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Weniger Risiko durch kürzere Umtriebszeiten?

Als eine Maßnahme gegen die Unbilden des Klimawandels wird unter anderem die Verkürzung der Umtriebszeiten empfohlen. Doch wie hilfreich ist das tatsächlich?

Borkenkäfer, Windwurf & Neobiota wie das Eschentriebsterben sorgen seit einigen Jahren für Schadholzmengen, die für viele Waldbesitzer schwere Zeiten bedeuten. Besonders beim Nadelholz sind die Zahlen alarmierend und ein Ende ist derzeit nicht in Sicht. Als eine Maßnahme die Schadholzmengen zu reduzieren wird eine Verkürzung der Umtriebszeiten empfohlen. Vor allem die abiotischen Schäden gefährden Bäume schon in ihren ersten Lebensjahren, insbesondere Waldbrand, Spätfrost und Trockenheit können ganze Aufforstungsprojekte in kürzester Zeit vernichten. Aber auch Rüsselkäfer und Wildverbiss schädigen die jungen Kulturen. Windwurf und Schneebruch sind häufig im Stangenholzstadium, also auch noch in relativ jungen Jahren, ein Problem. Auch der Kupferstecher tritt im Stangenholz auf.

Risiko Altersklassenwald

Die Umtriebszeit ist mit dem Altersklassenwald verbunden, je nach Baumart wird nach 80 bis 140 Jahren Wachstum der gesamte Bestand endgenutzt, also im Kahlschlag geerntet. Im Dauerwaldbetrieb hingegen ist die Umtriebszeit keine Größe, am ehesten ist sie mit der Zielstärke vergleichbar, also mit dem Durchmesser bei dessen Erreichen der Baum genutzt wird. Je länger ein Bestand wächst und der belebten und unbelebten Umwelt ausgesetzt ist, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit eines massiven Schadens. Daher klingt es auf den ersten Blick auch logisch die Umtriebszeit zu verkürzen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn wie bereits einige Beispiele genannt wurden schädigen eine ganze Reihe von biotischen und abiotischen Schadfaktoren verhältnismäßig junge Bestände. Gerade im Stangenholz, wenn es wie häufig in der Praxis üblich, nicht konsequent gepflegt wird, schlägt der Forstmeister Wind gerne zu. Dasselbe gilt für den Schneebruch. Und auch nicht alle Pilze und Insekten warten nicht darauf, dass ein Bestand 100 Jahre alt wird. Zwar bevorzugt der Buchdrucker als Schädling Nr. 1 ältere Altersklassen, aber Kupferstecher und Nonne etwa befallen auch jüngere Bestände, Rüsselkäfer und die Kleine Fichtenblattwespe sowieso.

Einige abiotische Schäden wie Waldbrände gefährden auch schon junge Bestandesstadien.

Einzig für die präventive Abwehr vor dem Buchdrucker macht eine Verkürzung der Umtriebszeiten Sinn, da dieser vor allem in späteren Altersklassen zu finden ist. Das gilt vor allem für sekundäre Fichtenmonokulturen in Tieflagen, die akut vom Borkenkäfer bedroht sind. Hier kann eine kürzere Umtriebszeit hilfreich sein, allerdings muss auch berücksichtigt werden das durch eine frühere Ernte auch weniger Holz vorhanden ist. Im Zweifelsfall gilt es daher abzuwägen, ob durch eine Verkürzung der Umtriebszeit oder durch einen Borkenkäferbefall ein höherer wirtschaftlicher Verlust zu erwarten ist. Auch stellt sich die Frage inwieweit die Umtriebszeit verkürzt werden soll – und welche wirtschaftlichen Auswirkungen damit verbunden sind. Eine Verkürzung unter 50 Jahre ist sowieso aufgrund der meisten Forstgesetze nicht möglich. Auch muss mit geringeren Holzmengen bei kürzeren Umtriebszeiten gerechnet werden. Bei Fichte und Tanne muss mit wenigstens 200 fm Verlust pro ha gerechnet werden, wenn die Umtriebszeit von 100 auf 60 Jahren verkürzt wird, bei Kiefer um 100 fm. Laubholz ist nur dann wirklich lukrativ, wenn Wertholzstämme Durchmesser über 50 cm erreichen – mit Umtriebszeiten deutlich unter 100 Jahren ist das selbst auf besten Böden kaum erreichbar.

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass eine Verkürzung der Umtriebszeiten in bestimmten Fällen hilfreich sein kann. Es ist aber keine generelle Lösung für Forstschutzprobleme, da viele Schäden schon in sehr jungen Bestandesjahren auftreten und sich gerade bei der Laubholzproduktion die Umtriebszeit nicht ohne starken wirtschaftlichen Verlust verkürzen lässt. Insgesamt wird auch eine Verkürzung der Umtriebszeiten nicht helfen die Schadholzmengen zu verkleinern, sondern ein standortgerechter Waldbau, der Mischwälder fördert und konsequent pflegt.

Für die Nachbarbestände von Borkenkäfernestern kann eine Verkürzung der Umtriebszeit sinnvoll sein.

Weiterführende Links:

Borkenkäfer: Biologie und Abwehr

Waldbrand

Jungbestandspflege

Waldumbau von Monokulturen