Waldsterben 2.0 ??

Waldsterben

In Medien und von manchen Interessenvertretern ist immer wieder das Schlagwort des neuen Waldsterbens zu hören. Doch stirbt der Wald wirklich? Waldbrände sind nur eine Schadensursache welche derzeit die Waldbesitzer plagt. Am größten sind immer noch die Probleme, die von den Fichtenborkenkäfern verursacht werden. Regional wird dadurch die gesamte Forstwirtschaft an ihre Existenzgrundlagen gebracht, da der Holzpreis sich aufgrund der großen Schadholzmengen seit Monaten im Tiefflug befindet. 

Lange Zeit galt wurde Waldbesitzern geraten bei der Bestandesbegründung vermehrt auf Laubhölzer zu setzen bzw. bestehende Fichtenmonokulturen aufzulichten um Platz für Laubholz zu machen. Doch mittlerweile kommt es auch bei Laubbaumarten zu Schäden, die man bisher so nicht gekannt hat, etwa wie das Eschentriebsterben oder die Ahornrusskrankheit.

Fichtenwald
Standortsfremde Fichtenmonokulturen haben keine Zukunft.

Kein Waldsterben reloaded

Das bestätigt auch Klemens Schadauer, stellvertretender Leiter des Bundesforschungszentrum für Wald. „Witterungsextreme verursachen zurzeit massive Schäden in manchen Waldgebieten Österreichs. Sie sind oft Ursache für die Massenvermehrung verschiedenster Baumschädlinge. Das führt, wenn nicht umgehend geeignete Maßnahmen ergriffen werden, zum Absterben einzelner oder mehrerer Baumarten. Insekten vermehren sich bei warmen und trockenen Witterungsbedingungen sehr rasch, gleichzeitig leiden Wirtsbäume unter Wassermangel, wodurch ihre Abwehrkräfte schwinden. So können sich bei mehrmaligen Wiederholungen solcher Extreme zumindest lokale Katastrophen einstellen.“

Von einem neuen Waldsterben kann aber nicht gesprochen werden. „Der Begriff Waldsterben ist nichtzutreffend, weil der Wald als ökologisches Ganzes nicht stirbt, sondern verändert wird. Es wird aber keine leichte Aufgabe sein, seine Bedeutung als Wirtschaftsfaktor und seine Schutzwirksamkeit zu erhalten.“

Nicht Waldsterben 2.0 sondern Forstwirtschaft 4.0

Die nächsten Jahre werden für die Waldbesitzer schwer bleiben, da vor allem in Fichtenreinbeständen weiterhin mit hohen Ausfällen zu rechnen ist. Bei anderen Baumarten gibt es Hoffnung, dass die Schäden mittelfristig kontrolliert werden können. So entdeckten Forscher das manche Eschen resistent sind gegenüber dem Eschentriebsterben. Was notwendig sein wird ist eine generelle Änderung der Forstwirtschaft in vielen Bereichen, um sich auf den Klimawandel und dessen Auswirkungen einstellen und reagieren zu können. Dabei wird es nicht reichen die Fichte einfach durch die Douglasie zu ersetzen. Eine kritische Baumartenwahl, konsequente Pflege, Abkehr von der Schlagwirtschaft sind nur einige der neuen Ansätze, die in den forstlichen Alltag Einzug halten müssen.

Das betont auch Michaela Langer-Weninger, die Präsidentin der LK Oberösterreich. „Man muss die österreichischen Wälder in ihrer Gesamtheit betrachten. Wir wissen, dass viele Waldbesitzer aufgrund der aktuellen Borkenkäferkalamitäten mit massiven ökonomischen Schäden konfrontiert sind. Die gewohnten Waldbilder werden sich aufgrund des Klimawandels teilweise drastisch ändern. Welches Klimaszenario und welche zusätzlichen Schadfaktoren während eines Baumlebens tatsächlich auftreten, können wir nur vermuten. Daher empfehlen wir den Waldbesitzern auf Vielfalt bei der Baumartenwahl zu setzen“.

Mischwald
Wer streut, rutscht nicht: Mischwäldern gehört die Zukunft.