Wie man die Waldbrandgefahr beurteilt

Waldbrand

Bereits Ende Februar sind die ersten Waldbrände ausgebrochen. Lesen Sie hier, wie Sie das Waldbrandrisiko in ihrem Wald anhand einiger Parameter beurteilen können.

Für den Waldbesitzer stellt sich die Frage, ob und wie sehr sein Waldbesitz von Waldbränden gefährdet ist. Generell kann bei extremen Wetterverhältnissen selbst in Auwäldern eine Waldbrandgefahr nicht ausgeschlossen werden. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit relativ gering, und es müssten besondere Umstände vorhanden sein. Aus der Erfahrung der bisherigen Waldbrände in Mitteleuropa hat die Forschung einige Parameter herausgearbeitet, mit deren Hilfe sich das Waldbrandrisiko sehr gut abschätzen lässt. Gleichzeitig ergibt sich daraus auch die Notwendigkeit, Maßnahmen zu ergreifen, um das Waldbrandrisiko zu senken. Die wichtigsten Parameter des Waldbrandrisikos sind:

  • die Region,
  • die Jahreszeit,
  • der Bestandszustand,
  • die Bodenvegetation und
  • die aktuelle Witterung.

Region: Innerhalb Mitteleuropas gibt es einige Hotspots, in denen es besonders häufig brennt bzw. in denen die schwersten Waldbrände bisher verzeichnet wurden. Liegt der Waldbesitz in einer solchen Region (siehe Karte), dann ist das Waldbrandrisiko dementsprechend höher als in Regionen, in denen es bisher kaum brannte.

Waldbrandgefahr in verschiedenen mitteleuropäischen Regionen.

Jahreszeit: Es gibt Monate, in denen es besonders häufig brennt. Der Grund hierfür liegt in der Lufttemperatur, im Niederschlag, in der Luftfeuchtigkeit und der Bodenfeuchte. Am häufigsten brennt es – etwas überraschend – zwischen März und Mai, danach folgt Juli und August. Am geringsten ist die Waldbrandgefahr zwischen November bis Februar.

Bestockungszustand: Nadelholz brennt leichter und schneller als Laubholz, Monokulturen besser als Mischbestände, dicht bestockte Bestände stärker als aufgelichtete. Diese Bestandseigenschaften beeinflussen das Waldbrandrisiko. Das gibt dem Waldbesitzer aber auch die Möglichkeit, aktiv durch einen gezielten Waldbau das Waldbrandrisiko zu vermindern, etwa durch den Anbau brandresistenter Baumarten, die Förderung von Laubholz oder durch regelmäßige Durchforstungen.

Bodenvegetation: Große, grüne Blätter brennen äußerst schlecht, ebenso dicke Moosauflagen, die viel Wasser enthalten. Ganz anders stellt sich die Situation dar bei dürrem Gras und trockenem Reisig, die ein exzellentes Substrat für Waldbrände bieten. Dasselbe gilt für dürren Farn, Heidekraut, Preisel- und Heidelbeere.

Aktuelle Witterung: Einen ganz wichtigen Beitrag zum Waldbrandrisiko liefert die aktuelle Witterung. Lange Dürreperioden mit hohen Lufttemperaturen und trockenen Winden lassen selbst in Wäldern, die sonst kaum von Waldbränden gefährdet sind, das Risiko stark ansteigen. Wie der Sommer 2018 gezeigt hat, ist es mittlerweile in ganz Mitteleuropa möglich, dass Dürreperioden entstehen.

Aus den bekannten Parametern lässt sich nun ein Index errechnen, der Auskunft über das Risiko eines Waldbrandes gibt.

Parameter Punkte
Region hellgrüne Zone 1
gelbe Zone 2
graubraune Zone 3
rote Zone 4
Jahreszeit November bis Februar 1
September/Oktober 2
Mai/Juni 3
Juli/August 4
März/Mai 5
Bestockungszustand dichtstehende Nadelholzkultur bis 40 Jahre, ohne Mischung und mit Durchforstungsrückstand 5
Nadelholzbestände über 40 Jahre, trockenes Material vorhanden, Dichtstand 4
mittelalte Nadelholzbestände, Laubholzanteil bis 20 % 3
Mischwälder mit Nadelholz bis 30 % 2
Laubwälder 1
Bodenvegetation dürres Gras, trockener Reisig 5
dürrer Farn, Heide, Heidelbeere 4
Aktuelle Witterung Niederschlag seit mehr als 30 Tagen ausbleibend 5
Luftfeuchtigkeit unter 50 % 5
Lufttemperaturen über 30 Grad und länger als eine Woche andauernd 5
trockener Wind 5

 

Waldbrände beginnen fast immer als Bodenfeuer weshalb der Zustand der Bodenvegetation entscheidend ist für das Waldbrandrisiko.

Bei der aktuellen Witterung kann jeder Parameter zählen, da die einzelnen Parameter unabhängig voneinander sind, mit ihrem Aufkommen aber das Waldbrandrisiko stark steigern. So bedingt eine Luftfeuchtigkeit unter 50 % nicht auch trockene Winde. Ist die Luftfeuchtigkeit aber sehr gering und kommen noch trockene Winde hinzu, so steigt die Waldbrandgefahr dementsprechend stark an.

Zählt man die einzelnen Werte zusammen, so kommt man auf Summen zwischen 3, das wäre ein Laubholz in einer Region mit geringem Waldbrandrisiko zwischen November und Februar, und der Höchstsumme von 39, was einem jungen Nadelwald in einem waldbrandgefährdetem Gebiet entspräche, der dürres Gras in der Bodenschicht aufweist und in dem die aktuelle Witterung äußerst ungünstig ist (kein Niederschlag, geringe Luftfeuchtigkeit, heiß mit trockenen Winden).

Daraus lassen sich vier Klassen der aktuellen Waldbrandgefahr für jeden Bestand berechnen:

Summe Klassse Gefährdungsgrad
3 bis 11 1 keine aktuelle Gefährdung, keine Maßnahmen notwendig
12 bis 20 2 geringe Gefährdung, waldbauliche Maßnahmen notwendig
21 bis 30 3 hohe Gefährdung, technische Maßnahmen notwendig
31 bis 39 4 höchste Gefahrenstufe, während der Waldbrandsaison ständiges Monitoring nötig

 

Klasse 1: Wälder der Klasse 1 sind Laubholzbestände, in denen es äußerst ungünstiger Witterungsbedingungen bedarf, damit ein erhöhtes Waldbrandrisiko entsteht. Es sind keine Maßnahmen nötig.

Klasse 2: Bei ungünstiger Witterung kann das Waldbrandrisiko stark ansteigen, weshalb durch waldbauliche Maßnahmen wie Förderung des Laubholzes und Durchforstungen das Risiko minimiert werden soll.

Klasse 3: Auch ohne ungünstige Witterung sind diese Wälder aufgrund ihrer Bestockung und ihrer Lage stark gefährdet, weshalb auch technische Maßnahmen wie die Anlage von Löschteichen notwendig sind, um nicht nur das Waldbrandrisiko zu minimieren, sondern Waldbrände einzudämmen.

Klasse 4: Diese Wälder sind derart vom Waldbrand gefährdet, dass jeden Sommer ein ständiges Monitoring durchgeführt werden muss und der Waldbesitzer alle Vorbereitungen (barrierefreie Forststraßen, Löschteiche, Waldbrandversicherung) treffen muss, um sich auf die Bekämpfung eines Waldbrandes vorzubereiten.

Kontrollierte Bodenfeuer wie hier vom U.S. Forest Service durchgeführt entfernen nicht nur die Bodenvegetation sondern mindern auch das Waldbrandrisiko.