Eichenschäden

Schadbild des Eichenprachtkäfers. Foto: Gyorgay Coska/bugwood.org

Probleme mit der Eiche sind schon lange bekannt. Es gibt zahlreiche Berichte, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen über meist zeitlich begrenzte Erkrankungswellen der Eichen. Von allen Hauptbaumarten wächst die Eiche am langsamsten. Umtriebszeiten von 140 Jahren sind für Eichenbestände normal. Die guten Holzpreise entschädigen den Waldbesitzer allerdings für die lange Wartezeit: qualitativ gutes Eichenholz erzielt einen weitaus besseren Preis als Nadelholz. Auch auf den Wertholzsubmissionen bilden Eichen das Gros der angebotenen Stämme. Im Gegensatz zur Buche, der zweiten wichtigen Laubbaumart, lässt sich die Eiche sehr gut vermarkten. Der Preis für Eiche B liegt aktuell zwischen 100 und 150 Euro. Es gibt aber nicht nur wirtschaftliche Gründe, die für den Eichenanbau sprechen.

Die Eiche bevorzugt warme und trockene Standorte. Sie wächst aber auch in Nähe von Auen und Böden mit guter Wasserversorgung, ebenso wie auf dichten Tonböden. Saure Böden besiedelt sie ebenfalls. Von den Hauptbaumarten ist nur die Kiefer in der Lage, ähnliche Standorte zu nutzen, allerdings ist der Preis für Kiefernholz weitaus schlechter.

Die Besonderheit bei den Eichenschäden liegt darin, dass es sich um eine Komplexkrankheit handelt. Anders als etwa beim Eschentriebsterben, wo ein bestimmter Pilz den Krankheitsverlauf verursacht, treten bei der Eiche eine Kombination von Schäden auf.

  • Das Wurzelwerk von Eichen wird durch Stickstoffeinträge geschwächt. Zusätzlich schädigen verschiedene Bodenpilze die Wurzeln. Längere Trockenperioden vergrößern die Schadenswirkung zusätzlich
  • Nicht nur Hitzeperioden, auch Kälte kann der Eiche zusetzen: bei starkem Frost kollabieren die Wasserleitgefässe
  • Der Befall durch den Eichenprachtkäfer lässt das Kambium absterben
  • Der Fraß von blattfressenden Schädlingen wie Schwammspinner und Eichenprozessionsspinner schädigt die Krone
  • Schadstoffe, die durch die Luft eingebracht werden, führen ebenfalls zur Kronenverlichtung

Ein weiteres Problem für die Eiche ist ihre Ringporigkeit. Ringporige Gehölze bilden im Frühjahr vermehrt Gefäße aus, die das Bodenwasser von den Wurzeln zur Krone transportieren. Die Frühholzgefässe der Eiche, die eine zentrale Rolle bei der Wasserversorgung spielen, werden im Frühjahr noch vor dem Blattaustrieb aufgebaut. Die Frühholzgefässe bilden sich aus Reservestoffen, die im Vorjahr gespeichert wurden. Bei mangelnder Vitalität der Eiche werden diese Reservestoffe aber nicht ausreichend produziert. So kann es zu einem Wassermangel kommen, obwohl ausreichend Bodenwasser verfügbar wäre.

Dieser Mix aus verschiedenen Faktoren führt letztendlich dazu, dass die Eiche an Vitalität verliert. Durch den Fraß an den Blättern und der gestörten Wasserzufuhr bildet die Eiche auch weniger Blattmaterial aus. Das Resultat sind abgestorbene Äste oder sogar ganze Kronenteile, die während der Vegetationsperiode kahl bleiben. Mit weniger Blattmasse produziert die Eiche weniger Energie, wodurch die Regeneration ebenfalls schwerer fällt. Ob und wie schwer die Eichen von dieser Komplexkrankheit geschädigt wird, hängt davon ab, wie schwer der Schadensverlauf ist und ob die Schäden wiederholt auftreten.

Zu den wichtigsten Eichenschädlingen gehören:

Zweipunktiger Eichenprachtkäfer (Agrilus biguttatus): Er ist ein schmaler, langgestreckter Käfer, der stärkere Eichen bevorzugt. Seine Larven fressen an der Borke alter Eichen. Als Sekundärschädling befällt er Eichen, die bereits durch Trockenheit oder einen anderen Schädling geschwächt wurden.

Zweipunktiger Eichenprachtkäfer. Foto: Gyorgy Coska/bugwood.org

Eichenprozessionsspinner (Cnethocampa processionea): Der im August und September abends und nachts schwärmende Falter legt seine Eier plattenweise an die Eichenrinde. Typisches Kennzeichen ist die graue Afterwolle, mit der die Eier überzogen sind. Im darauf folgenden Mai schlüpfen die Raupen aus und spinnen im Gezweig ein lockeres Nest, in dem sie tagsüber gesellig und zusammengeballt leben. Sie fressen nachts und wandern dabei Fäden spinnend an einer langen Kette in den Baumkronen umher. Ihre Spindelhaare sind giftig. Beim Menschen verursachen sie Entzündungen an der Bindehaut der Augen sowie in Nase und Mund. Ein Hauptfeind ist der Kuckuck.

Massenvermehrung des Eichenprozessionsspinners. Foto: Haruta Ovidiu/bugwood.org

Grüner Eichenwickler (Tortix viridana): Der Falter ist nachtaktiv und legt seine Eier im Juni in Eichenkronen ab. Danach schlüpfen die Raupen und bohren sich in Knospen und Blätter. Starker Befall ist durch Gespinste erkennbar, die dichten Spinnenweben ähneln. Der Fraß beeinträchtigt die Mast und den Zuwachs.

Fraßbild des grünen Eichenwicklers. Foto: Fabio Stergulc/bugwood.org

Schwammspinner (Lymantria dispar): Der Falter, der zur Massenvermehrung neigt,  legt zwischen August und September seine Eier an der Rinde ab. Die Eier bilden einen typischen Haufen, der an einen Schwamm erinnert. Im April schlüpfen die Raupen, die oft auch einen Kahlfraß verursachen.

Raupe des Schwammspinners. Foto: Jon Yuschock/bugwood.org

Frostspanner (Operophtera brumata): Der Schmetterling erscheint nach den ersten Frösten im Oktober. Die flugunfähigen Weibchen klettern aus der Bodenstreu kommend den Stamm entlang und legen die Eier an der Rinde ab. Die Raupen schlüpfen Ende April bis Anfang Mai und fressen an den aufbrechenden Blatt- und Blütenknopsen. Die Blätter werden oft zusammengesponnen. Der Frostspanner tendiert ebenfalls zur Massenvermehrung und zum Kahlfraß.

Eier des Frostspanners. Foto: Gyorgy Csoka/bugwood.org
Forstspanner. Foto: Gyorgy Csoka/bugwood.org

Eichenmehltau (Microsphaera alphitoides): Der Eichenmehltau ist ein Schlauchpilz und wurde vermutlich aus Nordamerika eingeschleppt. Befallen werden vor allem junge Blätter. Auf den befallenen Blättern bilden sich zimtfarbene Flecken, die sich rasch ausbreiten. Das weiße Pilzmycel überzieht die gesamte Oberfläche des Blattes. Im späteren Befallsstadium rollt sich das Blatt ein, färbt sich braun und fällt vorzeitig ab.

Schadbild des Eichenmehltau. Foto. Anrej Kunca/bugwood.org

Die aktive Bekämpfung diverser Schadorganismen ist zwar möglich, aber nur eine Symptombekämpfung. Massenvermehrungen von Frostspanner und Co. werden oft erst dann erkannt, wenn sich die Population schon reichlich vermehrt hat. Eine präventive Schadensabwehr ist in nicht möglich, die Schäden können maximal eingedämmt werden.

Für den Waldbesitzer gibt es aber auch waldbauliche Möglichkeiten, um das Befallsrisiko zu verringern. Untersuchungen an befallenen Eichenbeständen zeigen, das Eichen mit einer Kronenbreite von etwa 11 m die Komplexkrankheit am besten überstehen. Daher ist bereits in jüngeren Beständen, indem die Z-Bäume im Eichenbestand gefördert werden, dafür zu sorgen, das große Kronen gebildet werden können. Bedränger müssen dafür konsequent aus dem Bestand entfernt werden.

Eine weitere waldbauliche Maßnahme ist der Mischbestand. Dabei wird aus dem reinen Eichenbestand ein Laubmischwald, in dem mehrere Baumarten vorkommen. Dafür kommen eine Reihe von Baumarten in Frage: Hainbuche, Winterlinde und Feldahorn sind typische Begleitbaumarten in Eichenwäldern. Vor allem die Hainbuche und die Winterlinde sind auch wirtschaftlich interessant, da sie gutes Brennholz produzieren. Aber auch sogenannte Edellaubbaumarten wie Elsbeere, Spitzahorn und Traubenkirsche können beigemischt werden.  Bei diesen anspruchsvollen Arten ist aber vorab zu klären, ob der Standort auch ausreichend nährstoffreich ist. Bei Feldulme und Esche besteht die Gefahr des Ulmen- bzw. Eschensterbens. Diese Baumarten kommen daher nur in Gebieten in Betracht, in denen die jeweiligen Krankheitsbilder noch nicht aufgetreten sind. Ansonsten würde man nur eine gefährdete Baumart durch eine andere ersetzen!

Aus den bisherigen Erfahrungen mit Eichenbeständen und ihren Schäden entwickelte die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft vier Regeln für die Eichenbewirtschaftung:

  • Anbau von Eichen nur innerhalb des klimatischen Bereichs, den die Baumart gewohnt ist
  • Keine Reinbestände, sondern als Mischbaumart mit anderen standörtlich geeigneten Baumarten mischen gemäß dem Motto: Wer streut, rutscht nicht!
  • Nur auf optimalen Standorten darf die Eiche zur dominierenden Baumart werden
  • Das Wissen nutzen aus Regionen (Ungarn, Rumänien, Kroatien, Serbien), die wärmer und trockener sind

Kommt der Klimawandel wie prognostiziert, werden auch die Anbaugebiete der Eiche größer werden. Und auch die Eichenschädlinge werden sich besser entwickeln können. Trotzdem ist die Eiche nicht zu verbannen, wohl ist aber die Bewirtschaftung umzustellen. Mehr Mischbaumarten und noch mehr Pflege werden in Zukunft notwendig sein, um in Eichenbeständen wertvolles Holz produzieren zu können. Die Eiche hat definitiv Zukunft.