Lexikon der Waldbewohner: Die Wildkatze

Im Gegensatz zur Hauskatze, die vermutlich von den Römern aus Afrika mitgebracht wurde, ist die Wildkatze eine „echte“ Europäerin. Die Unterscheidung von Wildkatze und Hauskatze ist aber nicht einfach.

Sie ist eine der seltensten heimischen Säugetierarten. Grund für das fast gänzliche Verschwinden der Wildkatze war vor allem die Verfolgung durch den Menschen bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Heute zählen die Zerschneidung des Lebensraumes und der Straßenverkehr zu den größten Gefahren. Die äußerst wehrhaften Wildkatzen werden nur von Uhu, Luchs und Wolf erlegt. Die Wildkatze braucht große zusammenhängende Waldgebiete, aber auch kleine Lichtungen, im Wald verborgene Wiesen und Waldränder mit reichen Heckenstrukturen. Deshalb eignet sich die Wildkatze sehr gut als so genannte Leitart des Naturschutzes: Viele andere Arten wie z. B. Baummarder oder Haselhühner, Schwarzstorch und Rotwild profitieren davon, wenn sich die Wildkatze wieder heimisch fühlt. Im Gegensatz zur Hauskatze, die vermutlich von den Römern aus Afrika mitgebracht wurde, ist die Wildkatze eine „echte“ Europäerin. Die Unterscheidung von Wildkatze und Hauskatze ist aber nicht einfach. Wildkatzen wirken wegen ihres dichteren Fells kräftiger und größer. Typisches Merkmal ist ein meist buschiger Schwanz mit schwarzen, nicht verbundenen Ringen und schwarzem, stumpfem Ende, ein Aalstrich entlang des Rückens, vier Nackenstreifen sowie eine fleischfarbige Nase und eine verwaschen getigerte Zeichnung auf beige-grauem Grund.

Trotz ihrer geringen Größe hat eine ausgewachsene Wildkatze kaum natürliche Feinde.

Mäusejäger, der keinen Schnee mag

Als Einzelgänger jagen Wildkatzen in der Regel Tiere, die kleiner sind als sie selbst. Ihre Nahrung besteht zum überwiegenden Teil aus Wühl- und Waldmäusen. Da Felis silvestris. keinen Winterschlaf hält, ist sie darauf angewiesen das ganze Jahr über auf Jagd zu gehen. Schneereiche Winter bringen die Wildkatze in Bedrängnis, da sich ihre Hauptbeutetiere, kleine Nager, gut unter dem Schnee verstecken können und sie auf Grund ihrer schmalen Pfoten leicht im Schnee einsinkt. Bei zu hoher Schneedecke frisst sie auch andere kleine Nager, sowie Vögel und Insekten. In Notzeiten frisst die Wildkatze auch Aas und vegetarische Kost. Im Alter von neun bis zwölf Monaten werden Wildkatzen geschlechtsreif. In der Regel gibt es einmal pro Jahr, selten auch zweimal, Nachwuchs. Folglich werden die meisten Jungen in den Monaten März, April und Mai geboren. Das Weibchen bringt in einem sicheren Versteck meist zwei bis vier Junge zur Welt. Zwischen dem dritten und dem sechsten Lebensmonat ziehen die jungen Wildkatzen mit der Mutter umher und lernen von ihr sowohl Jagdtechnik als auch Beutetiere kennen. Danach sind die jungen Katzen selbstständig und verlassen das Revier der Mutter. Die Population wird in Deutschland auf 5.000 Tiere geschätzt, wobei der Schwerpunkt in Baden-Württemberg liegt.