Trockenheit im Wald

Dürre

Wie gehen die Bäume damit um und welche Maßnahmen kann man als Waldbesitzer ergreifen? Durchschnittliche Jahresniederschläge von über 500 mm sind in Mitteleuropa Voraussetzung, damit geschlossene Wälder wachsen können, die untere Waldgrenze liegt bei etwas über 400 mm Niederschlag.

Als prägende Baumart dieser Grenzregion gilt die Flaumeiche. In gebirgigen Lagen hängt die Waldgrenze unter anderem vom Trockenstress in der langen winterlichen Vegetationsruhe, insbesondere aber von der Frosttrocknis ab.

Kiefer
Der Abwurf von Nadeln ist eine Anpassung an den Trockenstreß, es bedeutet aber nicht das der Baum deshalb abstirbt.

Chronisch oder akut trocken?

Grundsätzlich wird zwischen akutem und chronischem Wassermangel unterschieden. Akuter Wassermangel tritt in Mitteleuropa regelmäßig im Frühjahr auf. Dies gefährdet vor allem die Verjüngung und gilt als Auslöser für komplexe Waldkrankheiten wie das Tannen- und Eichensterben. Deshalb wird es zunehmend wichtiger sein unter Schirm zu verjüngen, indem man entweder auf Kahlschläge verzichtet. Oder für den Fall das ein Kahlschlag unausweichlich ist, etwa nach einer Kalamität, zuerst ein Vorwald bestehend aus Birke, Eberesche und Salweide belassen wird, um unter dessen Schirm die Zielbaumarten einzubringen.

Der chronische Wassermangel wird als Standort- oder Bodeneigenschaft betrachtet oder ist topographiebedingt. Besonders gefährdet sind Gebiete im Flach- und Hügelland mit Sand- und Kiesböden. Aber auch exponierte Standorte im Hochland mit oft flachgründigen Böden sind durch Wassermangel geprägt. Als Folge des Wassermangels und der Schwächung der Bäume treten häufig Insektenkalamitäten auf, die nicht selten als Primärschaden fehlinterpretiert werden. Grundwasserabsenkungen, Gewässerregulierung oder Trinkwasserentnahme können ebenfalls die Verursacher chronischen Wassermangels sein.

Vom vorzeitigen Blattabwurf zum Pflanzentod

Wassermangel wirkt sich direkt auf die Vegetation aus. Dabei verstärken zwei Prozesse den Trockenstress: Austrocknender Boden verliert seine Benetzbarkeit und sommerliche Starkregen fließen zu höheren Anteilen oberflächlich ab. Zudem muss die Pflanze bei Trockenheit, Wasser zur Kühlung der Blätter abgeben.

Bei Trockenheit wird zunächst die Assimilation eingeschränkt. Dauert die Trockenheit für längere Zeit an, treten je nach Baumart unterschiedliche akute Stressreaktionen auf. So können Blätter (Aspe) oder ganze Zweige (Eiche) grün abgeworfen werden oder verfrühte herbstliche Laubfärbung und Laubfall (Birke, Linde) eingeleitet werden. Dies sind Anpassungsreaktionen der Baumarten, um den Wasserverlust zu begrenzen. Als Folgeerscheinungen der verminderten Stoffproduktion werden der Zuwachs und die Fruchtbildung vermindert, können Wipfel oder ganze Bäume absterben. Trockenheit fördert die Vermehrung und Aggressivität von Schadinsekten in den geschwächten Beständen. Verjüngungen, also Bäume die sich erst am Standort etablieren müssen, sind stärker und früher von Welkeerscheinungen betroffen als ältere Bestände und großkronige Bäume mit tiefreichendem Wurzelwerk.