Lexikon der Waldbewohner: Der Wisent

Der Anblick eines Wisents flößt Respekt ein: Immerhin wird ein männliches Tier bis zu zwei Meter hoch, 250 bis 350 Zentimeter lang und bis zu 1000 Kilogramm schwer !

Der Wisent (Bison bosanus) ist das größte Landsäugetier Europas. Es wird sogar größer, als sein nächster Verwandter, der Bison.Die Weibchen sind etwa ein Drittel kleiner als die Männchen. Auffällig ist ihre massige Gestalt und der große, tief gesenkte Schädel. Das dicke, zottelige, kastanien- bis dunkelbraune Fell lässt die Tiere noch wuchtiger erscheinen, als sie sowieso schon sind und ist zudem ein hervorragender Schutz gegen grimmige Kälte. Die Wisente gehören zur Familie der Hornträger (Bovidae), sowohl Bullen als auch Kühe haben spitze Hörner, die leicht nach innen gebogen sind. Bei den Bullen werden sie bis zu 51 Zentimeter lang.

Wisents lebten früher in allen Zonen Europas und Asiens mit einem gemäßigten Klima. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts waren sie in freier Wildbahn ausgerottet, weil sie gejagt wurden und gleichzeitig ihr Lebensraum verloren ging. Im Gegensatz zu ihrem nordamerikanischen Verwandten, den Bisons, die in offenen Steppen leben, halten sich Wisente vor allem in lichten Laub- und Mischwäldern auf, in denen es auch feuchte Gebiete gibt. Sie kommen aber auch in der Waldsteppe vor und in weiten Gebirgstälern. Vom Wisent gibt es zwei Unter-Arten: der Flachlandwisent und der Bergwisent aus dem Kaukasus. Wisente werden etwa 20 bis 25, manchmal auch bis zu 30 Jahre alt.

Sehr nah verwandt ist der nordamerikanische Büffel, der auch Bison genannt wird. Er ist zwar etwas kräftiger in der Gestalt, wird aber nicht ganz so hoch wie der Wisent. Bison und Wisent sind so nah miteinander verwandt, dass sie sich sogar kreuzen und Nachkommen haben können. Manche Wissenschaftler halten Bison und Wisent sogar für zwei Unter-Arten ein und derselben Art – nicht für zwei verschiedene Arten.

Ein naher Verwandter des Wisents war der Auerochse, der aber schon Anfang des 17. Jahrhunderts ausgestorben ist. Auch der Wisent war vom Aussterben bedroht: Anfang des 20. Jahrhunderts gab es nur noch 13 Tiere. Diese wurden an der heutigen polnischen-weissrussischen Grenze in einem Reservat gehalten, mit dem Ziel die Art zu erhalten. Das Projekt war erfolgreich und mittlerweile leben zählt die Herde rund 450 Stück. 2013 wurde ein umstrittenes Wiederansiedlungsprojekt im Rothaargebirge in Nordrhein-Westfalen gestartet, die Herde umfasst mittlerweile mehr als 20 Tiere. Weiter Aussiedlungsprojekte gab es in der Slowakei und in Rumänien, Aussiedlungen sind auch geplant in den Niederlanden, Frankreich, Dänemark und der Schweiz.

Im Gegensatz zum amerikanischen Bison ist der Wisent ein echter Waldbewohner.