Schnee: Fluch und Segen für die Verjüngung

Schneedruck, Lawinen, Schneegleiten oder Schneekriechen: Der Winter belastet junge Bäume an der oberen Waldgrenze auf vielfältige Art und Weise.

Schnee kann die Verjüngung vor Frost schützten, er kann aber dazu führen, das Jungpflanzen absterben und zwar durch Schneedruck und Schneeschub. Beim Schneedruck werden die Pflanzen von der Schneelast niedergedrückt, wodurch es zu einer Beeinträchtigung des weiteren Wachstums kommt. Beim Schneeschub wiederum werden die Pflanzen mitsamt den Wurzeln aus dem Erdreich gedrückt. Betroffen sind davon alle Nadelbäume sowie Erle, Birke, Linde, Eiche und Buche. Vor allem in Hochlagen, wo viel Schnee fällt und die steilen Lagen die Schubwirkung noch verstärken sind die Auswirkungen des Schneeschubs bei Lärchen erkennbar, und zwar am typischen Säbelwuchs. Säbelwuchs kann aber auch ein Anzeichen sein für Bodenerosion und Wind.

Solange die Bäume klein sind und durch die Schneelast flach auf den Boden gepresst werden, stellen Lawinen kein grosses Problem dar. Die Bäume richten sich nach der Ausaperung wieder auf. Schneebewegungen können die Bäume erst ernsthaft verletzen, wenn die Stämme dicker und damit weniger flexibel geworden sind. Diese werden dann angebrochen oder in der Längsrichtung gespalten.

Solche Verletzungen sind für die Bäume meist nicht unmittelbar tödlich. Sie können wieder vollständig ausheilen, sofern nicht kurz danach die nächste Lawine niedergeht.  Bei häufigen Lawinenniedergängen verheilen die Verletzungen nur unvollständig, was die Stabilität der Bäume beeinträchtigt.

Schneebruch
Schneebruch kann bei Jungpflanzen zu einer verminderten Vitalittät führen, da Äste abbrechen und verdorren. Außerdem sind solche Stellen Eintrittspforten für Pathogene.

Schneekriechen und Schneegleiten

Die Wuchsform der Bäume wird vor allem durch die langsamen Schneebewegungen beeinflusst. Schon die normale Setzung der Schneedecke nach Schneefällen bewirkt an Steilhängen eine talwärts gerichtete Bewegung (Schneekriechen), welche die Stämme zu Boden drückt. Oft können sich grössere Bäume (3 bis 5 Meter Höhe) während der Vegetationsperiode nicht mehr ganz aufrichten und bleiben somit talwärts geneigt. Vor allem an südlich exponierten, steilen Hängen rutscht die ganze Schneedecke langsam talwärts (Schneegleiten). Dies führt bei Bäumen schon früh zu säbelförmigem Wuchs.

Schneebruch
Schneebruch bei Eiche. Bei extremen Nassschnee kommt es vor allem zum Schneebruch bei vorgeschädigten Bäumen.