Die untere Waldgrenze

Durch den Klimawandel wird die untere Waldgrenze an Fläche gewinnen. Doch was genau bedeutet untere Waldgrenze?

Europa ist Waldland. Ohne den menschlichen Einfluss wäre bis auf das Hochgebirge und Moorflächen alles von Wald bedeckt. Wirklich alles? Nicht ganz. Denn auch im eigentlich gemäßigten europäischen Klima gibt es Standorte die kein Waldwachstum zulassen. Diese werden durch die obere und untere Waldgrenze definiert.

Was die obere Waldgrenze ist, ist relativ klar: es ist die Seehöhe an der die Jahrestemperaturen so gering sind, dass kein Waldwachstum mehr möglich ist. Oberhalb der Waldgrenze liegt die Baumgrenze. Die obere Waldgrenze ist nicht einheitlich, sie schwankt etwa zwischen 1.700 und 2.400 m in Mitteleuropa, im nördlichen Skandinavien liegt sie sogar bei nur 500 m.

Doch was hat es mit der unteren Waldgrenze auf sich? Die untere Waldgrenze wird nicht in Höhenmeter gemessen, sondern im Jahresniederschlag. Etwa bei 450 mm Jahresniederschlag liegt der kritische Bereich der noch das Wachstum von geschlossenen Wäldern zulässt. Bei weniger Niederschlag bilden sich Waldsteppen, mit zunehmender Trockenheit kommt es zu Steppenlandschaften in denen Gräser dominieren und nur noch vereinzelt Sträucher wachsen.

An der unteren Waldgrenze wachsen Vertreter der Eichen– und Kiefernwälder, allen voran ist es die Flaumeiche, die hier zur Dominanz kommt. Aber auch Mehlbeere, Schwarzkiefer, Feldahorn und Speierling sind hier beheimatet, sowie Birke und Eberesche. Von den forstlichen Hauptbaumarten kommen nur Waldkiefer und Stieleiche in Frage, allerdings ist deren Vitalität stark beeinträchtigt wodurch sie sehr anfällig für Schadinsekten und Pilzinfektionen sind.

 

Jahresniederschlag in Mitteleuropa.

Die niederschlagärmsten Regionen in Mitteleuropa sind Ostösterreich, das nördliche Tschechien, Sachsen-Anhalt und Brandenburg sowie große Teile Ungarns. In diesen Gebieten muss aufgrund des Klimawandels damit gerechnet werden, dass sich die untere Waldgrenze ausbreite und vereinzelt gar kein Waldwachstum mehr möglich ist. Nichtsdestotrotz wird es gerade in solchen Gebieten notwendig sein den Wald zu erhalten um Folgewirkungen wie Bodenerosion zu vermeiden, wobei diese Wälder dann zu reinen Schutzwäldern werden.

Die Flaumeiche ist die Baumart der unteren Waldgrenze.