Unkrautbekämpfung

Der Adlerfarn kann Teppiche ausbilden, die jede Waldverjüngung jahrelang hemmen kann. Foto: Dave Powell/bugwood.org

Viele Waldbesitzer haben das schon erlebt: im Frühjahr will man den Zustand der Verjüngung kontrollieren, doch auf der Kulturfläche sind auf den ersten Blick die jungen Bäume kaum auszumachen. Denn Gräser und Hochstauden bedrängen die Forstpflanzen so sehr, das die Triebspitzen gänzlich verhüllt sind.

Bevor man damit beginnt Unkraut zu bekämpfen, muss erst festgestellt werden, was überhaupt zum Unkraut gehört. Auf Verjüngungsflächen, vor allem auf guten Standorten, ist die Artenfülle an Gräsern, Kräutern und Hochstauden groß. Aber nur einige wenige Arten sind derart konkurrenzstark, das sie auch tatsächlich das Wachstum junger Bäume beeinträchtigen. Adlerfarn und Brombeere gelten als die größten Konkurrenten. Beide Arten bilden Teppiche aus, die eine verdämmende Wirkung auf die Verjüngung haben. Auch einige Gräser können hartnäckig sein, unter anderem das Seegras, das einblütige Perlgras sowie das Landreitgras. Auf besonders frischen und nährstoffreichen Standorten können aber auch krautige Arten wie der Huflattich, die Pestwurz und das klebrige Labkraut Probleme verursachen. Haben sich Vertreter dieser Arten auf einer Verjüngungsfläche etabliert, so ist eine aktive Bekämpfung durch Sie als Waldbesitzer unumgänglich.

Wann eingreifen

Entscheidend dafür ob eingegriffen werden muss ist weniger der  Entwicklungszustand der Unkräuter sondern vielmehr die Baumart auf der Verjüngungsfläche. Lichtbaumarten reagieren auf eine dichte Konkurrenzvegetation sensibler als Schattbaumarten.

  • Die Fichte als Halbschattbaumart wird kaum oder nur geringfügig durch Unkrautkonkurrenz beeinträchtigt. Ein Problem stellen Unkräuter nur auf sehr trockenen Standorten dar, wo sie zum Wassermangel führen können und die Fichte dann unter Trockenstress leidet.
  • Die Kiefer ist eine Lichtpflanze und ist als Jungpflanze auch noch empfindlich gegenüber Wasserkonkurrenz, da ihr Wurzelsystem noch nicht voll ausgebildet ist. Vor allem Gräser beeinträchtigen das Wachstum so stark, das es sogar zum Ausfall kommen kann. Von der Bekämpfung der Konkurrenzvegetation profitieren daher die jungen Kiefern.
  • Als Lichtbaumart gilt für die Eiche dasselbe wie die Kiefer. Besondere Schwierigkeiten hat die Eichenverjüngung auf tonreichen Böden, wo eine artenreiche und konkurrenzstarke Begleitfauna heranwächst.
  • Da die Buche hauptsächlich unter dem Schirm des Altbestandes verjüngt wird, ist sie nur selten von starker Bodenvegetation bedroht. Als absolute Schattbaumart ist sie aber auch auf guten Standorten in der Lage sich durchzusetzen. Anders sieht die Situation auf Schlagflächen aus: haben sich dort diverse Unkräuter bereits etabliert, kann die Buche nur noch eingebracht werden, wenn ohne Bekämpfung nicht mehr eingebracht werden.
Auch die Brombeere kann die Waldverjüngung hemmen. Foto: Dave Powell/bugwood.org

Mähen, abdecken, spritzen – oder vorsorgen

Für die aktive Bekämpfung von Unkräutern stehen eine ganze Reihe von Möglichkeiten zur Verfügung. Durch eine gezielte waldbauliche Planung können Sie aber vorab verhindern, dass eine Bekämpfung überhaupt notwendig wird.

  • Größe der Verjüngungsflächen: Je kleiner die Schlagfläche ist, desto geringer ist das Risiko das sich die Konkurrenzvegetation erfolgreich ansiedelt. Bei Schlagflächen unter einem halben ha sorgen die angrenzenden Bestände mit ihrem Kronendach dafür, dass sich keine ernstzunehmende Konkurrenzvegetation bildet.
  • Vorwald: Auf größeren Schlagflächen sollten Sie noch vor der Aufforstung einen Vorwald, bestehend aus Birke, Salweide und Eberesche, heranwachsen lassen. Diese Pionierbaumarten verjüngen sich auf Schlagflächen natürlich. Sie sind sehr raschwüchsig und hemmen die Entwicklung der Konkurrenzarten.
  • Verjüngung unter Schirm: Verjüngt man unter Schirm, so ist die Gefahr der Begleitfauna ebenfalls gering. Entgegen dem hartnäckigen Gerücht lassen sich auch Lichtbaumarten unter dem Schirm eines Altbestandes verjüngen, vorausgesetzt es handelt sich dabei ebenfalls um Lichtbaumarten, also zum Beispiel Kieferverjüngung im Eichenaltbestand. In Skandinavien wird wegen der großen Konkurrenz durch Preisel- und Heidelbeere fast ausschliesslich per Schirmschlag verjüngt. Bedrängen Gräser und Kräuter aber bereits die Verjüngung, so ist eine Bekämpfung notwendig.
Verfahrensart Vorteile Nachteile Anmerkung
Mechanisch durch Sichel, Sense Die Konkurrenzvegetation lässt sich sehr gezielt und effektiv bekämpfen Auf größeren Flächen sehr arbeitsintensive Methode
Mechanisch durch Freischneidegeräte Ermöglichen eine höhere Flächenleistung Laut, schwer, Abgasbelastung, für steiles, unwegsames Gelände wie es oft im Wald der Fall ist kaum geeignet
Herbizideinsatz Große Flächen lassen sich rasch und vergleichsweise billig bearbeiten Gefahr der Belastung von Mensch, Waldökosystem und naheliegenden Fließgewässern Obwohl in Ö und D eine ganze Reihe von Pflanzenschutzmittel zugelassen sind haben sie in der forstlichen Praxis kaum Bedeutung
Abdecken des Bodens mit Kunststofffolien oder Rindenmulch Forstpflanzen reagieren mit verbessertem Wachstum Im Wald im Vergleich zu Weinbau- und Garten oft nur schwer auszubringen, Kunststofffolien müssen entsorgt werden, Rindenmulch von der Konkurrenzvegetation durchwachsen, arbeitsintensive Methode
Aussaat wenig aggressiver Begleitpflanzen wie Hafer, Raps, Lupine Begleitpflanzen bedrängen erfolgreich die Konkurrenzvegetation und verbessern das Wachstum der Forstpflanzen Äußerst arbeitsintensive Methode, auch sind nicht alle Waldstandorte fruchtbar genug für den Anbau der Begleitpflanzen Der hohe Arbeitsaufwand erlaubt die Anwendung nur für Baumschulen

Verschiedene Methoden der Unkrautbekämpfung  sowie ihre jeweiligen Vor-und Nachteile.