Buche

Aufgrund ihrer Konkurrenzstärke sind Buchenwälder von Natur aus einschichtig. Foto: Daniel Prudek/shutterstock

Einst war die Buche (Fagus sylvatica) so dominant, dass sich selbst das mächtige römische Reich vor ihr fürchtete. Die dunklen und undurchdringlichen Buchenwälder in Germanien waren den Römern unheimlich. Doch mit der Urbarmachung vieler Landstriche wurde der Anteil der Buche kleiner. Und auch die geregelte Forstwirtschaft unterstützte die Buche kaum. Schnellwüchsige Baumarten wie Fichte und Kiefer wurden bevorzugt. Das ging sogar so weit, dass manche Förster die Buchenverjüngung als Unkraut bekämpften. Ohne menschlichen Eingriff wäre der Buchenanteil viel höher. In Österreich liegt er derzeit bei 10 %, in Deutschland bei 15 %.

Die Buche wird auch als Mutter des Waldes bezeichnet. Diesen Namen verdankt sie ihrer Dominanz und ihrer Tendenz, Bestände auszubilden, in denen Buchen mit großen Kronen vorherrschen. Dank ihrer Fähigkeit, auch bereits in der Jugend Schatten zu ertragen, kann es in ihrem Optimalgebiet keine andere (heimische) Baumart mit der Buche aufnehmen. Die Buche erträgt aber nicht nur viel Schatten, sie erzeugt ihn auch: Ein typisches Kennzeichen von Buchenwäldern ist die geringe Bodenvegetation. Denn das dicht geschlossene Kronendach der Buche lässt nur wenig Licht auf den Waldboden fallen, für die meisten Pflanzen zu wenig Licht. Auf ihren Optimalstandorten ist die Buche die konkurrenzkräftigste Baumart. Ideale Wuchsgebiete sind submontane Standorte mit guter Wasser- und Nährstoffversorgung. Ohne menschlichen Eingriff würde der Großteil Mitteleuropas, mit Ausnahme von trockenen Steppengebieten und Gebirgsregionen, von Buchenwäldern dominiert werden. Ihre Konkurrenzkraft verdankt die Buche ihrer ausgeprägten Fähigkeit, Schatten zu ertragen. Die Buche hat hohe Ansprüche an die Bodenfeuchtigkeit, in trockenen Gebieten bildet sie Mischbestände mit Eichenarten, mit zunehmender Feuchtigkeit fehlt sie vollständig. Die Buche kennt aber keine echte Höhengrenze und kommt auch im Hochgebirge vor, dort ist sie im Wachstum Fichte und Tanne deutlich unterlegen, eignet sich aber als stabile Mischbaumart. Die Rotbuche bildet ein Herzwurzelsystem aus und erreicht so tiefe Schichten. Empfindlich reagiert sie aber auf verdichtete Böden und Bodenversauerung, dann wurzelt sie nur in den obersten Schichten. Auf solchen Standorten neigt die Rotbuche dann auch zum Windwurf. Sie benötigt wenigstens 5 Monate Vegetationszeit. Auf mittleren Standorten, die weder zu feucht noch zu trocken sind, ist die Buche nahezu konkurrenzlos. Sie wächst sowohl auf bodensauren als auch auf kalkreichen Böden. Reine Buchenbestände über 1.000 m Seehöhe sind selten. Auch nasse Böden mag die Buche nicht. Wird der Wurzelraum von Wasser durchdrungen, leiden die Wurzeln. Die Buche ist daher keine Baumart für potentielle Überschwemmungsgebiete. Starke Trockenheit sowie Winterfröste verträgt die Buche ebenfalls schlecht.

Aufgrund ihrer Konkurrenzkraft bildet die Buche häufig Reinbestände aus, die auch als „heilige Hallen“ bezeichnet werden. Da sie aber auf einem breiten Spektrum an Standorten wächst, vermischt sie sich auch mit einer ganzen Reihe von anderen Arten wie Fichte, Tanne, Lärche, Douglasie, Kiefer, Bergahorn, Esche und Kirsche. Sie reagiert auf plötzliche Freistellungen mit Sonnenbrand und ist auch gefährdet durch Verbiss und Schälen. Die Buche wird am häufigsten mittels Schirmschlag verjüngt.

Buchenkeimling. Foto: Maxim von Asseldonk/shutterstock

Die Buche verjüngt sich am besten im Halbschatten. Auf Kahlschlägen kann sie nur in Gebieten verjüngt werden, in denen es im Winter zu keinen starken Frösten kommt. Die klassische Verjüngungsmethode bei der Buche ist der Schirmschlag. Durch ihre ausgeprägte Fähigkeit, sich unter dem Schirm zu verjüngen, eignet sich die Buche hervorragend als Baumart für den Umbau standortsfremder Fichten- und Kiefernbestände. Eiche und Douglasie sind die meistgenannten Baumarten, wenn es um den Klimawandel geht. Die Buche wird nur selten empfohlen. Dabei ist sie für die kommenden Wetterbedingungen gerüstet und angepasst: Im Gebirge wird sie ihr Areal sogar erweitern. Dass die Buche auch mit warmem Klima zurechtkommt, lässt sich unter anderem an ihrem Verbreitungsgebiet in Europa ablesen. Sie ist sowohl in Sizilien als auch in weiten Teilen Griechenlands zu finden. Die Buche ist also eine geeignete Baumart für den Klimawandel und sollte daher in den waldbaulichen Planungen vermehrt eine Rolle spielen. Wäre da nicht der Holzmarkt.

Eigentlich sollte es mit der Vermarktung der Buche keine Probleme geben. Schließlich ist Buchenholz eines der am vielseitigsten verwendbaren heimischen Nutzhölzer. Das fast weiße Holz ist gleichmäßig aufgebaut und hart. Empfindlich ist Buchenholz gegenüber Witterungseinflüssen, weshalb es vor allem im Innenbau eingesetzt wird. Bodenbeläge, Treppen und Möbel sind typische Produkte aus Buchenholz. Trotzdem sieht die Lage am Holzmarkt für die Buche derzeit trist aus. Die Nachfrage ist gering, die Preise sind nur wenig attraktiv. Gegenüber anderen Laubbaumarten wie Eiche, Esche und Kirsche liegt die Buche klar im Preis zurück. Überhaupt ist sägefähiges Buchenholz nur schwer zu vermarkten. Die Gründe dafür sind vielfältig: In der Möbelindustrie gibt es den Trend zur Verarbeitung anderer Hölzer. Einige Produzenten sind nach Osteuropa abgewandert. Zudem dringt derzeit günstigeres Buchensägerundholz aus Rumänien und Ungarn in den mitteleuropäischen Holzmarkt.

Wie soll der Waldbesitzer also mit der Buche umgehen? Ihre Stabilität und auch ihre Wuchsleistung stehen den aktuell schlechten Vermarktungsmöglichkeiten gegenüber. Es ist allerdings zu erwähnen, dass sich Industrie- und Energieholz aus Rotbuche sehr gut absetzen lassen, und das zu attraktiven Preisen. Der Preis für einen Festmeter Brennholz liegt in manchen Gebieten bei etwa 55 Euro, der Preis für Industrieholz bewegt sich ebenfalls auf diesem Niveau. Dies kann als Stärke der Buche gesehen werden: Während bei anderen Baumarten Durchforstungsholz kaum Ertrag abwirft, lässt sich bei der Buche auch mit schlechteren Qualitäten Geld verdienen. Vor allem beim Energieholz ist langfristig auch noch mit einer Preissteigerung zu rechnen. Als Waldbesitzer sollte man sich bei der Entscheidung für oder wider die Buche nicht vom aktuellen Geschehen am Holzmarkt beeinflussen lassen. Dies trifft vor allem auf die Baumartenwahl bei Verjüngungsprojekten zu. Niemand kann vorhersehen, wie die Holzmärkte in 80 bis 100 Jahren aussehen werden. Entscheidender ist da schon die Tatsache, dass die Buche eine stabile Baumart ist und auch in den kommenden stürmischen Zeiten, die der Klimawandel mit sich bringt, bleiben wird.