Ernte im Schwachholz

Gerade bei der Schwachholzernte ereignen sich viele Unfälle. Die eher schwachen Baumdimensionen verleiten häufig dazu, die Gefahren zu unterschätzen bzw. die eigenen Fähigkeiten zu überschätzen. Ein Fichtenstamm mit 15 cm Durchmesser und 20 m Länge hat aber ein Volumen von etwa einem Viertel Festmeter. Gemeinsam mit der Krone ergibt das im saftfrischen Zustand eine Masse von über 100 kg! Daher sollte auch im Schwachholz sorgfältig und aufmerksam gearbeitet werden. Die häufigsten Unfallursachen sind falsche Fäll- und Arbeitstechnik, schlechte Arbeitsorganisation, Unterschätzen der Gefahr, gegenseitige Gefährdung und Nichttragen der persönlichen Schutzausrüstung.

Vor dem Fällen ist aufzuasten. Tote Äste behindern nicht nur die Motorsägenarbeit, sie können auch zu Verletzungen führen. Daher sind sie bis in Kopfhöhe mit der Motorsäge zu entfernen (aufasten). Wichtig ist dabei, dass der Motorsägenführer nicht direkt hinter der Schwertebene steht, sondern seitlich versetzt. Der Arbeitsfortschritt erfolgt gegen den Uhrzeigersinn und es wird sowohl mit ziehender als auch schiebender Kette gearbeitet. Die Äste werden mit weit ausholenden Auf- und Abwärtsbewegungen direkt am Stamm entastet.

Bäume mit einem Durchmesser zwischen 10 und 20 cm werden mit einem waagrechten Schnitt gefällt. Nach dem Schneiden eines kleinen Fällkerbs, der etwa 1/5 des Stockdurchmessers beträgt, wird der Fällschnitt aus der gleichen Position des Motorsägenführers mit ziehender Kette ohne Bruchstufe durchgeführt, wobei eine Bruchleiste von etwa 1/10 des Stockdurchmessers übrig bleibt. Das Umdrücken kann bei weggestellter Motorsäge (niemals mit Motorsäge in der Hand) per Druckstange erfolgen. Per Hand darf der Baum ebenfalls nicht umgedrückt werden, da schwere Verletzungen drohen, sollte der Baum nicht in die gewünschte Richtung fallen.

Für schwache Bäume bis 10 cm Durchmesser eignet sich der Schrägschnitt. Der Motorsägenführer muss sich dabei nicht bis zum Boden bücken, eine leicht hockende Haltung reicht für die korrekte Schnittführung. Der Schrägschnitt wird in einem Winkel von ca. 20 Grad durchgeführt. Der Motorsägenführer steht im ebenen Gelände vor dem Baum in Fallrichtung. Die Schwertspitze soll ca. 5 cm über den Schnitt hinausragen, damit der Baum über das Schwert in die Bringungsrichtung abgleiten kann. Im steilen Gelände wird der Fällschnitt seitlich des Baums stehend von der Talseite ausgeführt, der Baum fällt in die Bergseite.