Gute Gründe für die Waldrandpflege

Der Waldrand ist ein überaus reicher Lebensraum. Er ist aber auch ein guter Schutz vor Windwurf.

Im Übergang von Wald zum Kulturland leben besonders viele Tier- und Pflanzenarten. Es treffen hier nämlich die Arten des “geschlossenen” Waldlebensraums auf die Arten des “offenen” Kulturlandes. Durch die regelmässige Behandlung der Waldränder werden wichtige Vernetzungsfunktionen dem Waldrand entlang sowie auch zwischen Wald und Kulturland aufgewertet (Längs- und Quervernetzung). Grundsätzlich ist ein gestufter und gebuchteter Waldrand überall möglich und sinnvoll. Vor allem lohnt sich der Einsatz jedoch in sonniger Lage und auf mageren, trockenen oder sehr feuchten Standorten. Strukturen am Waldrand wie Hohlwege, Felsaufschlüsse, alte Gruben, Feuchtstellen, etc. sind ökologisch wertvoll und bergen oft ein grosses Aufwertungspotenzial. Auch die Baum -und Strauchartenzusammensetzung kann ideale Standorte anzeigen: alte Eichen, Föhren oder Buchen und eine vielfältige Strauchschicht mit hohem Dornanteil sind interessant. Ideal ist der Standort, wenn das angrenzende Kulturland extensiv genutzt wird, z.B. Fromentalwiese, ein Bachlauf, Buntbrachen, eine extensive Weide u.a. Ungünstig sind intensiv genutztes Ackerland oder eine Strasse, die direkt an den Waldrand anschliesst.

Waldrand
Optimales Beispiel eines gestuften Waldrandes.

Warum überhaupt Waldrandpflege?

Der Waldrand oder Trauf ist nicht nur ein Lebensraum für viele Arten, er schützt auch den Wald vor Wind und Wetter, er ist sozusagen die Hornhaut des Waldes. Fehlt der Waldrand wie es leider sehr häufig ist und es gibt eine scharfe Grenze zwischen Wald und Offenland, so verliert der Wald vor allem im Grenzbereich sein wertvolles, mildes Innenklima.

Der steile, dicht geschlossene Waldrand wirkt wie eine Staumauer. Der Luftstrom steigt am Waldmantel hoch und stösst mit den oberen ungebremsten Luftmassen zusammen. Heftige Turbulenzen entstehen. Die Windwurf- und Bruchgefahr hinter den Randbäumen steigt. Alle Grafiken: Romano Costa

 

Bei gut durchlässiger Mantelstruktur stossen nur einige untere Luftströme mit den oberen zusammen. Es gibt weniger Turbulenzen. Der im Bestand durchziehende Luftstrom senkt die Luftfeuchtigkeit, entfernt am Rand die Laubstreu. Eine eher trockene Bodenvegetation stellt sich ein.
Beim sanft ansteigenden Waldrand werden die unteren Luftströme nur langsam nach oben gedrückt. Die Turbulenzen werden gemildert und der Wirkungsbereich gestreckt. Windwurf- und Bruchgefahr sind bedeutend kleiner (= optimale Waldrandstruktur).

Wie pflegt man den Waldrand richtig?

Die Waldrandpflege ist eine Daueraufgabe! Sie ist vergleichbar mit dem Unterhalt eines Hochstamm-Obstgartens oder dem regelmässigen Schnitt einer Hecke: auch diese Elemente der Kulturlandschaft brauchen eine regelmässige, angepasste Pflege. Grundsätzlich bewirkt die Waldrandbehandlung mehr Licht, mehr Wärme und mehr Strukturen in diesem Übergangsbereich. Dadurch steigt automatisch die Artenvielfalt. Aber Vorsicht! Gerade am Waldrand kann man auch wertvolle Strukturen bei einer Behandlung zerstören. Hier wachsen oft noch die letzten alten, knorrigen Eichen oder alte Dornsträucher, die nie gepflanzt wurden und somit autochthone regionalspezifische Herkünfte darstellen.

Trotzdem muss man mit aller Deutlichkeit einen kräftigen Eingriff empfehlen. Die Tiefe sollte mindestens eine Baumlänge aufweisen und der Kronenschluss nur noch um 30% betragen. Zu kleine Eingriffe sind schon nach wenigen Monaten kaum noch zu sehen. Grosse Eingriffe erschrecken vielleicht Spaziergänger am Anfang, weil sie ein anderes Bild gewohnt sind. Hier ist Öffentlichkeitsarbeit sinnvoll (z.B. eine Tafel mit Informationen, Bericht in der Zeitung, Thema an einer Waldbereisung/Waldumgang aufgreifen).

Der Aufbau des Waldrandes sollte stufig (verschiedene Altersklassen gemischt) und die Linienführung durch Buchten möglichst lang sein. Die Waldrandpflege ist auch eine kreative Arbeit. Mit der Motorsäge lässt der Lebensraum von Pflanzen und Tieren gestalten. So kann man z.B. bei fehlenden Steinen mit Rundhölzern eine Sonn- und Unterschlupfstruktur errichten. Stehende tote und besonnte Stämme sind sehr wertvoll. Totholz lässt sich auch durch ringeln schaffen. Magere und offene Bodenstellen sollten freigeholzt werden, damit Licht und Wärme bis auf den Boden durchdringt. Die grossen Mengen an Holz, die bei einer Durchforstung anfallen, können genutzt werden (z.B. als Energieholz), ein Teil sollte jedoch immer als wertvolle Struktur im Waldrandbereich verbleiben. Das anfallende Astmaterial sollte zudem nicht flächig im Waldrandbereich liegen, sondern zu Haufen aufgeschichtet werden. Das erleichtert eine spätere Pflege sehr.

Waldeidechse
Nur eine der vielen Profiteure eines gepflegten und vitalen Waldrandes: die Waldeidechse.