Zerstört die Forsttechnik den Wald?

Harvester

Ein 18-Tonnen-Ungetüm bewegt sich mühelos durch den Wald und seine Radabdrücke sind im Boden deutlich erkennbar.  Kaum eine Minute braucht der Stahlkoloss, um hundert Jahre Baumwachstum zu beenden. Auf diese Weise wird der Einsatz moderner Forsttechnik in vielen Medien dargestellt.

Die Holzernte wird einer Waldvernichtung gleichgestellt. Auch wenn diese Darstellungen häufig polemisch sind, stellt sich trotzdem die Frage, ob die moderne Forsttechnik nicht nur produktiv, sondern auch schonend und nachhaltig ist. Erlaubt eine naturnahe Waldbewirtschaftung überhaupt den Einsatz von Harvester und Co.?

Harvester
Für Laien wirkt die Holzernte wie die Zerstörung von Wald.

Forsttechnik und Nachhaltigkeit – ein Widerspruch?

Ein Kahlschlag ist ein Bild der Verwüstung. Die frischen Stöcke, die zurückgelassenen Äste und Kronen sowie die Spuren der Rückung haben wenig mit dem harmonischen Bild vom Wald zu tun, das in den Köpfen vorherrscht. Vor allem für Erholungssuchende und forstliche Laien wirkt eine Nutzung des Waldes wie ein brutaler Eingriff in die Natur. Aber auch im Naturwald gibt es nicht nur Wachstum, sondern auch Zerstörung.

Je nach Waldgesellschaft und Bestandesalter sterben Bäume großflächig ab. Insekten, Wind, Schnee, Lawinen, Feuer und Überschwemmungen zerstören laufend Wald. Im naturnahen Waldbau gibt es die Tendenz, die Ernte an das jeweils vorherrschende Störungsregime anzupassen: In Skandinavien etwa werden großflächige Kahlschläge als naturnah angesehen, weil auch Waldbrände Waldflächen zerstören, die viele Hektar groß sind. In Mitteleuropa kommen großflächige Störungen vor allem im Gebirgswald durch Lawinen und Schneebrüche sowie Stürme vor. In Waldgesellschaften, die von Eiche, Tanne und Buche dominiert werden, sind eher kleinflächige Störungen die Regel. Daher sollten in solchen Wäldern die Eingriffe nicht großflächig gestaltet werden und eher Einzelstämme genutzt werden.

Seilkran
Die Seilkranernte ist eine äußerst schonende Erntemethode.

Wie funktioniert pflegliche Holzernte?

Wichtiger als das Aussehen eines Waldes nach einer Schlägerung ist die Frage, ob der Wald in seinen Funktionen gestört wurde. Es geht also darum, ob ein Eingriff negative Folgewirkungen hat, die das Wachstum der aktuellen und der kommenden Baumgeneration erschweren oder gar unmöglich machen. Dabei gibt es drei Fragen, die abzuklären sind:

  • Wurde der Boden bei der Nutzung verdichtet?
  • Sind die Schäden am verbleibenden Bestand so groß, dass dieser nun instabil ist?
  • Wurden bei der Nutzung Betriebsstoffe, wie Hydrauliköl, und andere chemische Substanzen freigesetzt, die Boden und Vegetation gefährden?

Wie pfleglich ein Bestand genutzt wird, ist weniger eine Frage, ob moderne Forsttechnik eingesetzt wird, sondern vielmehr, auf welche Art und Weise sie zum Einsatz kommt. Trotz der vielen Innovationen und Weiterentwicklungen gibt es noch Standorte, an denen Forstmaschinen an ihre Grenzen stoßen. So sind sehr steile Hänge sowie Waldbestände in Feuchtgebieten eine Herausforderung für die gängigen Forstmaschinen und sollten eher von Forstarbeitern mit der Motorsäge genutzt werden. Bei der Holzernte, unabhängig davon, ob mit der Motorsäge oder dem Harvester geerntet wird, darf der verbleibende Bestand sowie die Naturverjüngung nicht beeinträchtigt werden. Es liegt am Waldbesitzer selbst, ob die Bestände pfleglich genutzt werden oder nicht. Wird in Eigenregie gearbeitet, so muss entschieden werden, ob man über das richtige Werkzeug verfügt und auch in der Lage ist, damit umzugehen. Vergibt man die Ernte an einen Unternehmer, so soll vorab geklärt werden, mit welchen Forstmaschinendie Arbeit ausgeführt wird, warum die Entscheidung auf die jeweilige Maschine fällt und über wie viel Erfahrung das Unternehmen verfügt.

Waldboden
Der Bodenschutz ist die wichtigste Vorgabe einer pfleglichen Holzernte. Nicht zuletzt weil der Waldboden Kapital für den Waldbesitzer darstellt.