Wie der Wald das Klima rettet

Wald

Im Zuge der Diskussionen zum Klimawandel und der damit ver­bundenen Maßnahmen zum Klimaschutz rücken Wälder als Koh­lenstoffspeicher immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Wäl­der speichern langfristig Kohlenstoff in der Biomasse der Bäume, aber auch im Totholz und im Mineralboden. Der neue IPCC-Bericht bestätigt, dass es deshalb ein Umdenken in der Landbewirtschaftung geben muss.

Dass Bäume einen Beitrag zum Klimaschutz leisten ist allgemein bekannt. Oft wird fälschlicherweise vermutet, dass eine Spei­cherung des CO2 stattfindet. Bäume verwenden jedoch für den Biomasseaufbau im Zuge der Photosynthese lediglich den Kohlen­stoff (C) und setzen den Sauerstoff (O2) wieder frei. Will man den Klimaeffekt von Bäumen also korrekt beschreiben, muss man von einer C-Bindung und nicht von einer CO2-Bindung sprechen. Wieviel CO2 der Atmosphäre entzogen wird, hängt davon ab wie alt der Baum bzw. der Bestand ist und welche Baumarten dominieren. Als Richtwert kann man aber davon ausgehen das für das Wachstum eines Festmeter Holzes etwa eine Tonne CO2 aus der Atmosphäre entzogen wird, in Jungbeständen kann dieser Wert bis auf das Doppelte ansteigen.

Totholz
Totholz ist ein wichtiger Wasserspeicher.

Es braucht eine neue Holzzeit

Erstaunlich ist, dass die holzverarbeitende Industrie nicht schon lange auf den positiven und klimafreundlichen Einfluss ihrer Produkte hinweist. Denn Holz im Zuge des Klimawandels zu nutzen ist kein Widerspruch, sondern vielmehr ein Gebot der Stunde, insbesondere wenn Holz dafür verwendet wird, um andere Materialien wie Plastik zu ersetzen. Denn verarbeitetes Holz setzt den gespeicherten Kohlenstoff nicht frei, er wird vielmehr über Jahre und Jahrzehnte, abhängig von der Lebensdauer des jeweiligen Produkts, gespeichert. Und am Ende des Lebenszyklus kann er als klimaneutraler Rohstoff verfeuert werden.

Doch damit das gelingt müssen die Anbauflächen von Holz steigen, anders gesagt: es braucht mehr Wald, nicht nur in Mitteleuropa, sondern weltweit, zumindest auf den Flächen wo die Standortsbedingungen das Wachstum von Wald zulässt. Die Kritik an tropischen Ländern wie Indonesien und Brasilien, die Jahr für Jahr riesige Waldflächen vernichten  zum Anbau verschiedener landwirtschaftlicher Kulturen ist absolut berechtigt, denn gerade die Tropenwälder haben einen enormen Einfluss auf das Waldklima. Dazu kommt noch der traurige Umstand das Wälder – anders als in Europa oder Nordamerika – in den Tropenregionen nur schwer wieder aufgeforstet werden können, da die gesamten Nährstoffe der Tropenwälder in der Vegetation gespeichert sind. Aufgrund der hohen Niederschläge sind die Wälder in Tropenregionen äußerst nährstoffarm. Wird der Wald abgeholzt, gehen auch die gesamten Nährstoffe verloren und es setzt keine natürliche Wiederbewaldung ein, sondern es bilden sich artenarme, steppenähnliche Flächen.

Aber auch der Großteil Europas, mit Ausnahme der Hochgebirge und einiger, sehr trockenen Gebiete in Osteuropa bzw. auf der Iberischen Halbinsel, war mal Wald. Glücklicherweise verfügt Europa über sehr junge (aus geologischer Sicht) und damit nährstoffreiche Böden – einer Wiederbewaldung steht also rein aus naturwissenschaftlichen Gründen nichts im Weg. Es wäre hierfür aber eine massive Änderung der europäischen Agrarpolitik notwendig, unter dem Stichwort: Holz statt Heu.

Wald
Wälder sind Kohlenstoffsenke und Rohstoffproduzent gleichzeitig.

Holz statt Heu

Der Wald liefert – neben seiner Funktion als Kohlenstoffsenke – eine Vielzahl von Schutzfunktionen gegen Naturgefahren, die Agrarflächen nicht bieten können, im Gegenteil, oft sind sie sogar ein Teil der Problematik. Maisfelder sind etwa stark erosionsgefährdet und im Falle von Starkregen kommt es dazu, dass ein Teil des Oberbodens weggeschwemmt wird. Auch gegenüber Lawinen, Muren oder Steinschlag bieten Weiden und Äcker keinerlei Schutz. Überhaupt ist der Klimawandel auch eine große Herausforderung für die Landwirte: Jahr für Jahr nehmen die Schäden in den landwirtschaftlichen Kulturen zu, durch Frost, Dürre, Hagel, Starkregen. Natürlich kann sich nicht die gesamte Landwirtschaft von heute auf morgen komplett zu Waldbesitzern umwandeln. Was aber notwendig wäre, ist das die Waldbewirtschaftung auch für Landwirte wieder bedeutender wird und das vor allem Grenzertragsflächen in Wald umgewandelt wird. Da Wälder nicht jährlich geerntet werden können – bzw. der Holzuwachs zu gering ist um eine jährliche Nutzung wirtschaftlich zu gestalten – wäre dieser Wandel natürlich nur dann finanziell stemmbar, wenn dieser von der öffentlichen Hand gefördert wird. Aber an den benötigten finanziellen Mitteln kann der Landwirtschaftsmangel nicht scheitern, denn neben den ohnehin üppigem Förderprogramm der EU werden Landwirten fast ausnahmslos nach Schadereignissen Sondersubventionen gewährleistet.

Aus vielerlei Gründen – Klimapolitik, Gefahr vor Naturgefahren und vernünftiger Einsatz von Steuermitteln würde es viel mehr Sinn machen Landwirten den Aufbau von Wäldern, die Kohlenstoff speichern und die Wirkung von Naturgefahren mindern, zu finanzieren als Jahr für Jahr Ausgleichszahlungen für vom Klimawandel zerstörte Feldfrüchte zu leisten.

Wald
Es braucht mehr Wald.