Aktuelle Forstschutzsituation: Nicht nur die Fichte ist im Stress

Neben dem Borkenkäfer gibt es eine Reihe von anderen Schädlingen die den Hauptbaumarten zusetzen. Lesen Sie hier was man gegen die bedeutendsten Schädlinge als Waldbesitzer unternehmen kann.

Fichte

Die anhaltend warme und trockene Witterung beschleunigt die Entwicklung der Fichtenborkenkäfer. Ab Anfang/Mitte Juni schwärmen die Jungkäfer der 1. Generation aus und legen die 2. Generation an. Ende Juli/Anfang August wird bereits die 3. Generation angelegt. Die Käfer schöpfen damit ihr Vermehrungspotenzial voll aus. Die Fichten konnten diesem permanenten Befallsdruck nichts entgegensetzen, da sie auf vielen Standorten unter Trockenstresss gerieten. Die Hitze bewirkt außerdem, dass sich die Borkenkäfer zum Befall frühzeitig (mind. ab Mai) in das Bestandesinnere zurückzogen. Das erschwere wesentlich die Bohrmehlsuche und Befallskontrolle. Anfang September finden sich schon erste Jungkäfer der 3. Generation unter der Rinde. Diese fliegen aber nur noch aus, wenn die Rinde abfiel oder bei hoher Besiedlungsdichte. Bis zum Winterbeginn hat sich die 3. Generation vollständig entwickelt. Für die kommenden Jahre ist entsprechend der sehr hohen Populationsdichten von Buchdrucker und Kupferstecher sowie der trockenstressbedingten Vorschädigung der Fichte von einem hohen Schadausmaß auszugehen

Kiefer

Seit 2015 werden auffällige Trockenschäden an einzelnen Kiefern und Kieferngruppen beobachtet. Verursacht werden diese teilweise auch durch Sphaeropsis sapinea, den Erreger des Diplodia-Triebsterbens, das durch abiotische Vor-schädigung (insbesondere Trockenheit, Hitze, Strahlungsschäden, Hagelschlag) gefördert wird. Diese Entwicklung hat sich durch die Witterungsextreme im Sommer 2018 in den Kiefernwäldern fortgesetzt. An den Schäden sind weitere sekundäre Schaderreger wie der Blaue Kiefernprachtkäfer und verschiedene Kiefernborkenkäfer nachrangig beteiligt. Ein weiterer Schadfaktor, die Kiefernmistel, breitet sich ebenfalls immer stärker aus. Die Mistel als Halbschmarotzer entzieht dem besiedelten Baum Wasser und führt bei stärkerem Befall in Trockenperioden zu Wasserstress, Zuwachsverlusten und schließlich zum Absterben, möglicherweise in Kombination mit den anderen, oben erwähnten Schaderregern. Die Nonne befindet sich an Kiefer und Fichten weiterhin auf Latenzniveau. Die Winterbodensuche nach Kiefernspanner, Kieferneule, Kiefernbuschhornblattwespe und Kiefernspinner zeigte keine Anzeichen von überdurchschnittlichen Bestandeszunahmen.

Schadbild des Kieferntriebsterbens.

Tanne

Die Tannenmistel nimmt wie die Kiefernmistel sukzessive zu und hat bereits hohe Dichten erreicht. Die Schäden durch die Tannentrieblaus Dreyfusia spp. sind auch in Tannenverjüngungen im Voralpenland und Bergwald zu spüren. Der Befall wird durch Trockenheit begünstigt. Bei massivem Befall kann es zu einer Folgebesiedlung der geschädigten Rindenbereiche mit Nectria fuckeliana kommen, der als pathogener Schwächepilz Rindennekrosen verursacht

Douglasie

Auffällig ist die Zunahme der Rußigen Douglasienschütte. Dieser führt zu einem raschen Nadelverlust der Douglasie, was eine massive Schwächung der Bäume bedeutet und diese anfällig macht für den Befall durch sekundäre Schadorganismen. Dies zeigte sich auch 2018 in der Zunahme der Schadensmeldungen verursacht durch Kupferstecher und Furchen-flügeligen Fichtenborkenkäfer in jungen Beständen. Im Jahr 2017 wurden erstmalig Douglasienkulturen durch das Diplodia-Triebsterben massiv geschädigt. Eine Ausbreitung dieser Krankheit an Douglasie infolge der Trockenheit ist zu befürchten

Nadelverfärbungen verursacht durch die Douglasienschütte.

Eiche

Der Schwammspinner weist eine Massenvermehrung in vielen Gebieten aus. Auf nicht behandelten Flächen kam es lokal zu Kahlfraß durch den Schwammspinner, wobei neben den Laubhölzern auch Fichte, Kiefer, Lärche und besonders Douglasie betroffen waren. Weitere Vertreter der Eichenfraßgesellschaft wie Eichenwickler, Frostspanner etc. waren kaum am Fraßgeschehen beteiligt. Aufgrund der zunehmenden Trockenheit im Laufe des Sommers 2018 war die Wiederbelaubung der Eiche nach Insektenfraß zum Teil stark eingeschränkt. Es trat jedoch kein nennenswerter Befall an Regenerationstrieben und Johannistrieben durch Eichenmehltau und andere Blattpilze auf. Die Populationsdichten des Eichenprozessionspinners nehmen seit 2017 wieder zu. Die für den Eichenprachtkäfer sehr günstigen Bedingungen führten zu verstärktem Befall im gesamten Gradationsgebiet des Schwammspinners und Eichenprozessionsspinners.

Die Raupe des Schwammspinners.

Lärche

Ein auffällig starker Befall mit der Lärchenminiermotte (Coleophora laricella) und der Lärchenknicklaus (Adelges geniculatus) konnte im Frühjahr 2018 an Lärchen beobachtet werden. In Kombination mit der starken Trockenheit und Hitze traten im Sommer an den so vorgeschädigten Bäumen Schäden durch den Lärchenborkenkäfer auf. Mit einem stärkeren Auftreten des ist in den Folgejahren zu rechnen.

Buche

Sommertrockenheit führte auf flachgründigen Standorten zu einem frühzeitigen Blattfall bei der Buche. In dessen Folge ist mit Sonnenbrandschäden im Kronenbereich und einem zunehmenden Befall durch den wärmeliebenden Buchenprachtkäfer zu rechnen.

Esche

Die Situation der Esche verschlechtert sich seit 2008 (dem erstmaligem Auftreten des Eschentriebsterbens) weiter. Dem Krankheitsverlauf entsprechend sind die stärksten Schäden weiterhin in den Jungbeständen und Stangenhölzern zu verzeichnen. In den Altbeständen der Esche steigt der Anteil absterbender und abgestorbener Bäume sukzessive an. Der Anteil toleranter oder resistenter Individuen wird derzeit auf weniger als 5 % geschätzt. Zunehmend treten an den erkrankten Bäumen sekundäre Schador-ganismen auf, dabei sind insbesondere Wurzelfäulen auffällig. Forstwirtschaftliche und baumpflegerische Maßnahmen zur Sanierung der Schäden werden im Hinblick auf die Arbeitssicherheit zunehmend gefährlicher und aufwendiger. Eine Verbesserung oder Entspannung der Situation in den nächsten Jahren wird nicht erwartet.

Deutsche Bezeichnung Lateinischer Name Befall Bekämpfung
Fichte      
   
Buchdrucker Ips typographus Borke Befallenes Holz aus dem Wald entfernen, Fangbäume
Kupferstecher Pitogeyenes chalocographus Borke Befallenes Holz aus dem Wald entfernen, Fangbäume
Großer Brauner Rüsselkäfer Hylobius abietis Rinde von Jungpflanzen Einsammeln der Käfer, Einsatz von Fangrinden
       
Kiefer      
   
  Diplodia sapiens Nadeln Entnahme befallener Bäume (> 60 % der Nadelmasse)
Kiefernmistel Viscum album Holzkörper Abschneiden befallener Äste
Nonne Lymantria Monacha Nadeln Entnahme befallener Bäume
       
Tanne      
   
Tannenmistel Viscum album Holzkörper Abschneiden befallener Äste
Tannentrieblaus Dreyfusia Nordmannia Äste Entnahme befallener Bäume
  Nectria fuckeliana Rinde Entnahme befallener Bäume
       
Douglasie      
   
Russige Douglasienschütte Phaeocryptopus gaeumanni Nadeln Entnahme befallener Bäume
Kupferstecher Pitogeyenes chalocographus Borke Befallenes Holz aus dem Wald entfernen, Fangbäume
Großer Brauner Rüsselkäfer Hylobius abietis Rinde von Jungpflanzen Einsammeln der Käfer, Einsatz von Fangrinden
Furchenflügeliger Fichtenborkenkäfer Pityophthorus pityographus Borke Befallenes Holz aus dem Wald entfernen, Fangbäume
       
Eiche      
   
Schwammspinner Lymantria dispar Nadeln Biologische Mittel (Häutungshemmer)
Eichenprozessionsspinner Thaumetopoea processionea Nadeln Verbrennen der Nester, biologische Mittel
Eichenprachtkäfer Agrilus biguttatus Rinde Entnahme von befallenem Holz
       
Lärche      
   
Lärchenminiermotte Coleophora laricella Nadeln Pheromonfallen, biologische Mittel
Lärchenborkenkäfer Ips cembrae Borke Phermonfallen, Entnahme befallener Bäume
       
Buche  
   
Buchenprachtkäfer Agrilus viridis Borke Fangbäume bei starkem Befall

Bekämpfungsmaßnahmen der wichtigsten Schädlinge. Bei den Bekämpfungsmaßnahmen wurden lediglich Sofortmaßnahmen berücksichtigt sowie bewusst Pestizideinsätze nicht erwähnt.

Der Einsatz von Pestiziden mag bei einigen Schädlingen durchaus die letzte mögliche Option sein, allerdings ist ein derart geschädigter Bestand oft ein Hinweis auf waldbauliche Fehler (falscher Standort, fehlende Mischung, Pflegemängel) weshalb es insgesamt besser ist solche Bestände neu zu begründen bzw. die entstehenden Bestandeslücken für den Waldumbau zu nutzen anstatt einen instabilen Bestand durch Chemieeinsatz künstlich zu erhalten.