Herausforderung Dürre

2020 gab es bisher in manchen Regionen ein Niederschlagsdefizit von bis zu 80 %. Wie man auf die Dürre reagieren kann, lesen Sie hier.

Ein durchschnittlicher Jahresniederschlag von über 500 mm ist in Mitteleuropa Voraussetzung, damit geschlossene Wälder wachsen können. In gebirgigen Lagen hängt die Waldgrenze unter anderem vom Trockenstress in der langen winterlichen Vegetationsruhe, insbesondere aber von der Frosttrocknis ab. Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Teile Niedersachsens und Sachsens zeichnen sich durch besonders niedrige Niederschlagswerte aus. In Österreich sind Trockenperioden vor allem in tieferen Lagen ein Problem. Durch den kontinentalen Klimaeinfluss waren Standorte im Burgenland und Weinviertel schon in der Vergangenheit häufig von Trockenperioden betroffen. Im Hinblick auf den fortschreitenden Klimawandel könnte sich die Situation in einigen Waldgebieten verschärfen.

Waldgebiete, die bisher schon unter Trockenheit litten, werden in Zukunft keine geschlossenen Bestände mehr hervorbringen sondern eine untere Waldgrenze bilden.

Grundsätzlich wird zwischen akutem und chronischem Wassermangel unterschieden. Akuter Wassermangel tritt in Mitteleuropa regelmäßig im Frühjahr auf. Dies gefährdet vor allem die Verjüngung und gilt als Auslöser für komplexe Waldkrankheiten wie das Tannen- und Eichensterben. Chronischer Wassermangel wird als Standort- oder Bodeneigenschaft betrachtet oder ist topographiebedingt. Besonders gefährdet sind Gebiete im Flach- und Hügelland mit Sand- und Kiesböden. Aber auch exponierte Standorte im Hochland mit oft flachgründigen Böden sind durch Wassermangel geprägt. Als Folge des Wassermangels und der Schwächung der Bäume treten häufig Insektenkalamitäten auf, die nicht selten als Primärschaden fehlinterpretiert werden. Grundwasserabsenkungen, Gewässerregulierung oder Trinkwasserentnahme können ebenfalls die Verursacher chronischen Wassermangels sein.

Die Wasserverfügbarkeit ist einer der an den stärksten limitierenden Faktoren, die sich direkt auf die Vitalität und das Wachstum von Pflanzen auswirken. Wassermangel kann die Stoffwechselprozesse von Pflanzen stören. Es treten teils irreversible Vitalitätsschäden auf und im äußersten Fall führt langanhaltende Trockenheit zum Absterben.

Bei Trockenheit wird zunächst die Assimilation eingeschränkt, hält sie länger an, treten je nach Baumart unterschiedliche akute Stressreaktionen auf. So können Blätter (Aspe) oder ganze Zweige (Eiche) grün abgeworfen, oder verfrühte herbstliche Laubfärbung und Laubfall (Birke, Linde) eingeleitet werden. Dies sind Anpassungsreaktionen der Baumarten, um den Wasserverlust zu begrenzen. Als Folgeerscheinungen der verminderten Stoffproduktion werden der Zuwachs und die Fruchtbildung vermindert. Es können Wipfel oder ganze Bäume absterben. Im Zuge abnehmender Vitalität unterliegen Bäume und Bestand erhöhtem Risiko von Insektenbefall und Frostschäden. Trockenheit fördert die Vermehrung und Aggressivität von Schadinsekten in den geschwächten Beständen, während Krankheiten, die durch Feuchte begünstigt werden wie die Kiefernschütte oder Pilzkrankheiten, eher unterbunden werden. Verjüngungen sind stärker und früher von Welkeerscheinungen betroffen als ältere Bestände und großkronige Bäume mit tiefreichendem Wurzelwerk.

Der Abwurf von Blättern oder ganzen Ästen ist eine Anpassungsmaßnahme an akutem Wassermangel.

Waldbauliche Anpassungen an die Dürre

Waldbesitzer und Forstleute müssen diese Veränderungen akzeptieren und das Waldmanagement darauf anpassen. Dazu gehört auch die Akzeptanz, das in jetzt schon von Trockenheit gefährdete Gebiete in Zukunft keine geschlossenen Wälder mehr auftreten werden sondern es zu einer unteren Kampfzone des Waldes kommt, ähnlich der lückigen Baumvegetation im Hochgebirge, allerdings mit gänzlich anderen Baumarten (Flaumeiche, Mehlbeere, Birke, Waldkiefer).

Das zukünftige Waldmanagement muss fünf Grundsätze beachten:

– Erhöhung der Baumartenvielfalt mit zukunftsfähigen Arten, weil Mischbestände störungs-­ und stress­resistenter sind, sich nach Störungen rascher erholen und gegen unge­wisse zukünftige Bedingungen besser abgesichert sind als Reinbestände.

– Erhöhung der Strukturvielfalt, weil reich strukturierte Wälder, seien sie im Femelschlag­ oder im Dauerwald­betrieb bewirtschaftet, weniger stö­rungsanfällig sind und sich dank vorhandener Vorverjüngung rascher von Störungen erholen.

– Erhöhung der genetischen Viel­falt, weil sie die Anpassungsfähigkeit der jeweiligen Baumart an das sich verändernde Klima fördert.

– Erhöhung der Stabilität der Ein­zelbäume, weil stabile Bäume weni­ger anfällig auf Stürme und Schnee­last sind.

– Walderhalt vor Maximierung der Holzproduktion: Wie schon erwähnt wird in manchen Gebieten der Fokus darauf liegen, den Wald überhaupt zu erhalten, vor allem aus Wohlfahrtsgründen (Schutz vor Naturgefahren wie Hochwasser und Erosion). Daher müssen klimafitte Bäume kultiviert werden, auch wenn diese weniger Holz produzieren als Fichte, Douglasie & Co.

Für trockene bis sehr trockene Böden gelten also folgende Arten als sehr gut geeignet:

Schwarzkiefer, Waldkiefer, Traubeneiche, Spitzahorn, Feldahorn, Winderlinde, Hängebirke, Kirsche

Gut geeignet sind: Lärche, Stieleiche, Bergahorn, Sommerlinde, Schwarznuß, Walnuß

Klimawandel und Dürre müssen nicht das Ende einer produktiven Forstwirtschaft bedeuten, vorrausgesetzt es wird rechtzeitig und konsequent gehandelt.