Tipps für die Aufforstung

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Aufforsten ist mehr, als nur Bäume pflanzen: Verjüngungshemmnisse erkennen und beseitigen, den Standort richtig ansprechen und die Wahl der richtigen Baumarten sind wesentliche Teile der künstlichen Verjüngung.

Immer wieder findet man im bäuerlichen Wald kleinflächige Aufforstungen, die nur aus einigen, wenigen Bäumen besteht. Was an sich gut gemeint ist, stellt sich aber in vielen Fällen als reine Fleißaufgabe dar. Oft sind die Bestände in einem Alter, in dem es noch nicht notwendig ist, die Verjüngung einzuleiten. Bei Aufforstungen mit Laubholz ist in manchen Fällen die Zahl der gepflanzten Bäume so klein, dass kaum die Chance besteht, dass sich ein Bestand mit guter Holzqualität entwickelt. Und manche Waldbesitzer schützen ihre Aufforstung vorbildlich vor Verbiss, obwohl aber gar keine Gefahr vor dem Wild besteht. Aufforstungen sind körperlich anstrengend, sie kosten Zeit und Geld. Daher sollten sie nur dann durchgeführt werden, wenn Sie absolut notwendig sind.

Alt oder nur erntereif?

Die Aufforstung ist eine Verjüngungsmaßnahme. Ihr Zweck liegt darin, eine neue Baumgeneration anzusiedeln. Bestände, die über 100 Jahre sind, werden speziell beim Nadelholz als überaltert bezeichnet. Dabei können Fichten und Tannen weit über 300 Jahre alt werden.  Die meisten Nadelholzbestände verlieren um das Alter 100 herum ihre Wuchskraft und der Holzzuwachs nimmt ab. Der Bestand ist erntereif. Es spricht auch nichts dagegen, Bestände in diesem Alter zu ernten. Es besteht aber keine Gefahr eines flächigen Bestandeszusammenbruchs und daher auch keine unbedingte Notwendigkeit einer Aufforstung. Man hat also als Waldbesitzer auch bei über 100jährigen Beständen noch ein paar Jahre Zeit, sowohl was die Endnutzung als auch die Verjüngungsmaßnahmen angeht. Ausnahme sind instabile Bestände, mit kurzen und schlecht entwickelten Kronen, in denen die Gefahr eines Windwurfs groß ist. Ebenso trifft das auf Fichtenmonokulturen zu, die auf aufgeforsteten Äckern entstanden. Hier besteht die Gefahr der Rotfäule, weshalb der Bestand möglichst früh (Alter 80) geerntet werden soll.

Bestände übr 100 Jahre sind nicht zwangsläufig zu ernten, da das Maximalalter der meisten heimischen Baumarten bei 300 Jahren und mehr liegt.

Braucht es die Verjüngung?

Neben dem Alter des aktuellen Bestandes, sind noch andere Bestandeseigenschaften entscheidend, ob die Verjüngung sinnvoll ist:

Beschirmung unter 40 %: Der aktuelle Bestand verfügt über eine zu geringe Anzahl an Bäumen. Es ist daher notwendig, eine neue Baumgeneration anzusiedeln. Ursache ist in solchen Fällen meist ein Schadereignis, dem ein großer Teil der Bäume zum Opfer gefallen sind. In solchen lückigen Beständen ist möglichst bald aufzuforsten, da die Gefahr einer Vergrasung droht.

Bestandesumbau notwendig (falsche Baumart): Eine unerwünschte Baumart dominiert den Bestand und verschlechtert die Standortsbedingungen so sehr, das ein Baumartenwechsel notwendig ist. Die neue Zielbaumart wird aufgeforstet.

Keine wüchsige Unterschicht vorhanden: In lockeren Beständen, wo ausreichend Licht auf den Boden kommt, wächst eine zweite Schicht an Bäumen heran (Schirmschlagverfahren). Vor allem schattentolerante Baumarten wie Buche oder Tanne wachsen gut unter Schirm heran. Aus verschiedenen Gründen kann aber diese Schicht fehlen, etwa weil der Bestand zu dicht ist und zu wenig Licht auf den Boden dringt oder Verjüngungshemmnisse (Verbiss) vorliegen.

Die Naturverjüngung ist nicht vorhanden: Das Fehlen von Naturverjüngung kann verschiedenste Gründe haben: so können die umliegenden Bäume etwa zu jung sein, um Samen auszubilden. Auch können die Samen von Tieren wie Mäusen oder Wildscheinen vertilgt worden sein, so dass sich eine Naturverjüngung nicht etablieren konnte. Der häufigste Grund ist aber ein dichtes Kronendach, durch das zu wenig Licht auf den Boden fällt und selbst schattertragende Baumarten nicht heranwachsen können.

Standort und Baumartenwahl

Bevor man pflanzt, sollte man sich die Fläche, auf der die Verjüngung etabliert werden soll, noch genau anschauen. Vorab ist aber auf der Verjüngungsfläche zu überprüfen, inwiefern mögliche Verjüngungshemmnisse vorhanden sind. Auskunft darüber geben der Bodenzustand, der Humus und die aktuelle Bodenvegetation.

Der Erfolg einer Aufforstung hängt zum großen Teil von der richtigen Baumartenwahl ab. Welche Baumart die richtige ist, hängt vor allem vom vorhandenen Standort ab. In Mitteleuropa kommen samt einiger Exoten etwa 40 Baumarten in Frage. Neben der Baumart ist auch zu entscheiden, ob man einen Reinbestand oder einen Mischbestand begründen will. Mischbestände haben den Vorteil, dass sie widerstandsfähiger sind.

Sorgfalt beim Pflanzen

Forstpflanzen sind wie rohe Eier zu behandeln. Die jungen Bäume sind äußerst empfindlich, die größte Gefahr besteht vor allem darin, dass die Wurzeln austrocknen. Der beste Zeitpunkt für Aufforstungen sind Frühjahr und Herbst. Von März bis Mai können alle Baumarten gepflanzt werden. Anfang August bis Ende September eignen sich für Nadelbäume, zwischen Oktober bis Mitte November können Laubbäume sowie die Lärche gepflanzt werden. Entscheidend ist die tatsächliche Witterung an den Pflanztagen: am günstigsten sind bedeckte und windstille Tage, da so ein rasches Austrocknen der empfindlichen Wurzeln verhindert wird. Der Weg zwischen Transportfahrzeug und Aufforstungsfläche sollte möglichst kurzgehalten werden: Die Wurzelhaare bei wurzelnackten Pflanzen sterben bereits innerhalb weniger Minuten ab. Während des gesamten Transports sollen sich  die Pflanzen in geeigneten Behältern befinden, die Moos oder feuchtes Sägemehl enthalten, um die Austrocknung zu vermeiden. Erst unmittelbar vor dem Einsetzen in den Boden dürfen die Bäumchen entnommen werden. Es wird dringend empfohlen vor der Pflanzung einen Lehrgang bei einer Baumschule oder einer forstlichen Ausbildungsstätte zu besuchen bzw. bei einem Fachmann (Forstfacharbeiter) Ratschläge einzuholen. Den größten Ausfall bei Pflanzungen verursacht auch bei Forstbetrieben immer noch die falsche Pflanztechnik. Wenn man sich dazu entschließt, selbst zu pflanzen, sollte man sich mit dem Thema ausgiebig auseinandersetzen, da sonst die Gefahr droht, dass aus der geplanten künstlichen Verjüngung nur ein teures Fitnessprogramm im Wald wird.

Das Pflanzloch muss an den Wurzelballen angepasst werden und nicht umgekehrt.

Neuer Trend: Herbstpflanzung

Immer mehr Waldbesitzer und Forstbetriebe verlegen ihre Aufforstung in den Herbst. Es gibt mehrere Gründe, warum viele Pflanzen besser zwischen September und November eingepflanzt werden sollen, als im Frühling. Ein wichtiger Grund ist natürlich das Klima: die Temperaturen sind noch mild, der Boden noch warm, aber es ist feucht genug. So hat das Wurzelwerk genau die richtige Umgebung, um fest anzuwachsen und ausreichend Zeit, um Stärke für den Winter zu entwickeln. Außerdem ist die Gefahr für Nachtfrost, Trockenheit oder auch plötzlichen Temperaturanstieg nicht so unberechenbar wie im Frühling. Ein zweiter Grund liegt in der Physiologie der Pflanze. Im Herbst treten die Pflanzenteile über der Erde in eine Ruhephase ein. Sie speichern Nährstoffe auf den Blättern und werfen diese dann ab. Im Gegensatz dazu wird der Wurzelwachstum aktiver, insbesondere werden die lebensnotwendigen Feinwurzeln ausgebildet. Im Frühling ist dieses Wachstum für eine Pflanze sehr stressig, denn sie muss auch noch alle anderen Pflanzenteile bilden. Durch die Herbstpflanzung hat die Pflanze aber einen Entwicklungsvorsprung. Nicht nur, dass sie den Winter überlebt – sie hat im Frühling viel mehr Energie zur Blüten- und Blätterbildung. Nadelhölzer, vor allem die flach wurzelnde Fichte, aber auch Douglasie und alle Kieferarten müssen spätestens Ende September gepflanzt sein, damit sie noch genügend anwurzeln können. Auch die tief wurzelnden Tannenarten zeigen zu diesem Zeitpunkt die besten Anwuchsraten. Da Sproß- und Wurzelwachstum abwechselnd stattfinden, folgt bei vorhandener Feuchtigkeit und ausreichender Bodenwärme noch eine Phase intensiver Wurzelbildung. Bei den gesamten Laubhölzern und der Lärche findet die Verholzung des Höhentriebes erst im Oktober statt. Erst ab diesem Zeitpunkt sind ein Transport und eine Verpflanzung möglich. Auf den vollständigen Laubabfall zu warten ist nicht notwendig. Entscheidend ist, ob der Leittrieb und die Endknospen ausgereift und stabil sind.

Wurzeln
Vor dem Pflanzen müssen die Wurzeln in feuchter Erde oder Sägespänen vor dem Austrocknen geschützt werden.

Alternative Teilflächenpflanzung

In modernen waldbaulichen Konzepten, wie der QD-Methode, wird auch nicht mehr die gesamte Verjüngungsfläche bepflanzt, sondern nur noch ein Teil der Fläche, in sogenannten Verjüngungsnestern. Ein Verjüngungsnest hat einen Durchmesser zwischen 5 und 7 m. Der nächste Verjüngungsnest ist mindestens 12 m entfernt. Die Pflanzzahlen im Verjüngungsnest liegt bei Schattbaumarten bei 40 Stück. Wird ein Mischbestand aus Licht- und Schattbaumarten begründet, dann befinden sich im Inneren 20 Lichtbäume und außen 10 Schattbäume. Zwischen den Verjüngungsnest lässt man die Naturverjüngung geschehen. Vor allem für den Kleinwald ist die Kombination aus Pflanzung und Naturverjüngung äußerst praktikabel, da einerseits durch die Verjüngungsnest die gewünschten Zielbaumarten in den Bestand eingebracht werden, gleichzeitig aber das Potential der Naturverjüngung genutzt wird.

Teilflächenpflanzung.
Anordnung einer Teilflächenpflanzung.

Wald & Wild

Um die Verbissgefahr einschätzen zu können, hilft ein Gespräch mit den zuständigen Jägern, die normalerweise sehr gut über die lokale Population an Reh und Hirsch Bescheid wissen. Im Idealfall kommt man mit dem zuständigen Jäger überein, dass auf der Aufforstungsfläche jedes Stück Wild ausnahmslos erlegt wird. Das Wild lernt rasch solche Zonen zu meiden. Auch ein Rundgang durch den Bestand, bei dem die Naturverjüngung auf Verbiss geprüft wird sowie Aufforstungen in der Nachbarschaft können über die Wildsituation Aufschluss geben.  Schutzmaßnahmen wie Wuchshüllen, Schutzkappen oder Zäune sind jedenfalls nur dann anzuwenden, wenn auch tatsächlich der Wildschaden den Erfolg der Aufforstung gefährdet. Ob Einzelschutz oder Zaun hängt von der Baumart ab: Laubholzaufforstungen, die aus vielen Pflanzen bestehen sind  mit einer Umzäunung mit weniger Arbeitsaufwand zu schützen. Findet man Verbissspuren, so ist abzuklären ob die von Schalenwild (Reh und Rothirsch) oder von Nagern verursacht werden.

Ein konsequenter Abschuss vom Wild auf Aufforstungsflächen führt dazu, dass Schalenwild lernt diese Flächen zu meiden.

Fazit

Aufforsten ja, aber nur dann wenn es auch einen Grund dafür gibt. Im Zuge eines Aufforstungsprojekts soll überprüft werden, ob eventuelle Verjüngungshemmnisse vorhanden sind, der Standort grob angesprochen, mit Sorgfalt gepflanzt und die Verjüngung vor Wildschäden geschützt werden, sofern diese eine Rolle spielen.