Technische Maßnahmen

Mittels Forstfräse wird die Konkurrenzvegetation beseitigt und der Oberboden aufgeklockert. Foto: vallefrias/shutterstock

Bereits seit dem 14. Jahrhundert sind Maßnahmen zur Bodenbearbeitung bekannt, welche die Verjüngung fördern sollen. Durch die Bodenbearbeitung sollen folgende Ziele erreicht werden:

  • Beseitigung von Bodenverdichtungen
  • Förderung der Naturverjüngung
  • Ermöglichung von Saaten
  • Verbesserung der Anwuchsbedingungen bei Saaten

Die Bodenbearbeitungsmaßnahmen sind aber nicht obligatorisch bei jeder Verjüngungsmaßnahme zu setzen. Sind aber Verjüngungshemmnisse bekannt, wie Rohhumus oder Bodenverdichtung, verbessert die Bodenbearbeitung wesentlich den Erfolg der Verjüngung. Mit Bodenbearbeitungen kann der Oberboden verwundet, die Bodenschichten umgelagert und Verdichtungen beseitigt werden. Dabei ist aber maßvoll vorzugehen, denn intensive Bodenbearbeitungen können auch negative Auswirkungen haben, da für diese Arbeiten Forsttraktoren notwendig sind und das flächige Befahren des Waldbodens negative Effekte haben kann. Durch die Bodenbearbeitung verbessern sich die Bodenstruktur, die Nährstoffversorgung sowie der Wärme- und Wasserhaushalt.

Verbesserung der Bodenstruktur

Auf sandigen, nährstoffarmen Waldstandorten können sich Ortsteinschichten bilden, welche die Durchwurzelbarkeit des Bodens behindern und somit negativ für das Pflanzenwachstum sind. Durch tiefes Pflügen können diese Erdschichten aufgebrochen werden. Ehemalige landwirtschaftliche Böden haben an ihrer Oberfläche (Kontaktstelle zur Atmosphäre) eine wasserstauende und schwer durchwurzelbare Verschmierschicht. Ein Vollumbruch ist bei solchen Verhältnissen hilfreich, insbesondere um dem „Ackersterben“ (Befall mit der Rotfäule) von Nadelholzaufforstungen zuvor zu kommen.

Je schwerer der Boden ist, desto negativer kann sich aber eine Bodenbearbeitung mit schweren Maschinen auswirken. Dies trifft besonders auf schwere, dichte Böden wie Pseudogleye zu. Pseudogleye sind Böden, die durch menschliche Eingriffe (Viehtritt, Maschineneinsatz) stark verdichtet sind. Bei derart dichten Böden ist der Anbau von Baumarten mit starken Wurzelsystemen wie Erle oder Eiche ratsamer als eine reine Bodenbearbeitung.

Verbesserung des Nährstoffhaushaltes

Die Bodenbearbeitung führt zu einer Aktivierung des Bodenlebens. Vor allem Rohhumusflächen reagieren positiv darauf: Die dicken Polster an totem organischem Material werden dann rasch abgebaut. Auf Kahlschlägen, wo die Erosion durch Regen und Wind stark wirkt, besteht allerdings die Gefahr des Nährstoffaustrags, auch deshalb, weil junge Bäume selten in der Lage sind, die Gesamtmenge der im Rohhumus gespeicherten Rohstoffe rasch aufzunehmen. Bei Verjüngungen unter Schirm gibt es dieses Problem aber nicht. Auf Kahlschlägen mit Rohhumusauflagen empfiehlt sich daher, nur stellenweise den Boden zu verwunden und an diesen Stellen zu pflanzen bzw. zu säen.

Verbesserung des Wasserhaushaltes

Auf feuchten Flächen führt neben der Bodenbearbeitung auch die richtige Baumartenwahl zum Erfolg. Vor allem Fichten reagieren sehr negativ auf Staunässe, Arten des Auwaldes wie Erle, Pappel und Weide sind dagegen toleranter. Drainagen sind natürlich auch eine Möglichkeit der Entwässerung, allerdings ist diese Maßnahme sehr arbeitsintensiv und teuer.

Möglichkeiten der Bodenmanipulation

Freilegen des Mineralbodens mittels Forststreifenpflug: Die oberste Bodenschicht wird durch den Pflug durchbrochen, das Bodenmaterial rechts und links neben dem freigelegten Mineralboden abgelagert. Der Streifenpflug ist ein Anbaugerät für Traktoren. Vor allem auf sandigen und mittelschweren Böden hat diese Bodenbearbeitung Bedeutung. Diese Bodenmanipulation ist äußerst schonend für den Humus. Möglich ist auch der Einsatz von Breithacken und menschlicher Muskelkraft oder der Pferdezug.

Kontrollierte Bodenfeuer wie hier vom U.S. Forest Service durchgeführt entfernen nicht nur die Bodenvegetation sondern mindern auch das Waldbrandrisiko.

Auflockerung und Durchmischung des Oberbodens mittels Grubber: Für die Einarbeitung herabgefallener Samen kann der Oberboden durchmischt werden. Die Grubberzinken reißen dabei den Oberboden auf, und es kommt zu einer Durchmischung von Auflageschicht und Mineralboden. Wurden auf der Fläche Hiebsreste verbrannt, dient diese Methode auch dazu, einem Nährstoffverlust vorzubeugen und die durch das Feuer freigesetzten Nährstoffe direkt in den Boden einzuarbeiten. Eine mehrmalige kreuzweise Bearbeitung ist auf den meisten Flächen notwendig, um eine gänzliche Durchmischung zu gewährleisten. Alternativ zum Grubber sind auch Scheibenegge als Anbau an den Traktor möglich, diese Methode ist aber nicht unter Schirm möglich, da es zwangsläufig zu Wurzelverletzungen kommt. Fräsen sorgen für eine Zerschlagung des Auflagehumus und der oft sehr dichten Bodenvegetation. Durch die Bauart der meisten Fräsen wird die Arbeit streifenweise durchgeführt und dient als Vorbereitung von Naturverjüngung und Pflanzung. Die Fräse sollte allerdings nur eingesetzt werden, wenn Bodenvegetation und/oder der Auflagehumus derart dicht ist, dass dadurch das Wachstum der Jungbäume offensichtlich behindert wird.

Abbrennen: Das Abbrennen der Verjüngungsfläche ist eine sehr effiziente Methode ist, um dichten Auflagehumus sowie Hiebsreste zu verarbeiten und die darin gespeicherten Nährstoffe freizusetzen. Um einen Nährstoffaustrag zu vermeiden, ist es aber unbedingt notwendig, die Asche mit dem Oberboden zu durchmischen. Außerdem ist bei den zuständigen Forstbehörden und Feuerwehren um Erlaubnis für diese Maßnahme nachzufragen. In trockenen Sommermonaten verbietet sich diese Methode natürlich, da die Gefahr von Waldbränden zu hoch ist. Auch auf Steilflächen kommt diese Methode nicht in Frage, da hier nicht nur der Wind, sondern auch Schwerkraft und Regenwasser für die Austragung der Nährstoffe sorgen und eine maschinelle Bodenbearbeitung nur schwer realisierbar ist.