Der Traktor als Harvester

Vor allem beim Nadelholz nimmt die Entastung viel Zeit in Anspruch. Mit Harvesteraggregaten läßt sich die Produktivität wesentlich steigern. Den Forsttraktor zum Harvester umzubauen ist aber nicht für jeden Waldbesitzer eine Lösung. Harvester sind der derzeitige Höhepunkt der Forsttechnik. Vor allem in stammzahlreichen Beständen ist ihre Produktivität konkurrenzlos, aber auch angesichts von immer häufigeren Sturmschäden wird der Einsatz von Harvestern in Zukunft zunehmen. Für den bäuerlichen Waldbesitzer ist es aber unrentabel einen Harvester anzuschaffen, da kaum ein Waldbesitzer die Mengen an Holz zusammenbringt, die nötig sind für einen wirtschaftlichen Einsatz. Viele Bauern nutzen daher die Dienste von Lohnunternehmern, aber nicht jeder Forstunternehmer arbeitet so wie es sich der Landwirt wünscht. Das größere Problem liegt aber vor allem darin, dass gerade in Spitzenzeiten, also während der Winterernte und vor allem nach großen Sturmschäden, die lokalen Forstunternehmer rasch ausgebucht sind. Eine Alternative stellen Harvesteraggregate dar, die sich am Forsttraktor anbauen lassen.

Ein Wendesitz sowie eine Rückfahreinrichtung sind unbedingt notwendig bei der vollmechanisierten Holzernte mit dem Traktor. Foto: Lunzer Land und Forsttechnik

Marktsituation

Derzeit sind am Markt zwei Arten von Anbaugeräten erhältlich: Einlegeprozessoren sowie Kräne mit einem Harvesterkopf. Die Stärken der Einlegeprozessoren liegen vor allem im geringen Preis, in der vergleichsweisen einfachen Technik und den geringen Ansprüchen an die Hydraulik des Traktors. Dafür ist die Vorschubgeschwindigkeit gering. Harvesteraggregate hingegen sind wesentlich schneller, ja sie erreichen im Optimalfall sogar die Leistung echter Harvester. Dafür sind die Anschaffungskosten aber wesentlich höher, und auch die Anforderungen an den Forsttraktor sind weitaus größer.

Einlegeprozessoren

Beim Einlegeprozessor wird das Holz mittels Krans in den Prozessor eingelegt und verarbeitet. Die Durchzugsgeschwindigkeiten liegen je nach Prozessor zwischen 0,75 m/sec und 3 m/sec.
Diese Art der Prozessoren ist horizontal und vertikal schwenkbar direkt an der Dreipunktaufnahme, auf einem eigenen Fahrgestell oder auf einem Krananhänger aufgebaut. Das sich die Anschaffung nicht für jeden Waldbauern lohnt, zeigen schon die hohen Einstiegskosten. Selbst die einfachen Modelle sind mit 19.000 Euro veranschlagt, die Spitzenmodelle kommen auf rund 50.000 Euro. Zur effizienten Bedienung benötigen die Prozessoren unbedingt einen Kran, der nochmal etwa 15.000 Euro ausmacht. Außerdem sollte der Forsttraktor wenigstens eine Leistung von 60 kW mit sich bringen. Wird ein Schubprozessor angetrieben, müssen der Motor des Forsttraktors zumindest eine Leistung von 80 kW erbringen können.

Harvesteraggregat

Voraussetzung für einen Schubharvester ist ein Traktor mit einer Leistung zwischen 60 und 80 kW und ein brauchbarer Kran, der Harvesterkopf kommt auf 20.000 Euro. Diese Aggregate haben einen Fälldurchmesser bis zu 25 cm und können Äste bis zu 20 cm abschneiden – ideal also für die Bedürfnisse bei Erstdurchforstungen. Im Idealfall ist das eingebaute Messsystem per Blutooth mit der Steuereinheit verbunden und reicht für die Ölversorgung die Kranhydraulik. Das macht den Anbau an den Rotator einfach und dadurch günstig. Die geringe Vorschubgeschwindigkeit von 0,5 bis 0,75 m/sec muss man bei diesem Preis für die Bequemlichkeit in Kauf nehmen.

Wer es etwas größer will, dem kann geholfen werden: Auch für Durchmesser bis zu 50 cm gibt es Schubharvester. Der Traktor sollte dann aber schon ein Eigengewicht von wenigsten 6 Tonnen mitbringen – und der Landwirt die Bereitschaft wirklich Geld auszugeben. Die Kombination aus Traktor, Kran und Schubharvester verschlingt dann rund 150.000 Euro. Mehr noch als die Kosten stellt sich aber die Frage, ob der Einsatz bei so großen Durchmessern wirklich noch wirtschaftlich ist und nicht doch lieber motormanuell mit der Motorsäge geerntet werden soll. Denn das Stück-Masse-Gesetz besagt ja, dass die motormanuelle Holzernte mit steigendem Erntedurchmesser konkurrenzfähiger wird.

Rollenharvester, die mit einem fix angebauten Kran an einen landwirtschaftlichen Schlepper angebaut sind, kommen einem Harvester schon sehr nahe. Aber nicht nur was die Leistung angeht, sondern auch die Kosten: mit 200.000 bis sogar 300.000 Euro muss kalkuliert werden. Einen Vorteil gegenüber dem klassischen Harvester hat aber diese Maschinenkombination: die rasche Überstellungsmöglichkeit. Während die meisten Harvester auf einen Tieflader angewiesen sind, kann der Traktor sich von Einsatzort zu Einsatzort mit 50 km/h bewegen. Aber auch daran lässt sich erkennen, dass solche Maschinen kaum für den typischen bäuerlichen Waldbesitzer interessant sind, sondern eher eine Gerätschaft für forstliche Lohnunternehmer darstellen. In Kombination mit einem Forstanhänger stellt es aber einen vollwertigen Rückezug dar. Im Gegensatz zum Harvester lässt sich nach einem mehr oder weniger aufwändigen Abbau des Krans der Traktor auch für andere forstliche bzw. agrarische Einsatzgebiete nutzen.

Ein großer Vorteil von Traktoren gegenüber Harvestern ist ihre Mobilität und Höchstgeschwindigkeit was eine wesentliche Zeitersparnis beim Einsatzwechsel bringt.

Was muss der Traktor können

Damit der Einsatz von Prozessor oder Harvester produktiv und effizient abläuft, muss auch der Forsttraktor einige Bedingungen erfüllen. Ohne Wendesitz und Rückfahreinrichtung lässt sich der Kranharvester nicht einsetzen. Von einem Frontanbau des Forstkrans ist eher abzuraten, da die Vorderachsen nur bedingt belastbar sind. Die Arbeitssicherheit gebietet, das sämtliche Fenster in Arbeitsrichtung mit schusssicherem Polycarbonatglas ausgestattet sind. Die Forstkabine sollte auch über eine Panoramaverglasung verfügen, da der Maschinenführer in die Krone sehen können muss. Für eine entsprechende Stabilität der Maschine mit fixem Krananbau ist eine Vorderachsstabilisierung und Balancierung der Achsen mit Felgengewichten und Wasserfüllung Voraussetzung, da diese Profimaschinen mit entsprechender Kranreichweite ohne Kranabstützung auskommen sollten.

Macht die Anschaffung Sinn?

Aufgrund der hohen Anschaffungskosten kann nicht generell zum Kauf geraten werden. Natürlich stellen sowohl Schubprozessoren als auch Harvesteraggregate eine produktive Möglichkeit der Holzernte dar, die Frage ist aber ob die Produktivität auch wirklich genutzt werden kann. Daher gilt noch vor der Anschaffung genau zu kalkulieren, um welchen Betrag sich die Holzerntekosten senken lassen und wie lange es dauern würde, bis sich die Anschaffung rechnet. Liegt der Zeitraum deutlich über 5 Jahren, so ist davon abzuraten. Auch der Bestandesaufbau ist entscheidend: ist die Mehrzahl der Bestände jung und stammzahlreich, so macht die Anschaffung eher Sinn als in alten Beständen mit dicken Stämmen. Interessant sind die Anbaugeräte für Landwirte, die in den Wintermonaten als forstlicher Lohnunternehmer auftreten wollen. Wie bereits erwähnt ist die Kombination aus Traktor, Harvesterkopf und Krananhänger dem klassischen vollmechanisierten Einsatz bestehend aus Harvester und Forwarder im Vorteil, da der Traktor schneller den Einsatzort wechseln kann. Gerade bei einer Kundschaft, die aus anderen bäuerlichen Waldbesitzer besteht, deren Auftragsvolumen gering ist, kann der Einsatz für beide Seiten Sinn machen.