Die chemische Keule als letzte Hoffnung?

Die Borkenkäferschäden nehmen seit Jahren zu. Vor allem in Gebirgslagen ist die Bekämpfung nur schwer durchzuführen. Ist der vermehrte Einsatz von Insektiziden notwendig? Der Sommer 2018 war für Borkenkäfer ein Highlight. Die über Wochen in ganz Mitteleuropa anhaltenden tropischen Temperaturen sorgten dafür, dass sich die rindenbrütenden Insekten hervorragend ausbreiten und entwickeln konnten. Die Fichten waren hingegen bedingt durch hohe Temperaturen und geringe Niederschläge stark geschwächt. Entsprechend hoch waren die Schäden: Allein in Österreich wurde der Rekordwert von 5,3 Mio. fm Schadholz erreicht. Bisher spielten Insektizide in der mitteleuropäischen Waldwirtschaft kaum eine Rolle. Doch in Zukunft werden Sommer wie der vorjährige häufiger vorkommen. Daher stellt sich die Frage, ob es zukünftig notwendig ist, die chemische Keule im Wald häufiger zu schwingen.

Kein Allheilmittel

In vielen Teilen Amerikas gehört es fast zur guten forstlichen Praxis: vor allem künstliche Plantagenwälder schützt man mit diversen chemischen Wundermitteln vor Schädlingsbefall. In Mitteleuropa hingegen gibt es kaum Befürworter des Chemieeinsatzes im Wald. Das zeigt sich schon an der Gesetzeslage: nur einige wenige Pflanzenschutzmittel (s. Liste für Deutschland und Österreich) sind überhaupt für die Bekämpfung von Borkenkäfern zugelassen. Pflanzenschutzmittel dürfen auch im Wald nur noch von Personen ausgebracht werden, die über einen Sachkundenachweis verfügen. Der wesentliche Unterschied zu in der Landwirtschaft verwendeten Pflanzenschutzmitteln ist aber der, das ein von Borkenkäfer befallener Stamm sowie gefällt muss. Ganz im Gegensatz zu Feldfrüchten in der Landwirtschaft, die dank des Pflanzenschutzmittels weiter heranwachsen können. Insektizide gegen Borkenkäfer töten zwar die Borkenkäfer ab, der Schaden an den befallenen Bäumen ist aber so groß, dass dieser jedenfalls aus dem Bestand ausscheiden muss.

Anders als oft fälschlich angenommen dienen Pheromonfallen nicht der Bekämpfung der Borkenkäfer sondern sind lediglich ein Instrument um die Bestandesentwicklung beobachten zu können.

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln dient in erster Linie dazu, dass sich Borkenkäfer in befallenen Stämmen nicht weiterentwickeln können und eine weitere Ausbreitung verhindert wird. Dafür kommen aber auch Methoden in Frage: werden die Bloche unmittelbar nach der Ernte abtransportiert, verhindert man ebenfalls eine weitere Ausbreitung. Bei starkem Befall ist der rasche Transport vor allem aus Kapazitätsgründen nicht immer möglich. In solchen Fällen können die Stämme entrindet werden, was allerdings sehr arbeitsintensiv ist. Eine andere Möglichkeit ist die Nasslagerung. Diese lohnt sich aber nur für sehr große Holzmengen ab 10.000 m3 und für Sortimente mit guter Holzqualität. Es ist also eine Kooperation mehrere betroffener Waldbesitzer nötig, zudem sind einige behördliche Genehmigungen einzuholen. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kann also durchaus Sinn machen: er ist aber kein Allheilmittel gegen den Borkenkäferbefall!

In besonders ökologisch sensiblen Gebieten, wie in Wasserschutzgebieten, ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nicht erlaubt. Die zugelassenen Pflanzenschutzmittel stellen zwar für den Menschen keine direkte Gefahr dar, sie belasten aber sehr wohl die Umwelt. Deshalb ist ein sorgsamer Einsatz unbedingt erforderlich. Der Einsatz von chemischen Mitteln ist aber nicht nur ökologisch bedenklich. Die Verwendung von Insektiziden ist auch ein wirtschaftlicher Mehraufwand. Damit der Schutz auch effektiv wirkt, müssen ausnahmslos alle befallenen Bloche behandelt werden. Rechnet man die benötigte Arbeitszeit plus die Kosten der Pflanzenschutzmittel zu den Holzerntekosten hinzu, wird bei Energie- und Industrieholz im Seilgelände möglicherweise ein positiver Deckungsbeitrag verfehlt.

Kriterien für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln

  • Pflanzenschutzmittel nur dann einsetzen, wenn es keine Alternative gibt
  • Anwendung nur durch Personen mit Sachkundenachweis
  • Bei der Ausbringung die vorgeschriebene Schutzausrüstung tragen und zugelassene Geräten verwenden
  • Unbedingt die Hinweise der Gebrauchsanweisung beachten
  • Beachtung aller gesetzlichen Restriktionen (z. B. Schutzgebietsverordnungen)
  • Abhängig vom Schädling das jeweils zugelassene Pflanzenschutzmittel verwenden
  • Keine Überschreitung der Aufbrauchfrist von 2 Jahren nach Ablauf der Zulassung
  • Bei zertifizierten Wäldern (z. B. PEFC, FSC) Bestimmungen der Zertifizierung beachten
  • Einsatz nur während der Schwärmzeit (von April bis Oktober)
  • Kleine Polter aufbauen um alle Bloche für den Einsatz erreichbar zu machen
  • Anwendung auf der Forststraße um die Belastung des Bestandes zu minimieren
Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gilt der Grundsatz Safety first um Mensch und Umwelt zu schonen.