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Kronenlänge und H/D-Wert sind dabei maßgebliche Indikatoren. Lesen Sie hier, wie man diese beiden Werte bestimmt und warum sie so aussagekräftig sind.

Die Krone ist der Wachstumsmotor eines jeden Baumes: Die Blätter und Nadeln betreiben Photosynthese. So wird Zucker gebildet wird, der den Baum ernährt. Bäume sind wie die meisten Pflanzen autotroph, also im Gegensatz zu Tieren in der Lage, selbst Energie zu erzeugen. Ohne Photosynthese würden keine neue Blätter und Wurzeln ausgebildet, keine Samen produziert und auch kein Holzwachstum. Daher ist es wesentlich, das die Krone so groß wie möglich ist: je mehr Blattfläche vorhanden ist, desto mehr Energie kann erzeugt werden. Die Stammform und die Krone zeigen also die Vitalität eines Baumes an.

H/D-Wert

Der h/d-Wert gibt das Verhältnis zwischen Baumhöhe und Durchmesser an. Je größer dieses Verhältnis ist, desto instabiler ist der Baum.

Berechnung h/d-Wert

Bei der Berechnung wird die Höhe durch den Baumdurchmesser dividiert, die Maßeinheit für beide Werte sind cm. Beispiel: Baum mit 30 m Höhe und 34 cm Durchmesser.

h/d-Wert: 3000/34 = 88, der Baum ist gefährdet.

h/d-Werte

< 75 sehr stabil

< 100 instabil

< 130 sehr instabil, beim nächsten Sturm muss mit einem Windwurf gerechnet werden

In Extremfällen ist die genaue Bestimmung des h/d-Wertes nicht notwendig, sondern die Stabilität des Baumes mit freiem Auge beurteilbar. Eine Linde mit 15 m Höhe und einem Durchmesser von über 80 cm wird selbst für forstliche Laien als stabil angesehen werden, ebenso wie eine Kiefer mit 35 m Höhe und einen Durchmesser von knapp 20 cm nur auf den nächsten stärkeren Wind zu warten scheint.

Vergleich von h/d-Werten und ihrer Stabilität.

Krone: Auf die Länge kommt es an

Wie bereits erwähnt ist die Krone verantwortlich für das Baumwachstum. Die Krone ist aber auch gleichzeitig die Angriffsfläche für Wind und Schnee. Dies betrifft vor allem Nadelhölzer, da Laubbäume (und die Lärche) ihre Blätter im Herbst abwerfen. Eine Form der Anpassung die Kronenbreite: Fichten aus schneereichen Lagen wie dem Hochgebirge oder in Skandinavien sind daran erkennbar, das ihre Kronen äußerst schmal sind, um somit die Angriffsfläche für den Schnee zu vermindern. Für eine erfolgreiche Windabwehr trifft aber genau das Gegenteil zu: je länger die Krone ist, desto stabiler ist der Baum. Das hat mit dem Hebelgesetz zu tun. Der Wind drückt auf die Krone wodurch der Stamm wie ein Hebel auf die Wurzeln wirkt. Je länger die Krone ist, desto kürzer wird dieser Hebel und desto geringer werden Stammfuß und Wurzeln belastet.

Die Kronenlänger ist daher der wichtigste Indikator um die Vitalität eines Baumes zu beurteilen. Ideale Kronenlängen betragen im Wirtschaftswald eine halbe Baumlänge. Die Untergrenze liegt bei einem Drittel der Baumlänge. Bäume darunter sollten aus dem Bestand ausgeschieden werden, da sie nicht nur instabil sind, sondern auch nur wenig produktiv. Krone ist aber nicht gleich Krone. Nicht nur die Länge ist bedeutend, sondern auch die Blattdichte und die Kronenbreite. Abgesehen von schneereichen Regionen haben Bäume grundsätzlich die Neigung, sich breit zu machen. Besonders gut ist das bei der Buche, der „plastischen“ Baumart zu beobachten. Einzelne Seitenarme der Buche wachsen Lücken im Kronendach entgegen. Ausschlaggebend ist auch das sogenannte Benadelungsprozent: Das gibt an wie viel der gesamten Kronenfläche wird aus gesunden, grünen Blättern gebildet.

Sowohl der h/d-Wert als auch die Kronenlänge können vom Waldbesitzer maßgeblich beeinflusst werden, und zwar durch frühe und regelmäßige Pflege. Bestände, die mit Bäumen bestockt sind, die kurze Kronen und schlechte h/d-Werte besitzen, sind ein Produkt mangelnder Pflege. Durch pflegliche, laufende Eingriffe von Jugend an wird Zuwachs und Stabilität garantiert.

Vergleich verschiedener Kronenlängen: die Kiefer im Vordergrund hat eine zu kurze Krone und ist anfällig gegenüber Schneebruch und Windwurf, die Tannen im Hintergrund links haben einen Kronenansatz der noch nach oben wandern darf.

Weiterführende Links:

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