Standortskunde

Eine naturnahe und stabile Waldwirtschaft muss die Standortsbedingungen berücksichtigen. Foto: Joseph o Brien/bugwood.org

Bäume sind an ihren Standort fest gebunden. Das Vorkommen von Licht, Temperatur, Wasser, und Nährstoffen bestimmt die Standortsgüte. Das Gesetz des Standörtlichen besagt, dass diese unveränderlichen Vorgaben der Natur bei der Waldbewirtschaftung beachtet werden müssen. Erkennen und Beurteilen der Standortsgüte sind daher für den Waldbesitzer wesentlich.

Die verschiedenen Baumarten besitzen unterschiedliche Standortsansprüche, so verträgt etwa die Lärche gut Frost während die Erle viel Wasser benötigt. Die Standortskunde hat den Zweck Auskunft über die Ertragskraft des Bodens sowie ein Ratgeber für die Baumartenwahl zu sein. Der Standort wird geprägt durch das vorherrschende Klima, die Höhenlage, den Boden sowie die Exposition. Höhenlage und Exposition sind Zustände, die praktisch unveränderbar sind. Klimaänderungen sind zwar möglich, aber Veränderungen, die Jahrzehnte andauern. Der Boden reagiert am schnellsten auf Einflüsse: durch das Befahren mit schweren Maschinen kann es etwas zur Bodenverdichtung kommen, durch bestimmte Baumarten wie Kiefer oder Fichte zur Versauerung des Bodens, da die Nadelstreu der beiden Hauptbaumarten nur schwer für das Bodenleben zersetzbar ist. Auch der Wasserhaushalt des Bodens kann durch verschiedene Tätigkeiten beeinflusst werden.

Für Baumarten können zwei Arten von Standorten unterschieden werden:

  • Naturnahe Standorte: Der Standort deckt die Bedürfnisse der Baumart ab, zusätzlich ist die Baumart auf solchen Standorten konkurrenzfähig gegenüber anderen Arten, es werden stabile, wüchsige Bestände, die in der Lage sind sich selbst zu verjüngen, gebildet.
  • Artuntypische Standorte: Die Baumart wurde an den Standort künstlich eingebracht. Sie erweist sich als durchaus wüchsig, bildet aber keine stabilen Bestände aus. Die Baumart ist zwar in der Lage sich zu verjüngen, sie ist aber weniger vital als die natürlichen Baumarten und fällt daher mittelfristig im Konkurrenzkampf auch zurück. Je standortsfremder eine Baumart ist desto schneller wird sie ausfallen.

Im Fall der Fichte wird nun manch einer argumentieren, dass sich diese auch auf artuntypischen Standorten verjüngt, wüchsig ist und sich auch gegenüber den meisten standortstauglichen Baumarten im Konkurrenzkampf durchzusetzen vermag. Dabei wird aber übersehen, dass die Resistenz gegenüber Schädlingen wie Rüsselkäfer, Fichtenblattwespe und Borkenkäfer auf standortsfremden Standorten wesentlich geringer ist. Das bedeutet, auch wenn die Fichte sich in der Jugend etwa gegenüber der Eiche als wüchsiger erweist, ist sie über eine gesamte Umtriebszeit hinweg nicht konkurrenzkräftiger, da ihr früher oder später der Ausfall durch Windwurf oder diverse Insekten droht.