Boden und Baumartenwahl

Der Waldboden kann wertvolle Hinweise für die Baumartenwahl liefern. Foto: Joseph o Brien/bugwood.org

Forstwissenschaftler fordern Waldbesitzer seit langem auf, standortgerechte Baumarten für die Verjüngung zu wählen. Dabei wurde der Begriff standortstauglich oft undefiniert und teilweise sogar widersprüchlich verwendet. Eine Baumart ist standortstauglich wenn sie:

  • das natürlichen Lebensalters erreicht, ohne frühzeitig durch Standortsmängel oder Krankheit aus­zufallen,
  • ein standortsgemäßes Wachstums aufweist,
  • sich natürlich verjüngt und
  • die Bodenfruchtbarkeit erhält.

Die klimatischen und bodenkundlichen Verhältnisse entscheiden darüber, welche Baumart keimen, heranwachsen und sich erfolgreich fortpflanzen kann. Eine ganze Reihe von Standorteigenschaften wie

  • Jahresniederschlag
  • Mittlere Temperatur
  • Bodentiefe
  • Humusschicht
  • Nährstoffhaushalt
  • Wasserhaushalt

beeinflussen die Bäume und ihr Wachstum. Durch die Evolution bildete sich eine Vielzahl von Baumarten, die an verschiedenste Standortbedingungen angepasst sind. Die Toleranzbereiche von Bäumen sind erstaunlich: Erlen überstehen unbeschadet Überschwemmungen mehrere Wochen lang, Lärchen überleben Frost von minus 40 Grad.

Braunerden sind fruchtbare Waldstandorte. Foto: Reiter/BfW.

Bodenmerkmale informieren

Der ideale Bestand soll gleichzeitig wüchsig und stabil sein. Beide Vorgaben werden mit der richtigen Baumart für den jeweiligen Standort erzielt. Die Grenzen sind aber fließend: Ein Standort kann auch für mehrere Baumarten geeignet sein. Wesentlich für den Waldbesitzer ist aber, dass keine standortsfremden Baumarten aufkommen bzw. nur beigemischt (maximal 25 % der Stammzahl).  Standortfremde Baumarten, wie etwa die Fichte in Tieflagen, produzieren zwar vergleichsweise mehr Holz als standorttaugliche Arten, dafür ist das Risiko eines Schadens aber auch erheblich größer.

Neben Licht sind Nährstoffe und Wasser notwendig, damit Bäume wachsen und gedeihen können. Mit einfachen Methoden kann der Waldbesitzer die Ertragskraft des Standorts beurteilen. Krautige Pflanzen, Bodentiefe, Bodenart, Wasserhaushalt und Kalkgehalt unterstützen den Waldbesitzer bei der Baumartenwahl. Neben dem Spatenstich geben Straßenböschungen und Wurzelteller von geworfenen Bäumen wertvolle Einblicke in die lokalen Bodenverhältnisse. Bäume nehmen mit ihren Wurzeln Kontakt mit dem Boden auf. Baumarten mit Herzwurzelsystemen wie die Buche können das Potential an Wasser und Nährstoffen besser aufnehmen als Flachwurzler. Bei günstigen Bodenverhältnissen, wie lockeren und tiefgründigen Böden, bilden aber auch flachwurzelnde Baumarten ein üppiges Wurzelsystem aus.

Pflanzen als Standortszeiger

Nicht nur die Pflanzenart, sondern auch deren Wachstum geben Auskunft über die herrschenden Standortsverhältnisse. Große, saftig wirkende Blätter und Pflanzen zeigen eine gute Nährstoff- und Wasserversorgung. So zeigt die Besenheide (Calluna vulgaris)  Standorte mit saurer Bodenreaktion an, während der Sanikel (Sanicula europaea) Böden mit guter Nährstoffversorgung bevorzugt. Pflanzen zeigen aber auch die Bodenentwicklung an: das Weißmoos (Leucobryum glaucum) oder die Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) sind Verhagerungszeiger und weisen auf einen Verlust der Bodenfruchtbarkeit. Die Flatterbinse (Juncus effusus) ist ein Verdichtungs­zeiger und oft auf alten Rückewegen zu finden.

Bodenart erkennen

Der mit einem Spaten ausgestochene Bodenziegel gibt einen guten Einblick in die Humusauflage und den darunter liegenden Mineralboden. Ist dieser mit Humus vermischt, so ist das positiv für das Pflanzenwachstum. Eine krümelige Struktur weist auf reges Bodenleben (Edaphon) hin. Je wohler sich die Bodenlebewesen fühlen, desto schneller werden Nährstoffe umgesetzt. Einen Hinweis darauf gibt die Bodenstreu: sind nur noch Teile von Blättern und Nadeln erkennbar, verarbeitet das Bodenleben die Pflanzenreste rasch. Ganze Nadeln und Blätter zeigen eine verlangsamte Umsetzungsrate an. Eine dichte Humusauflage ist der Hinweis auf vermindertes Bodenleben und sehr langsame Aufschließung der Nährstoffe. Dauert dieser Prozess über mehrere Jahre an, kommt es wegen des Nährstoffmangels zu einer Bodenversauerung. Nadeln sind für das Bodenleben schwerer abzubauen als Blätter. Die Streu der Kiefer ist am schlechtesten abbaubar, auch die Nadeln der Fichte sind schwer abbaubar, wie auch die ledrigen Blätter der Buche. Gut abbaubare Streu liefern Pionierbaumarten wie Birke, Salweide, und Eberesche.

Wasserhaushalt und Bodenart

Die Bodenart entscheidet darüber wie sehr ein Boden in der Lage ist, Wasser zu speichern. Tonige und lehmige Böden speichern Wasser sehr gut, sandige Böden neigen zur Trockenheit. Abhängig von der Textur ist aber auch die Verfügbarkeit von Wasser und Nährstoffen für die Bäume: in einem schweren, tonigen Boden können nicht alle Baumarten wurzeln. Die Bodenart wird mittels Fingerprobe bestimmt. Dabei wird der erdfeuchte Mineralboden zwischen zwei Finger genommen und geformt. Sandige Bodenarten lassen sich kaum formen, während bindige, tonreiche Böden sich gut zu langen, dünnen Schnüren ausrollen lassen.

Die Bodentiefe oder Gründigkeit gibt Auskunft, wie tief die Wurzeln in den Boden eindringen können. Seichtgründige Böden sind nur bis 30 cm durchwurzelbar, tiefgründige Böden können bis zu einem Meter Bodentiefe erreichen. Je gründiger der Boden ist, desto besser sind die Standortverhältnisse.

Kalkhältige Böden sind gut gegen Bodenversauerung geschützt und meist auch nährstoffreich. Der Nachweis von Kalk im Boden erfolgt durch ein paar Tropfen verdünnter Salzsäure. Ist Kalk im Bodenmaterial vorhanden, beginnt der Boden durch Entstehung von Kohlendioxid charakteristisch zu schäumen – der Boden “braust”. Erhältlich ist verdünnte Salzsäure im Fachhandel.