Klimawandel und Waldbau

Windwurf ist vor allem in standortsfremden Fichtenbeständen ein Problem. Foto: Dave Powell/bugwood.org

Game Changer Klimawandel

Neben den Böden und dem Vorkommen von Wasser ist die Atmosphäre eine der wichtigsten Gründe, warum Leben auf unserem Planeten überhaupt möglich ist. Die Atmosphäre hält schädliche komische Strahlung zurück, enthält Gase wie Sauerstoff, die für den Großteil der Organismen lebensnotwendig sind und reguliert die Temperatur. Hauptverantwortlich ist dafür Kohlendioxid, besser bekannt unter seiner chemischen Bezeichnung CO2. CO2 zählt zu den sogenannten Treibhausgasen, ebenso wie Methan oder Fluorkohlenwasserstoffe. Diese besitzen die Eigenschaft, einen Teil der Strahlung zu absorbieren und somit Wärme auf dem blauen Planeten zu speichern. Ohne diesen Effekt läge die globale Temperatur bei etwa 18 Grad unter null. Auch wenn im Zuge der medialen Aufmerksamkeit CO2 nun überall als schädliches Gas angesehen wird, garantiert es gemeinsam mit den anderen Treibhausgasen vielmehr, dass Leben überhaupt möglich ist. In der Atmosphäre kommt es nur in Spuren vor: etwa 400 ppm, also 400 Teile pro Million (das entspricht etwa 0,04 %) macht den geringen Anteil von Kohlendioxid in der Atmosphäre aus. Das Problem des Klimawandels entsteht dadurch, dass durch verschiedene menschliche Aktivitäten (vor allem die Verbrennung von fossilen Energieträgern wie Öl, Gas und Kohle) der CO2-Anteil ansteigt und somit die Temperatur und in weiterer Folge das Klima sich verändert. Damit kommen auch Veränderungen auf die Wälder zu bzw. sind teilweise sogar schon zu beobachten: Lange Zeit galten etwa 1.000 m Seehöhe als die Grenze für Borkenkäferschäden, denn in den Gebirgsregionen war es zu kühl für die Schadinsekten. Seit einigen Jahren gilt diese Grenze aber nicht mehr, und die Borkenkäfer sind auch in bisher für sie unerreichbaren Höhen zu beobachten. Aber was bedeutet der Klimawandel für den einzelnen Waldbesitzer genau?

Unsichere Prognosen

Der Wald ist ein komplexes Gefüge, das dominiert ist von Bäumen, die über eine lange Lebensdauer verfügen. Dementsprechend unsicher sind die Prognosen für die Folgen des Klimawandels auf den Wald. Einerseits gehen Experten davon aus, dass durch die lange Entwicklungsdauer von Bäumen eine Anpassung auf ein sich verändertes Klima nur schwer erfolgen kann, da die Generationsfolgen bei Bäumen langfristig sind und Bäume im Vergleich zu anderen Arten nur sehr langsam neue passende Lebensräume erobern. Andererseits ist es gerade die Langlebigkeit, die es Bäumen ermöglichen sollte, ein sich verändertes Klima zu tolerieren. Verändert sich das Klima aber über den Toleranzbereich der Bäume hinaus – etwa durch lange Trockenperioden in den Sommermonaten – wird es zu einer Schädigung der Bäume kommen. Stark geschwächte Bäume werden durch Krankheit und Trockenheit absterben oder durch Baumarten, die den Klimawandel – oder besser gesagt, die neuen klimatischen Bedingungen – vertragen, verdrängt werden. In Mitteleuropa wird daher kaum Waldfläche verloren gehen, sondern es wird zu einem Baumartenwechsel kommen. Als großer Gewinner des Klimawandels wird die Buche gesehen, da sie durch die wärmeren Temperaturen in der Lage sein wird, in den Gebirgslagen höher aufzusteigen, als es bisher der Fall war. Aufforstungen könnten durch den Klimawandel gefährdet werden, da durch häufigere Trockenperioden hohe Ausfälle auftreten können.

Nicht nur Nachteile

Die höheren Temperaturen werden auch zu längeren Vegetationsperioden führen. Gemeinsam mit dem höheren CO2-Anteil in der Atmosphäre wird der Holzzuwachs steigen – in welcher Höhe, ist aber noch nicht vorhersehbar. Ob die oben beschriebenen potentiellen Zuwachssteigerungen durch eine Klimaänderung in der praktischen Waldbewirtschaftung tatsächlich realisiert werden können, wird zu einem wesentlichen Teil von vielen potentiellen Schadfaktoren abhängen, welche Störungen in Waldökosystemen verursachen können. Ob Wind und Borkenkäfer den zusätzlichen Zuwachs „verbrauchen“, wird vor allem von den Baumarten und ihren Anteilen abhängen. Monokulturen sind kaum flexibel, in solchen Beständen werden daher die Schäden am höchsten sein, möglicherweise sogar mit der Folge, dass diese Bewirtschaftungsform langfristig zumindest mit bestimmten Baumarten (Fichte) nicht mehr möglich sein wird.

Speziell in den Bergwäldern wird es zu einem Baumartenwechsel kommen, die längeren Vegetationsperioden lassen Laubbaume wie Bergahorn und Buche nach oben wandern, dafür verliert die Fichte an Lebensraum. Foto: Markus Bolliger/shutterstock

Auf den Wandel vorbereiten

Der Wald ist auch einer der wichtigsten Kohlenstoffspeicher. Zur Vermeidung des Klimawandels kann die Waldwirtschaft selbst aber wenig beitragen, da waldzerstörende Praktiken wie der Wanderfeldbau oder großflächige Abholzungen, die lange Zeit unbewachsen bleiben, ohnehin nicht in Mitteleuropa erlaubt und üblich sind. Die Waldwirtschaft kann allerdings den Rohstoff und Kohlenstoffspeicher Holz durch eine nachhaltige Bewirtschaftung bereitstellen. Als Bauholz oder Möbel stellt Holz einen Kohlenstoffspeicher für Jahrzehnte dar.

Als Waldbesitzer kann man mit einigen Bewirtschaftungsmaßnahmen die Auswirkungen des Klimawandels einschränken. Diese sind aber umgehend einzuleiten, da Anpassungen in der Waldwirtschaft viel Zeit benötigen.

  • Begründung von Mischwäldern sowie der Umbau von Reinbeständen

Durch die Vielfalt an Baumarten und Ungleichaltrigkeit sind Mischwälder flexibler.

  • Reduzierung der Fichte sowie Beimischung von Mischbaumarten in Monokulturen

Die vermehrten Windwürfe sowie die besseren Bedingungen für Schadinsekten machen selbst in Höhenlagen eine Bewirtschaftung von Monokulturen unmöglich.

  • Naturverjüngung

Bäume, die durch Naturverjüngung aufkommen, sind an die standörtlichen Bedingungen besser angepasst.

  • Verjüngung vermehrt unter Schirm des Altbestandes

Da die Verjüngung auf Kahlflächen stärker unter Trockenstress leiden wird, soll die Verjüngung (künstlich und natürlich) durch den Schatten des Altbestands vor Austrocknung geschützt werden.

  • Einsatz von trockenresistenten fremdländischen Baumarten wie der Douglasie

Als zuwachskräftige Mischbaumart stellt die Douglasie eine Alternative zur Fichte dar, da diese Trockenheit besser verträgt. Sie sollte aber nicht im Reinbestand angebaut werden.

Gänzlich verhindern werden sich die (möglichen) schädlichen Auswirkungen des Klimawandels nicht lassen. Vor allem die Zunahme von starken Stürmen sowie die Trockenperioden in den Sommermonaten werden einen schädigenden Einfluss auf die Wälder haben. Entscheidend hierbei ist aber, inwiefern die Wälder in der Lage sind, diese Schäden zu tolerieren. Am Besten geeignet erscheinen dafür Mischwälder, die aus Baumarten zusammengesetzt sind, die den jeweiligen Waldgesellschaften und Höhenlagen entsprechen.