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Forststraße: Bundesforste entdecken versteckte Lebensräume

Eine neue Studie untersucht erstmals Fauna und Flora entlang von Forststraße. Böschungen und Grünstreifen dienen als Rückzugsort für zahlreiche gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Wie Forsttechnik und Naturschutz kombiniert werden können erläutert eine Praxisbroschüre.

Blauflügelige Ödlandschrecke, Zauneidechse oder Grasfrosch: Sie alle stehen auf der Roten Liste für gefährdete Arten, finden aber gerade dort, wo man es vielleicht am wenigsten vermutet, neuen Lebensraum. Das zeigen die Ergebnisse eines einzigartigen Naturraummanagement-Projekts der Österreichischen Bundesforste (ÖBf), in dem erstmals Fauna und Flora an den Begleitstreifen und Böschungen von bereits länger bestehenden Forststraßen im Wirtschaftswald wissenschaftlich untersucht wurden. Drei Jahre lang waren die Bundesforste-ExpertInnen gemeinsam mit Zoologen, Botanikern und Biostatistikern unterwegs. 172 verschiedene Tierarten, von denen 48 auf der Roten Liste stehen, sowie 70 teils regional gefährdete bzw. geschützte Pflanzenarten wurden dokumentiert.

Die Strukturvielfalt ist ein Grund für den hohen ökologischen Wert von Straßenböschungen. Alle Fotos: ÖKOTEAM/Brunner.

Straßenböschung als Naturparadies für Schmetterlinge und Heuschrecken

Entlang von Forststraßen herrschen häufig Bedingungen, die in bewirtschafteten Wäldern mancherorts bereits selten geworden sind. Die Sonneneinstrahlung und der lichte Bewuchs mit Sträuchern oder Gräsern begünstigt vor allem licht- und wärmeliebende Schmetterlinge und Heuschrecken. Viermal so oft wie im angrenzenden Wald wurden die zehn häufigsten, heimischen Schmetterlingsarten wie der C-Falter gesichtet aber auch gefährdete Exemplare wie der Feurige Perlmuttfalter konnten deutlich öfter nachgewiesen werden. Einige Heuschreckenarten der Roten Liste, zu denen die Blauflügelige Ödlandschrecke die Italienische Schönschrecke und mehrere Arten von Dornschrecken zählen, konnten ausschließlich im Forststraßen-Lebensraum und nicht im umgebenden Wald angetroffen werden.

Forststraße als Hot-Spot für gefährdete Arten

Außerdem sichteten die ForscherInnen die seltene Blauflügel-Prachtlibelle sowie die Gestreifte Quelljungfer, aber auch Kriechtiere wie die Mauer- oder Zauneidechse. Gefährdete Amphibien wie Grasfrosch oder Bergmolch profitieren von den kleinen Pfützen in den Straßengräben und legen dort ihre Eier ab. Selbst Auerhühner können den lichten Strauchbewuchs zur Nahrungssuche nutzen. Von den schützenswerten Pflanzen wachsen zum Beispiel Arnika, verschiedene Bärlapp-Arten, Schwalbenwurz-Enziane oder auch Schneerosen entlang der Wege. Mehr zum Thema finden Sie hier,  den Ratgeber „Aktiv für biologische Vielfalt auf Forststraßen“ können Sie hier runterladen.

Kleine Feuchtbiotope sind für eine Vielzahl von Arten ein ideales Habitat.