Wildgerechter Waldbau

Der Wilddruck kann durch waldbauliche Maßnahmen wesentlich reduziert werden. Finden Sie hier Tipps wie man die Habitatqualität erhöht und den Verbiss reduziert.

Für viele Waldbesitzer ist es ein ebenso gewohntes wie tragisches Bild: Beim Kontrollgang der Verjüngung findet man viele junge Bäumchen, deren Haupt- und Leitriebe verbissen sind. Für Befürworter der Naturverjüngung ergibt sich die Situation, dass sich nur Fichte (und in manchen Gebieten die Lärche) problemlos verjüngen lässt. Doch gerade in Zeiten des Klimawandels ist die Begründung von Mischbeständen, die widerstandsfähiger sind als Reinbestände, eine zentrale Aufgabe für die Waldbauern. Dass mit der Fichte ausgerechnet die Baumart, deren Anteile man eigentlich verringern sollte, durch den Verbiss gefördert wird, verkompliziert die Situation noch zusätzlich.

Ein zu hoher Wildstand ist auch schon bei geringen Wilddichten möglich, wenn der Wald so gestaltet wurde, dass er sehr wildschadenanfällig ist und wenig Wild verträgt. Außer der Wilddichte spielt auch die Wildverteilung eine entscheidende Rolle. Wenn das Wild vermehrt in die schadenssensiblen Gebiete abgedrängt wird (ungünstig verteilter Jagddruck, andere Formen der Wildbeunruhigung), dann gibt es auch bei großflächig gesehen wenig Wild immer noch Probleme in diesen Schadenszentren.  Gerade die Kahlschlagwirtschaft fördert das Rehwild. Im Gegensatz zum ehemaligen Steppenbewohner Rothirsch, der über lange Distanzen flüchtet, bevorzugt das Rehwild Gebiete mit reichlich Deckung, um sich nach kurzem Fluchtweg vor Bedrohungen verstecken zu können. Sehen und selbst nicht gesehen werden lautet die Devise. Kahlschläge sind daher für Rehwild sehr attraktive Äsungsflächen, da die nahen Altbestände ein Rückzugsgebiet darstellen (Randlinieneffekt). Die schädliche Auswirkung des Verbisses wird auf einem aufgeforsteten Kahlschlag noch erhöht, da auf kleiner Fläche viel Äsung vorhanden ist. In kürzester Zeit kann ein einzelnes Reh eine komplette Aufforstung gefährden. Ein weiteres Problem der Altersklassenwälder sind die äsungarmen Bestandesstadien wie Dickungen und Stangenholz, in denen kaum Licht auf den Boden dringt und somit keine Äsung für das Schalenwild vorhanden ist. Die Nahrungssuche konzentriert sich daher auf lichte Altbestände sowie auf Verjüngungsflächen.

Wild
Kahlschläge sind speziell für Rehwild hochattraktive Äsungsfläcen.

Im Dauerwald kommt es in der Regel weniger leicht zu untragbaren Wildschäden. Die Kahlschlagwirtschaft hat hingegen einen höheren Besiedlungsanreiz für Schalenwild, da die Verjüngung auf kleiner Fläche konzentriert ist. Ein einzelnes Reh benötigt einen Nachmittag um eine Aufforstungsfläche schwer zu schädigen. Das heißt, Kahlschlagwirtschaft verträgt weniger Wild als Dauerwaldbetrieb mit Naturverjüngung, gemessen an vergleichbaren Waldverjüngungszielen. Die Naturverjüngung im Dauerwaldsystem ist meist auf einem wesentlich größeren Flächenanteil vorhanden und meist viel stammzahlreicher als die Verjüngung am Kahlschlag (Aufforstung).

Vergleich der Schadanfälligkeit zwischen Naturverjüngung und Aufforstung. Quelle: Wildlebensräume, Reimoser et al.

Die wichtigsten waldbaulichen Maßnahmen um den Wilddruck zu vermeiden:

  • In Althölzern stellenweise auflichten, damit sich Gräser und Kräuter entwickeln können und somit Äsung bilden kann
  • Unmittelbar in der Nähe von dunklen, dichten Beständen wie Dickungen und Stangenholz Wildäcker anlegen (Blössen mit etwa 100 – 200 m2 Größe) damit das Wild Äsung findet
  • Naturverjüngung nutzen
  • Auf Schadflächen Baumarten durch Naturverjüngung oder Saat etablieren die widerstandsfähig sind gegen Verbiss (Hainbuche, Eberesche, Salweide) um somit von den Zielbaumarten abzulenken.

    Lichte Altbestände sind eine Möglichkeit die Habitatqualität zu steigern.