Pflanzenschutzmittel und Borkenkäfer

Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln muss Rücksicht auf Wald und Mensch genommen werden.

Bisher spielten Insektizide in der mitteleuropäischen Waldwirtschaft kaum eine Rolle. Doch in Zukunft werden heisse und trockene Sommer fast jährlich vorkommen. Daher stellt sich die Frage, ob es zukünftig notwendig ist, die chemische Keule im Wald häufiger zu schwingen.

In vielen Teilen Amerikas gehört es fast zur guten forstlichen Praxis: vor allem künstliche Plantagenwälder schützt man  mit diversen chemischen Wundermitteln vor Schädlingsbefall. In Mitteleuropa hingegen gibt es kaum Befürworter des Chemieeinsatzes im Wald. Das zeigt sich schon an der Gesetzeslage: nur einige wenige Pflanzenschutzmittel sind überhaupt für die Bekämpfung von Borkenkäfern zugelassen. Pflanzenschutzmittel dürfen auch im Wald nur noch von Personen ausgebracht werden, die über einen Sachkundenachweis verfügen. Der wesentliche Unterschied zu in der Landwirtschaft verwendeten Pflanzenschutzmitteln ist aber der, das befallene Stämme jedenfalls gefällt werden und aus der Produktion ausscheiden. Insektizide gegen Borkenkäfer töten zwar die Borkenkäfer ab, der Schaden an den befallenen Bäumen ist aber so groß, dass dieser jedenfalls aus dem Bestand ausscheiden muss.

Pflanzenschutzmittelverzeichnis für Deutschland

Pflanzenschutzmittelverzeichnis für Österreich

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln dient in erster Linie dazu, dass sich Borkenkäfer in befallenen Stämmen nicht weiterentwickeln können und eine weitere Ausbreitung verhindert wird. Dafür kommen aber auch Methoden in Frage: werden die Bloche unmittelbar nach der Ernte abtransportiert, verhindert man ebenfalls eine weitere Ausbreitung. Bei starkem Befall ist der rasche Transport vor allem aus Kapazitätsgründen nicht immer möglich. In solchen Fällen können die Stämme entrindet werden, was allerdings sehr arbeitsintensiv ist. Eine andere Möglichkeit ist die Nasslagerung. Diese lohnt sich aber nur für sehr große Holzmengen ab 10.000 m3 und für Sortimente mit guter Holzqualität. Es ist also eine Kooperation mehrere  betroffener Waldbesitzer nötig, zudem sind einige behördliche Genehmigungen einzuholen. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kann also durchaus Sinn machen: er ist aber kein Allheilmittel gegen den Borkenkäferbefall!

In besonders ökologisch sensiblen Gebieten, wie in Wasserschutzgebieten, ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nicht erlaubt. Die zugelassenen Pflanzenschutzmittel stellen zwar für den Menschen keine direkte Gefahr dar, sie belasten aber sehr wohl die Umwelt. Deshalb ist ein sorgsamer Einsatz unbedingt erforderlich. Der Einsatz von chemischen Mitteln ist aber nicht nur ökologisch bedenklich. Die Verwendung von Insektiziden ist auch ein wirtschaftlicher Mehraufwand. Damit der Schutz auch effektiv wirkt, müssen ausnahmslos alle befallenen  Bloche behandelt werden. Rechnet man die benötigte Arbeitszeit plus die Kosten der Pflanzenschutzmittel zu den Holzerntekosten hinzu, wird bei Energie- und Industrieholz im Seilgelände möglicherweise ein positiver Deckungsbeitrag verfehlt.

Kriterien für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln

  • Pflanzenschutzmittel nur dann einsetzen, wenn es keine Alternative gibt
  • Anwendung nur durch Personen mit Sachkundenachweis
  • Bei der Ausbringung die vorgeschriebene Schutzausrüstung tragen und zugelassene Geräten verwenden
  • Unbedingt die Hinweise der Gebrauchsanweisung beachten
  • Beachtung aller gesetzlichen Restriktionen (z. B. Schutzgebietsverordnungen)
  • Abhängig vom Schädling das jeweils zugelassene Pflanzenschutzmittel verwenden
  • Keine Überschreitung der Aufbrauchfrist von 2 Jahren nach Ablauf der Zulassung
  • Bei zertifizierten Wäldern (z. B. PEFC, FSC) Bestimmungen der Zertifizierung beachten
  • Einsatz nur während der Schwärmzeit (von April bis Oktober)
  • Kleine Polter aufbauen um alle Bloche für den Einsatz erreichbar zu machen
  • Anwendung auf der Forststraße um die Belastung des Bestandes zu minimieren

Waldbaulich vorsorgen

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist eine von mehreren Varianten im Kampf gegen Borkenkäfer. Sie ist aber keine Methode zur Vorsorge. Will der Waldbesitzer das Befallsrisiko senken, so ist ein Umdenken im Waldbau nötig. Fichtendominierte Bestände dürfen nur an solchen Standorten stocken, an denen die Fichte auch in trockenen Sommermonaten ihren Wasserbedarf decken kann, also an Standorten mit guter Wasserversorgung. Fichtenbestände müssen auch ausreichend gepflegt werden, denn der Erstbefall der Borkenkäfer gilt stets schwachen und wenig vitalen Fichten. Nun ist nicht jeder Fichte ihre Vitalität anzusehen. Fichten mit schwach entwickelten Kronen oder mit Schäden wie Stammverletzungen müssen jedenfalls aus dem Bestand ausscheiden. Die effektivste waldbauliche Vorsorge liegt aber darin, den Fichtenanteil zu reduzieren. Untersuchungen haben gezeigt, dass eine Reduktion von 50 % das Befallsrisiko auf 30 % senkt. Dies hängt mit der eher geringen Mobilität der Borkenkäfer zusammen. Je weniger Bäume im Bestand Fichten sind, desto schwieriger fällt es dem Borkenkäfer sich erfolgreich auszubreiten.

Fazit:

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist eine Abwehrmethode um die Ausbreitung von Borkenkäfern einzudämmen. Borkenkäferinsektizide bieten aber keinen generellen Schutz vor einem Befall. Der kann nur durch den Waldbau erreicht werden, indem standortfremde Fichtenbestände umgebaut werden und Mischbaumarten gefördert werden.