weg bis in den September fällt kein Regen. Die schwächsten Buchen verlieren bereits im August ihre Blätter, ebenso wie auch Kirsche und Eschen von der Trockenheit stark in Mitleidenschaft gezogen werden, lediglich die Eichen tolerieren diese trockenen Sommermonate. Und das Klima meint es nicht gut mit diesem Bestand, auch die folgenden Sommer sind zwar nicht ähnlich trocken, aber der Niederschlag reicht nicht aus, um den Wasserbedarf der Buchen zu decken. Im fünften Jahr sterben schließlich über ein Drittel der Buchen ab, und in den Bestandslücken wächst üppig das Gras. Der einst dunkle Wald ähnelt immer mehr einer Baumsavanne, in der einzelne Eichen dominieren.

Die Resistenz des Bestands besteht darin, wie lange der Wald in der Lage ist, die Dürre zu ertragen. In unserem fiktiven Beispiel dauerte es fünf Jahre, bis die Störung so groß wurde, dass die Resistenz des Waldes nicht mehr ausreichte. Aber nach diesen harten Zeiten sind die darauffolgenden Jahre wesentlich freundlicher: Bereits im Winter des fünften Jahres fällt viel Schnee, und im kommenden Frühjahr ist der Boden reichlich mit Wasser versorgt. Und auch die nächsten Sommermonate sind kühler und reicher an Niederschlag. Die noch verbliebenen Buchen bilden daraufhin nicht nur neues Blattwerk aus, es werden auch eine große Menge an Samen produziert, sodass überall auf dem Waldboden Buchenkeimlinge zu finden sind. Die Resilienz des Waldes besteht darin, sich von der Dürre zu erholen und die Bestandslücken von den Gräsern wieder zurückzuerobern. Sowohl Resistenz als auch Resilienz wären noch höher gewesen, wenn neben den Eichen noch andere trockenresistente Baumarten wie Linde oder Kiefer vorhanden gewesen wären.

Mit diesem Beispiel soll veranschaulicht werden, warum Vielfalt gleichzeitig Stabilität bedeutet. Das trifft aber nicht nur auf abiotische Schäden zu, dasselbe Prinzip gilt auch für die meisten biotischen Schäden wie Insekten oder Pilze. Die Mehrzahl dieser Arten sind sehr wirtsspezifisch, das bedeutet, sie fressen bzw. besiedeln nur eine bestimmte Baumart. Ein Wald, der aus drei, vier oder mehr Baumarten gebildet wird, ist für Schadinsekten zwar eine Futterquelle, die Gefahr einer Massenvermehrung, wie sie immer wieder in Fichtenreinbeständen durch Borkenkäfer auftritt, besteht aber nicht, da für die Insekten nicht ausreichend Nahrung – bestehend aus Blättern, Knospen oder Rinde – zur Verfügung steht für eine Massenvermehrung.

Bei der Baumartenwahl ist darauf zu achten, das man Baumarten kombiniert die miteinander ebenbürtig sind und keine Baumart zu dominant wird.

Mischen und ergänzen

Mischungen von Baumarten sind besonders dann stabilitätsfördernd, wenn sie durch Arten gebildet werden, die sich ökologisch ergänzen wie

  • Nadel- und Laubbäume
  • Tiefwurzler und Flachwurzler
  • Schattenbaumarten und Lichtbaumarten
  • Pionierbaumarten und Klimaxbaumarten

Grundlage ist und bleibt aber die natürliche Waldgesellschaft, weshalb die obigen Vorgaben nicht auf jedem Standort erreichbar sind. Wo immer es aber Waldgesellschaft und Standort zulassen, sollen diese Mischungsergebnisse eingehalten werden. Ein Mischwald definiert sich daher nicht rein über die Anzahl der Baumarten, die vorkommen, sondern vielmehr über die Ausnutzung des ökologischen Potentials.

Probleme bei der Erziehung von Mischbeständen ergeben sich vor allem durch das unterschiedliche Vermögen zum Höhenwachstum, die Lichtansprüche und die Lebensdauer. Pionierbaumarten sind in der Jugend raschwüchsig, brauchen viel Licht und werden kaum über 100 Jahre alt, während hingegen Schattbaumarten wie Tanne und Fichte langsamwüchsig sind in der Jugend, lange Zeit Beschattung ertragen und ein Lebensalter von mehreren hundert Jahren erreichen können. Dadurch scheiden konkurrenzbedingt in vielen Mischbeständen Baumarten bereits in relativ jungen Altersphasen wieder aus. Je weniger schattentolerant eine Baumart ist, desto weniger erträgt sie ein Nebeneinander mit anderen Baumarten. Diese Entmischungstendenzen durch mangelnde Pflege konkurrenzschwacher Baumarten können durch unzweckmäßige Begründung bei der Kultur noch verschärft werden. In der Begründungsphase bestehen Konkurrenzverhältnisse in erster Linie gegenüber der Begleitflora, während ab dem Dickungsschluss zwischen innerartlicher Konkurrenz im Reinbestand bzw. zwischenartlicher Konkurrenz im Mischbestand unterschieden werden kann. Während die Konkurrenz im Reinbestand in ihrer Gesamtwirkung durchaus positiv sein kann, da sich die stärksten Individuen und damit die vitalsten durchsetzen, kann die Konkurrenz im Mischbestand zum Ausscheiden von Arten führen.

Konkurrenz im Mischwald

Die Lichtverhältnisse sowie die Nährstoff- und Wasserversorgung des Standortes spielen eine wichtige Rolle und beeinflussen maßgeblich die Konkurrenzsituation von Baumarten in der Verjüngungsphase. Die Eiche zum Beispiel kann sich auf gut mit Wasser und Nährstoffen versorgten

Standorten kaum gegen die Konkurrenzkraft der Buche durchsetzen. Umgekehrt verliert die Buche stark an Konkurrenzkraft an nährstoffarmen Standorten. Sind die Baumarten gleichermaßen zur Produktion von Stammholz bestimmt und bleibt diese Mischung während des gesamten Bestandslebens erhalten, so spricht man von Dauermischung (zum Beispiel Buche mit Lärche oder Fichte mit Tanne), die wiederum als Einzel- oder Gruppenmischung möglich ist. Besteht die Möglichkeit der stetigen Überwachung (Kronenfreistellung!) und der notwendigen intensiven Pflege (Astung, Formschnitte) nicht, so ist Einzelmischung nicht anzuraten.

Konkurrenzschwache Baumarten wie Eiche, Kirsche oder Esche sollten daher nicht in Einzelmischung, sondern in Gruppen eingebracht werden, sodass nur die am Bäume am Rande der Konkurrenz einer stärkeren Art ausgesetzt sind. Ansonsten droht die Gefahr, dass diese Baumarten überwachsen werden.

In MIschwäldern ist der waldbauliche Aufwand größer, dafür ist aber auch der Handlungsspielraum für Forstleute und Waldbesitzer größer. Foto: Inga Nielsen/shutterstock

Varianten der Mischung

Wenn eine Baumart nur einen Teil der Umtriebszeit der anderen beteiligten Baumart(en) benötigt, spricht man von Zeitmischung. Fichte in einem Buchenbestand, Edellaubhölzer in einem Eichenbestand oder die Förderung von Pionierbaumarten können als Beispiele angeführt werden. Gerade bei Freiflächenkulturen können Pionierbaumarten Schirmfunktionen übernehmen und bei entsprechendem Wachstum auch als Zeitmischung im Bestand verbleiben. Diese Baumarten können bereits geerntet werden, bevor die Hauptbaumarten ihren entsprechenden Zieldurchmesser erreicht haben. Wird einer Baumart des Hauptbestandes eine andere Baumart in überwiegend dienender Funktion beigefügt, so spricht man von untergeordneter Mischung (z. B. Eichenbestand mit einem Nebenbestand aus Hainbuche). Eine Nebenbaumart kann vielfältige Aufgaben übernehmen: von der Schaftpflege der Hauptbaumart (Astreinigung, Minderung der Wasserreiserproblematik) über den Schutz vor Verunkrautung des Bodens bis zum zusätzlichen Beitrag zur Nutzholzerzeugung als Brennholz reichen die Möglichkeiten. Erfüllt werden können solche Aufgaben aber nur von Baumarten mit einer hohen Schattentoleranz.

Mischwälder werden normalerweise als solche begründet, das heißt, bereits in der Jugend sind alle Baumarten, die zukünftig an der Bestandsentwicklung teilnehmen sollen, in einem bestimmten Ausmaß vorhanden. Beim Waldumbau von standortsfremden fichtendominierten Wäldern ist es aber so, dass die Fichte in der Oberschicht dominiert und andere Baumarten kaum oder nur untergeordnet vorkommen. Je nach Standort und Waldgesellschaft soll mittelfristig die Fichte auf ihren natürlichen Anteil zurückgedrängt werden, in einigen Waldgesellschaften bedeutet das, dass die Fichte komplett aus dem Bestand ausscheidet.

Vielfalt im Wald bedeutet aber nicht nur mehrere Baumarten. Ein vielfältiger, strukturreicher Wald zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus:

  • Vorkommen von mehreren Kronenschichten
  • Ungleichaltriger Baumbestand
  • Spreitung von Durchmessern und Bestandsstadien auf kleinem Raum
  • Flächige Verjüngung

Fichtenmonokulturen sind auch durch Strukturarmut gekennzeichnet. Da die meisten Fichtenwälder als Aufforstung eines Kahlschlages begründet wurden, sind alle Baumarten im Bestand ungefähr gleich alt und der gesamte Bestand befindet sich lediglich in einem Bestandsstadium, was die Stabilität ebenfalls herabsetzt.

Fazit

Zusammengefasst lassen sich folgende Grundsätze für die Mischwaldbewirtschaftung ableiten:

  • Wo es möglich ist, also Standort und Waldgesellschaft es zulassen, sollen mehrere Baumarten am Bestandsaufbau teilnehmen.
  • Konkurrenzschwache (lichtbedürftige) Baumarten benötigen eine besondere Pflege, indem sie entweder in Gruppen in den Bestand eingebracht werden oder immer wieder von Bedrängern freigestellt werden.
  • Mischwälder sind reich an Strukturen (Baumhöhen, Alter, Naturverjüngung), diese sind zu fördern.
  • Beim Waldumbau werden der Fichte die standortstauglichen Baumarten beigefügt, je nach Waldgesellschaft scheidet die Fichte langfristig aus dem Mischwald aus (Zeitmischung).
  • Baumarten in ihrem ökologischen Optimum (Buche im Hügelland, Fichte im Gebirge) haben die Tendenz, Reinbestände auszubilden, Mischbaumarten sollen auch hier gefördert werden, aber nicht zwangsweise in den Bestand eingebracht werden.