Herausforderung Waldumbau

Stangenholz

Der Waldumbau ist die zentrale forstliche Aufgabe in den nächsten Jahrzehnten. Das Ziel ist die Umwandlung von instabilen Monokulturen in klimafitte Mischbestände.

Der Waldbau soll die Waldentwicklung so lenken, dass der Wald die von ihm ge­forderten Leistungen optimal erfüllt. Dabei sind die Bewirtschafter mit er­heblichen Unsicherheiten konfrontiert: Die in Zukunft gefragten Leistungen sind nicht genau bekannt, und die Natur lässt sich nur bedingt steuern. Letzteres zeigt sich beispielsweise daran, dass die sogenannten Zufallsnutzungen, also Holzeinschläge die aufgrund von Insekten- und Wetterschäden durchgeführt werden mussten, in den letzten 10 Jahren massiv zugenommen haben. Durch den Kli­mawandel werden die Unsicherheiten noch verstärkt

Besonders kritisch ist bei der Fichte das nach einem Windwurf der verbleibende Bestand durch Borkenkäfer gefährdet wird und die Schäden dadurch noch zunehmen können.

Im Fokus des Waldumbaus stehen heute insbesondere reine Nadelholzbestände auf Flächen, auf denen sie bereits heute nicht standortgerecht sind oder dies durch den Klimawandel bedingt künftig nicht sein werden. Nicht naturnahe Reinbestände von Kiefer spielen insbesondere in der nordostdeutschen Tiefebene eine herausragende Rolle, während die Fichte im zentralen und südlichen Deutschland und in höheren Lagen angebaut wird. Forstwirtschaftliche und ökologische Probleme mit nicht standortgerechten Fichtenbeständen gibt es insbesondere auf den warm-trockenen Standorten. Aus diesem Grunde sollte sich der Waldumbau mit erster Priorität auch auf diejenigen Standorte konzentrieren, die schon heute als kritisch einzustufen sind und auf denen sich mit Blick auf die Klimaprojektionsergebnisse die Anbauprobleme voraussichtlich noch weiter verschärfen werden.

Das Ziel des Waldumbaus ist es den Fichtenanteil auf eine verträgliche, den standörtlichen Gegebenheiten entsprechenden Höhe zu senken und gleichzeitig die standortstauglichen Baumarten als Ersatzbaumarten zu fördern und zu etablieren. Je jünger der Bestand und desto größer der Fichtenanteil ist, desto größer ist die Herausforderung des Waldumbaus. Eine Fichtenmonokultur im Stangenholzstadium, welche auf einem Eichenstandort gepflanzt wurde, ist wesentlich schwieriger umzubauen, als ein Baumholz eines Fichten-Tannen-Buchenbestandes im Mittelgebirge.

Dem Waldbesitzer muss bewusst sein, dass der Waldumbau Jahrzehnte in Anspruch nehmen kann, bis er erfolgreich umgesetzt wurde. Auf diesem langen Weg von einer Fichtenmonokultur bis zum Mischwald aus standortsnahen Baumarten zählen aber die langfristigen Erfolge.

Der langfristige, gezielte und geplante Waldumbau ist daher die Methode, um den standortsfremden Fichtenbestand unter gleichzeitiger Schonung der Ressourcen des Waldeigentümers, insbesondere was Geld und Arbeitszeit angeht, in einen stabilen, wüchsigen Mischbestand umzuwandeln.

Mischwald
Produktive und standortstaugliche Mischwälder sind das Ziel des Waldumbaus.

Orientiertungshilfe Entscheidungsbaum

Abhängig von der jeweiligen Waldgesellschaft und dem Anteil der Fichte ergeben sich für den Waldbesitzer verschiedene Möglichkeiten den Bestand in einen naturnahen Mischbestand umzubauen.

Als Orientierungshilfe dient hierbei der folgende Entscheidungsbaum. In ihm sind die natürliche Waldgesellschaft, der Fichtenanteil, das Bestandesrisiko sowie Vorschläge für die jeweilige waldbauliche Technik zum Bestandesaufbau enthalten.

 

Waldgesellschaft Bestandesstadium Fichtenanteil Bestandesrisiko Waldbauliche Maßnahme
Eichengesellschaft Kultur, Aufforstung Reinbestand hoch Naturverjüngung + Pflanzung
Dickung hoch Konkurrenzregulierung, Auslesedurchforstung
Stangenholz hoch Auslesedurchforstung
Baumholz hoch Femelschlag
Altholz hoch Femelschlag
Kultur, Aufforstung über 50 % hoch Naturverjüngung
Dickung hoch Konkurrenzregulierung, Auslesedurchforstung
Stangenholz hoch Auslesedurchforstung
Baumholz hoch Femelschlag
Altholz gegeben Femelschlag
Kultur, Aufforstung über 30 % gegeben Naturverjüngung
Dickung gegeben Konkurrenzregulierung, Auslesedurchforstung
Stangenholz gegeben Auslesedurchforstung
Baumholz gegeben Femelschlag
Altholz niedrig Femelschlag

Entscheidungsbaum am Beispiel von Fichtenmonokulturen auf ursprünglichen Eichenbeständen.

 

Eine Buchrezension zum Waldumbau finden Sie hier.