Unimog

Unimog im Forsteinsatz

Seit über 70 Jahren leistet der Unimog wertvolle Dienste. Im Wald ist er aber immer seltener zu finden. Hat der Unimog in der modernen Waldwirtschaft noch einen Platz?

1946 baute die Metallwarenfabrik Erhard & Söhne in Schwäbisch Gmünd  den ersten „Allzweck“-Traktor, wie der Unimog damals noch hieß. Die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion war das Ziel der Konstrukteure: Man wollte ein land- und forstwirtschaftliches Vielzweckgerät entwickeln, das über eine höhere Geschwindigkeit als die damaligen Traktoren und eine gewisse Transportfähigkeit verfügte. Das Ergebnis war der Unimog, wobei die Abkürzung für Universal-Motor-Gerät steht. Zu den Grundlagen für dieses Fahrzeug zählte der Allrandantrieb, die Differentialsperre, Bremsen an Vorder- und Hinterachsen, ein geschlossenes Fahrerdach sowie eine Hilfsladefläche über der Hinterachse. Diese technischen Neuheiten führten zum großen Erfolg des Unimog und auch dazu, dass Mercedes Benz auf das innovative Fahrzeug aufmerksam wurde. 1950 schließlich kaufte der Konzern den Unimog auf, 1951 startete die Produktion. Seitdem wurden über 400.000 Einheiten in 120 Ländern verkauft. Auf Seiten der technischen Weiterentwicklung  hat sich viel getan, was schon an der Motorleistung leicht erkennbar ist: Hatte das erste Modell Boehringer 70200 gerade mal 25 PS, besitzen die modernen Versionen einen Motor mit der 10fachen Leistung.

Ursprünglich für die Landwirtschaft gebaut, verlor der Unimog zusehend an Bedeutung in der Landbewirtschaftung, die Verkaufszahlen sanken. Mercedes reagierte darauf mit der Entwicklung des MB Tracs, der von 1970er Jahren bis 1992 produziert wurde. Auf der Basis von Unimog-Aggregaten wurde der MB-Trac entwickelt, er besaß jedoch eine starre Hinterachse. Der MB-Trac wurde bis 1993 von Mercedes-Benz produziert, von 1993 bis 2005 unter dem Namen WF Trac weiter gebaut und vertrieben.

Von der ursprünglichen Konstruktion bis zum modernen Unimog liegt ein langer Entwicklungsweg.

Überqualifiziert

Aber nicht nur in der Landwirtschaft gingen die Verkaufszahlen zurück, auch im Wald kam der Unimog immer seltener zum Einsatz. Aktuell verwenden weder die Österreichischen Bundesforste noch die Bayerischen Staatsforste den Unimog. Eigentlich könnte man annehmen, dass das Multitalent gerade bei derart großen Waldbesitzern reichlich Einsatzmöglichkeiten finden würde. Ausgerechnet die  größte Stärke des Unimogs wird ihm aber zum Verhängnis. Der Unimog ist ein vielseitig einsetzbares Gerät, das vieles gut kann, aber wenig sehr gut. Er verfügt nicht über die Geländegängigkeit eines Forstschleppers und auch nicht über die Ladekapazität eines Forwarders. Auch die Anschaffungskosten in der Höhe von rund 150.000 Euro schrecken so manchen Forstbetrieb ab. Und ein weiterer Grund spricht gegen die modernen Versionen des Unimogs: für Fahrzeuge mit einer Geschwindigkeit über 50 km/h und einem Gesamtgewicht über 3,5 t braucht der Fahrer einen LKW-Führerschein.

Zukunft im Wald?

Der Unimog verfügt über eine Vielfalt  von Anwendungsmöglichkeiten für den Forsteinsatz. Um diese tatsächlich ausnutzen zu können, braucht es aber eine größere Waldfläche. Für die meisten bäuerlichen Waldbesitzer kommt daher der Unimog kaum in Betracht, auch weil moderne Forsttraktoren dank ihrer Dreipunktaufhängung viele Anwendungsmöglichkeiten ebenfalls abdecken können. Aufgrund der hohen Straßengeschwindigkeit und der Vielseitigkeit kann er aber durchaus für Waldwirtschaftsgemeinschaften und Forstbetriebe interessant sein, vor allem in solchen Fällen, wo der Waldbesitz schlecht arrondiert ist und die Bestände weit auseinander liegen.

Weiterführende Links:

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