10 Gebote für Wild und Wald

Rehbock

Hohe Wildstände und katastrophale Verbisschäden beeinträchtigen vielerorts die Waldwirtschaft. Vorschläge um die Situation zu erleichtern gibt es schon lange. Manche sind aber auch schon lange wieder in Vergessenheit geraten, wie die 10 Gebote des einstigen Waldbauprofessors Hans Mayer.

Bereits vor 35 Jahren hat er vorrausschauend Gebote formuliert, wie die Problematik zu lösen sei. Betrachtet man die aktuellen Verbisschäden, scheint sich erschreckend wenig verändert zu haben und die Forderungen haben immer noch ihre Gültigkeit.

Hirsche
Der permanente Verlust an Lebensraum ist ein Grund für die Höhe der Verbissschäden.

Bewußtseinswandel

Sowohl von Seiten der Jagd als auch der Waldbesitzer ist ein Umdenken notwendig. Gerade die Kahlschlagwirtschaft liefert dem Rehwild, wenn auch unfreiwillig, viel Äsung auf kleiner Fläche. Im Dauerwald, wo sich die Verjüngung auf die gesamte Waldfläche verteilt, kommt es in der Regel seltener zu untragbaren Wildschäden. Die Kahlschlagwirtschaft hat hingegen einen höheren Besiedlungsanreiz für Schalenwild. Bedingt durch die optisch auffälligen Randlinien sowie optimale Orte für Nahrungsaufnahme sind Schlagflächen besonders attraktiv.  Die Kahlschlagwirtschaft verträgt daher weniger Wild als Dauerwaldbetrieb mit Naturverjüngung. Bejagungstechnisch kann Dauerwald durch fehlende Freiflächen Nachteile bringen. Diese können bei Bedarf z.B. durch Bewegungsjagden und forstliche Unterstützung (Anlage von Schussschneisen etc.) ausgeglichen werden. Allgemein überschätzt wird die Auswirkung eines generellen Fütterungsverbotes auf die Wildstandsreduzierung und Wildschadensminderung. Fütterungsverbot ist keine Alternative zum Abschuss, sondern bestenfalls eine hilfreiche Begleitmaßnahme in manchen Gebieten. Ohne ausreichend hohen Abschuss können Schalenwildbestände in unserer Kulturlandschaft nicht reguliert werden, egal ob mit oder ohne Fütterung. Am nötigen Abschuss führt kein Weg vorbei.

Wild
Nicht jeder Spur von Wild ist ein Wildschaden.

Die 10 Gebote

Prof. Hannes Meyer war einer der führenden Forstwissenschaftler in Mitteleuropa und 25 Jahre lang Professor für Waldbau an der Universität für Bodenkultur. Neben der Urwaldforschung war der Wald-Wild-Konflikt sein wichtigstes Forschungsgebiet. 1982 verfasste er „die 10 ökologischen Wald-Wild-Gebote.“

  • Der Naturwald ist das wichtigste Lehrbeispiel für den optimalen Aufbau des Waldes in Gegenwart und Zukunft
  • Wald und Wild stehen im Naturwald in einem ökologischen Gleichgewicht. Der Wald bleibt langfristig stabil, das Wild bei geringer Dichte artenreich, gesund und kräftig.
  • Der naturnahe Wirtschaftswald garantiert einen Waldaufbau, bei dem alle Funktionen für den Menschen und seine Bedürfnisse sowie für den Naturhaushalt nachhaltig erfüllt werden können.
  • Standortswidrige Reinbestände werden durch Umwandlung in naturnahe Wirtschaftswälder zu stabilen Lebensgemeinschaften.
  • In den letzten 100 Jahren haben jagdwirtschaftliche Schalenwilddichten in Naturwäldern die Entwicklung einer gemischten Naturverjüngung vereitelt. Für die Stabilität des Waldes wichtige Mischbaumarten sind ausgefallen. Der Wirtschaftswald wird für Katastrophen immer anfälliger und auch unter Naturschutz stehende Urwaldreste verschwinden langsam, aber sicher.
  • Wenn das Schalenwildproblem nicht befriedigend gelöst wird, lassen sich künftig auf immer größeren Flächen nur noch ungenügend leistungsfähige, zunehmend instabile Wälder begründen, die ihre Holzproduktion und ihre Schutzfunktionen nicht befriedigend erfüllen können.
  • Nur eine naturnahe Jagdwirtschaft kann das Wald-Wild-Problem lösen. Sie orientiert sich an tragbaren Wildschäden am Jungwald und strebt einen zahlenmäßig begrenzten, aber artenreichen gesunden und kräftigen Wildbestand an.
  • Ziel der Jagdwirtschaft darf nicht allein die Jagdtropähe und eine möglichst große Jagdbeute von wenigen Schalenwildarten sein. Sie muss gleichzeitig und primär den Gesamtzusammenhang von Standort, Pflanzen- und Tierwelt erfassen, das ökologische Gleichgewicht erkennen und ihr Handeln danach ausrichten.
  • Sorgfältig abgestimmte Maßnahmen einer naturnah ausgerichteten Wald- und Wildbewirtschaftung müssen das Wald-Wild-Problem lösen.
  • Im Wald ist nur bei naturnahmen Wildbestand ein stabiler Waldaufbau möglich, der alle Anforderungen des Menschen und des Naturhaushaltes erfüllen kann. Voraussetzung dazu ist eine naturnahe Jagdwirtschaft mit Jägern, die bereit sind, ökologische Zusammenhänge in der Natur ganz allgemein sowie von Wald und Wild im Besonderen zu erkennen und danach zu handeln.
Wald und Wild bilden eine Lebensgemeinschaft – erst durch falsches Management kommt es zum Konflikt.