Waldgesellschaften

Die Baumartenwahl muss sich an der natürlichen Waldgesellschat orientieren. Foto: BMNT/Alexander Haiden

Als Waldgesellschaft versteht man einen klar abgrenzbaren Waldtyp, der durch seine Artenkombination geprägt ist. Dabei spielen aber nicht nur die Baumarten eine Rolle sondern auch die restliche Vegetation, insbesondere die krautigen Pflanzen sind entscheidend für die Feineinteilung, also die Bestimmung der Assozation. Die Assozation ist die kleinste Vegetationseinheit.

Beispiel

Ordnung Fagetalia (Edellaubwälder)

Verband Fagion (Rotbuchenwälder)

Unterverband Luzulo-Fagion (Hainsimsen-Buchenwälder)

Assozation Fagus sylvaticae (Kalkbuchenwald)

Für den forstlichen Praktiker sowie den Privatwaldbesitzer reicht es aber sich an den Verbänden zu orientieren, da einerseits die Bestimmung der genauen Assoziation für den Laien kaum möglich ist, zudem sind die Unterschiede innerhalb der verschiedenen Assoziationen für die Vegetationskunde von Bedeutung, für die forstliche Bewirtschaftung aber eher untergeordnet. In der forstlichen Praxis am verbreitesten und auch am praktikabelsten ist die Einteilung der Waldgesellschaften nach ihrer jeweiligen Hauptbaumart, die auch stellvertretend für die jeweilige Höhenlage steht. So sind eichendominierte Wälder typischerweise Waldgesellschaften der Ebene, während Lärchen-Zirbenwälder im Hochgebirge angesiedelt sind.

Die Waldgesellschaft ist jene Pflanzenformation, die sich am Ende einer Sukzession natürlich bildet. Unter Sukzession versteht man die Aufeinanderfolge verschiedener Pflanzengesellschaften. Flächen, die frei von Vegetation sind, werden nach und nach von verschiedenen Pflanzen besiedelt. Auf Standorten, auf denen, die das Wachstum von Wald zulassen wechseln sich verschiedene Pflanzengesellschaften ab, bis es zum sogenannten Klimax kommt, also der Pflanzengesellschaft, die für den Standort typisch ist und von keiner anderen mehr abgelöst wird, also sozusagen den stabilen Endzustand darstellt. Zu beobachten ist dieses Phänomen unter anderem auf Kahlschlägen oder anderen großen Freiflächen, wie etwa auf Waldbrandflächen: Zuerst siedeln sich Gräser und Kräuter an, danach folgen Sträucher und Lichtbaumarten, bis schließlich die Klimaxarten die Fläche wieder erobern. In so einem Fall spricht man von Sekundärsukzession. Landflächen, auf denen sich erstmals Pflanzen ansiedeln, unterliegen einer Primärsukzession, wie etwa auf Inseln oder ehemaligen Gletschergebieten im Hochgebirge. Es kommt aber nicht immer zum kompletten Ablauf der Sukzession: ist die Freifläche nur von geringer Größe und sind in unmittelbarer Umgebung genügend samentragende Bäume der Klimaxgesellschaft, etwa in einem Buchenwald, vorhanden, so wird die Buche diese Freifläche in Form von Keimlingen und jungen Bäumen bald wieder erobern, ohne das sich Lichtbaumarten ansiedeln können.

Entscheidend für den Waldbesitzer ist, das er sich bei seiner Baumartenwahl an der jeweils vorhandenen Waldgesellschaft orientiert. So können im Eichengebiet durchaus aus Spitzahorn und Esche dominieren und häufiger vorkommen als die Eiche selbst, wenn es sich um einen Standort handelt, der nahe bei einem Fließgewässer liegt und über reichlich Bodenfeuchtigkeit und Nährstoffe verfügt. Möglicherweise glückt die Baumartenwahl nicht immer zu Gänze perfekt, die Konsequenz davon ist aber lediglich das ein Bestand nicht ganz so wüchsig ist wie es der Standort zuliesse. Das Risiko eines kompletten Ausfalls eines Bestandes wie er beim Anbau von Fichte auf artunytpischen Standorten – wobei dies an sich für jede andere Baumart ebenso gilt – besteht jedoch nicht. Die Waldgesellschaft hilft dem Waldbesitzer also aus einer Reihe von möglichen Baumarten auszuwählen und mit diesen einen stabilen, naturnahen Mischbestand zu begründen.