Seilwinden

Vor allem in der bäuerlichen Waldwirtschaft ist die Seilwinde das wichtigste Rückemittel. Foto: Holzknecht

Seilwinden werden zur Vorrückung verwendet. Das frisch geschlagene Holz wird an die Rückegasse mittels Seilwinde gezogen und danach mittels Traktor oder Krananhänger weitertransportiert. Obwohl die Seilwinde nur für die Vorrückung und in manchen Fällen noch als Unterstützung beim Baumfällen eingesetzt wird, ist sie sowohl im bäuerlichen Betrieb als auch im professionellen Forsteinsatz praktisch unverzichtbar. Eine Alternative ist der Pferdezug, der jedoch ab bestimmten Lasten an seine Grenzen stößt.

Am weitesten verbreitet sind Anbauseilwinden, die an die Dreipunktaufhängung von Traktoren montiert werden. In den meisten Fällen haben sie nur eine Seiltrommel und können innerhalb kürzester Zeit an die genormte Tragevorrichtung angekoppelt werden. Doppeltrommelseilwinden hingegen werden fest am Traktor installiert und sind daher hauptsächlich in Forstbetrieben oder bei bäuerlichen Waldbesitzern, die für die Waldarbeit über einen eigenen Forsttraktor verfügen, zu finden. Eine Seilwinde sollte nur in Verbindung mit einer Bergstütze und einem Rückeschild eingesetzt werden. Diese beiden Maschinenelemente stabilisieren den Traktor während des Seilvorgangs, sie bieten Schutz vor Stämmen, die beim Seilen außer Kontrolle geraten sind und erleichtern außerdem den Transport, indem es durch sie möglich ist, den Stamm leicht anzuheben. Bei Anbauwinden ist das Schild ein fix montierter Teil der Konstruktion.

Verschiedene Arten von Seilfehlern. Seile die solche Beschädigungen aufweisen sind auszutauschen. Grafik: Der Forstwirt/Ulmer Verlag

Vom Rückewagen spricht man, wenn die angebaute Winde auf Rädern transportiert wird. Dadurch wird die Hinterachse des Traktors merklich entlastet. Allerdings kommt es dadurch zu einer zusätzlichen Belastung des Bodens, daher ist vom Rückewagen abzuraten, insbesondere beim Transport von Starkholz. Gewöhnlich werden Anbauseilwinden am Heck montiert.

Je nach Arbeitsanfall können auch noch folgende Optionen sehr nützlich sein:

Funkfernsteuerung für Einzug und Bremse: Die Funkfernsteuerung gehört zur Grundausrüstung der Winde, gleich welcher Bauart, damit man sich immer außerhalb der Gefahrenzone aufhalten kann. Desgleichen eine einstellbare Bremse der Seiltrommel, damit diese Trommel nicht nachdreht und das Seil sich von der Trommel löst.

Aufspulvorrichtung: Diese ist umso mehr anzuraten, je breiter die Trommel ist. Idealerweise arbeitet sie mit einer Aufspulbremse zusammen, damit das Seil immer stramm und gleichmäßig aufgewickelt wird.

Ausspulvorrichtung: Diese wird auf dem Markt angeboten mit konstanter Geschwindigkeit und sogar mit stufenlos einstellbarer Geschwindigkeit. Dies ist sehr praktisch, wenn man lange Auszugswege hat und sich so praktisch am Seil mit Wunschgeschwindigkeit abseilen kann.

Überschneidungsvariante: Beim Anziehen des Seils wird die Bremse gelöst und der Antrieb eingeschaltet. Dazu ist eine Überschneidung nötig, damit weder der Stamm abrutscht, noch der Motor zu sehr gegen die Bremse arbeitet. Je nachdem, ob man im Normalbetrieb arbeitet, einen Steilhang bewältigen muss oder an einer Problemfällung dran ist, ist jeweils eine unterschiedliche Überschneidung optimal. Dafür werden anwählbare Voreinstellungen angeboten.

Durch den Einsatz der Seilwinde wird sowohl der Boden als auch der Bestand geschont, da die schweren Forstmaschinen wie Traktor oder Forwarder nicht den Bestand selbst befahren müssen.

Praktisch alle Typen verfügen über eine Funkfernsteuerung, welche die Alleinarbeit möglich macht. Die Funkfernsteuerung bietet den Vorteil, dass die Last begleitet werden kann und eventuellen Hindernissen ausgewichen werden kann. Ob eine Funksteuerung optimal arbeitet, erkennt man erst in kritischen Situationen. Die Not-Aus-Funktion sollte derart konzipiert sein, dass nach Aktivierung der Not-Aus-Taste gefährliche Bewegungen und der Betrieb der Seilwinde ausgeschlossen werden. Ihre einwandfreie Funktion muss so gut als möglich gewährleistet werden. Neben der eigentlichen Steuerfunktion können auch Notrufsysteme in die Funksteuerung eingearbeitet werden. Aktives Not-Halt wird ausschließlich durch Drücken der Notruftaste aktiviert. Passives Not-Halt wird vom System automatisch aktiviert.

Als Faustregel für Dreipunktanbauwinden gilt: Für 10 kW Traktorleistung gelten 1 t Windenzugkraft als Anhaltspunkt. Die Zugleistung soll so wie das Seilwindengewicht auf das Traktorgewicht abgestimmt sein. Die Windenzugkraft soll nicht mehr als doppelt so groß als das Eigengewicht des Traktors sein. Je näher die Winde an den Traktor angebaut ist, desto besser wird der Schwerpunkt der gesamten Gerätekombination. Die Stabilität der Rahmenkonstruktion sollte ebenfalls adäquat zur Traktorleistung ausgeführt sein. Verschobene Seiltrommeln und verzogene Rahmen sind oft ein Zeichen unterdimensionierter Seilwinden.

Beim Kauf und Betrieb einer Seilwinde ist zwischen Nennzugkraft und Betriebszugkraft zu unterscheiden. Die Nennzugkraft gibt die Zugkraft bei komplett ausgespultem Seil an. Je mehr Seil aufgespult ist, desto geringer wird die Nennzugkraft. So kann es passieren, dass im steilen Gelände die Last problemlos hochgezogen wird, doch 20 m vor dem Traktor bleibt der Stamm liegen, da die Seilzugkraft nicht mehr ausreicht. Das liegt darin begründet, dass eine Forstseilwinde das Seil in mehreren Lagen aufspult. Je nach Seillage auf der Trommel wird auch der Wirkradius des Seils größer, und damit wird – bei gleichem Antriebsmoment – die Seilkraft kleiner. Das ist physikalisch bedingt.

Merke: Die Betriebszugkraft steht immer zur Verfügung, auch bei voller Trommel. Die „Nennzugkraft“ ist nur bei fast leerer Trommel verfügbar.

Für den Praxiseinsatz ist es unbedingt notwendig den Unterschied zwischen Betriebs- und Nennzugkraft zu kennen. Foto: Holzknecht

Die Betriebszugkraft ist diejenige Seilkraft, mit welcher man im Betrieb immer rechnen kann, unabhängig von der Windenkonstruktion und unabhängig von der Seillage auf der Trommel. Ist das Rückegut nah am Schlepper, hat der Landwirt nur die Betriebszugkraft zur Verfügung, Bei fast voller Trommel hat man nur die Betriebszugkraft zur Verfügung, oder, wie es die Hersteller nennen: Seilkraft in der obersten Seillage. Nach den derzeit noch gültigen Vorschriften darf sich auch eine Winde, welche nur in der untersten Seillage eine Zugkraft von 8 t hat, „8-t-Winde“ nennen.

Die Preise von Seilwinden bewegen sich zwischen € 1.500,– Euro und € 30.000,–. Ab Rückemengen von 500 Festmeter sollte eine qualitativ höherwertige Seilwinde verwendet werden. Vorsicht beim Rückeschild: Dies sollte nicht breiter sein als der Traktor, da es sonst bei der Fahrt durch den Bestand leicht zu Beschädigungen der Randbäume kommen kann. Das Rückeschild sollte auch nicht schmäler als der Innenrand der Hinterreifen sein. Der Abstand von Mitte Hinterrad zu Mitte Hinterrad ist eine gebräuchliche Breite für das Rückeschild.

Aufbau einer Trommelseilwinde. Grafik: Der Forstwirt/Ulmer Verlag

Für den wirtschaftlichen Rückebetrieb im Bodenzug sind Rückedistanzen bis 60 m praxisgerecht. Daher sind auch 60 m Zugseil ausreichend. Neben der Seilschonung – untere Lagen werden selten abgespult, aber beim Einziehen immer belastet – erhöht sich auch die Zugkraft. Ein Viertel der Trommelhöhe kann frei bleiben. Winden ohne Zugseilausstoß spulen das Seil geordnet auf, wenn der Wickelturm hoch genug ist. Ein hoher Wickelturm erleichtert auch das Zuziehen des Holzes über Böschungen, verschlechtert aber wieder den Gewichtsdruck auf die Vorderachse des Traktors. Verstellbare Seileinzugsrollen sind in jedem Fall empfehlenswert. Die technische Ausführung reicht von der manuell verstellbaren bis zur hydraulisch-funkgesteuerten Verstellung der Seileinlaufrolle.

Sowohl bei Landwirten als auch bei Forstunternehmern, die häufig mit der Seilwinde arbeiten, sind Seilwinden mit klappbarem Polterschild sehr beliebt. Damit können Holzlager höher und sicherer angelegt werden. Mit etwas Übung kann jeder Stamm einzeln hochgehoben und sicher abgelegt werden. Seilzwangsausspulungen erleichtern die Arbeit besonders bei Bergabseilungen.

Zubehör für die Seilrückung. Grafik: FHP