Ökologische Effekte der Durchforstung

Durch die Durchforstung darf das Bestandesdach nicht zu stark aufgerissen werden, ansonsten wird das wertvolle milde Waldinnenklima gestört.

Dass zu starke Eingriffe kontraproduktiv sein können, lässt sich unter anderem daran erkennen, wie die verschiedenen Standortsfaktoren reagieren.

Licht: Jede Durchforstung verbessert die Lichtverhältnisse am Boden. Mit zunehmender Stärke der Durchforstung nimmt auch die Menge an Licht, die auf den Boden fällt, zu. Aber nicht nur am Boden verbessern sich die Lichtverhältnisse, auch im Kronenbereich steht den Bäumen mehr Licht zur Verfügung. Durch die Durchforstung wächst der Lichtkronenbereich, was unmittelbar Einfluss auf den Holzuwachs hat. Umgekehrt wird die Berührungszone der Bäume, also der Bereich, in dem Nadeln und Äste aufeinandertreffen und direkt um das Sonnenlicht konkurrieren, kleiner.

Temperatur: Anders als beim Licht hat die Durchforstung nur wenig Einfluss auf die Temperatur. Erst bei sehr starken Eingriffen verändert sie sich deutlich, vor allem, wenn dauernde oder doch wenigstens eine länger andauernde Unterbrechung des Kronenschlusses eintritt. Dabei werden sowohl die Temperatur im Kronenbereich auch als die im Stammraum verändert. Eine große Temperaturveränderung nach einer Durchforstung ist ein Zeichen dafür, dass der Eingriff zu stark war, denn eigentlich soll das milde, ausgeglichene Waldinnenklima erhalten bleiben. Gelingt dies nicht, dann bekommt die durchforstete Waldfläche ein Freiflächenklima mit hohen Temperaturen während des Tages und kalten Nachtstunden. Vor allem auf die Verjüngung kann sich das durch Trockenstress (tagsüber) und Wärmeverlust (nachts) verheerend auswirken.

Wasserhaushalt: Mit der Entnahme von Bäumen wird die Kronenfläche verringert und somit die Fläche, auf der der Niederschlag anhaftet: Nach einer Durchforstung fällt also mehr Niederschlag auf den Boden. Vor allem für die ersten Jahre nach dem Eingriff ist dieser Effekt zu beobachten. Wie auch bei der Temperatur nimmt das Bodenwasser aber nur bei sehr starken Eingriffen deutlich zu. An Standorten, die unter Bodenverdichtung leiden, kann es zu Staunässe kommen, denn es fällt nicht nur mehr Niederschlag auf den Boden; durch die Durchforstung sinkt auch der Wasserverbrauch des Bestandes, da die Stammzahl deutlich kleiner ist. Böden, auf denen überbestockte Bestände wachsen, profitieren aber von der Durchforstung, denn bei Beständen mit zu hohen Stammzahlen dringt nur sehr wenig Niederschlag bis zum Boden durch.

Boden: Die Durchforstung beeinflusst auch den Boden, indem die Bodentemperatur ansteigt und auch mehr Bodenwasser verfügbar ist. Böden sind aber sehr stabile Systeme, daher ist bei den üblichen Durchforstungsstärken kaum eine Auswirkung auf den Boden zu erwarten. Auf Rohhumusböden kann eine starke Durchforstung dazu dienen, den Rohhumus abzubauen: Durch die ansteigende Bodentemperatur wird das Bodenleben aktiviert, das für den Streuabbau verantwortlich ist.

Bodenvegetation: Die Bodenvegetation ist der beste Zeiger dafür, ob zu viele Bäume entnommen wurden oder nicht. Bodenpflanzen reagieren sehr rasch auf die vermehrte Sonnenstrahlung. Entscheidend ist dabei aber auch, welche Baumarten den Bestand bilden. In jüngeren Beständen von Schatt- oder Halbschattbaumarten kann sich die Bodenvegetation auch nach starken Eingriffen kaum entwickeln. Bei älteren Beständen kann das aber der Fall sein, da die Bäume mit fortschreitendem Alter nicht mehr in der Lage sind, die Lücken im Kronendach rasch zu schließen. Das ermöglicht der Bodenvegetation, die hauptsächlich aus Gräsern und Hochstauden besteht, sich anzusiedeln. Die Bodenvegetation stellt vor allem für die Verjüngung eine Konkurrenz dar. In Lichtbeständen kann es dazu kommen, dass sich diese Konkurrenzvegetation über Jahrzehnte hinweg hält. Aber auch in Beständen mit Halbschattbaumarten wie der Fichte überdauert die Bodenvegetation lange Zeit.